Willowmore – Garden Route

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4. – 11. Juni 2024:

Nach einer Nacht mit Dauerregen lud uns das nette Pärchen ins Haus ein zum Frühstück. Sie erzählten uns von ihrer Familie und der 84-jährige Mann zeigte uns sein Logbuch, in welchem alle Niederschläge seit 1923 eingetragen sind. Spätestens da merkten wir, wie speziell der viele Regen für die Einheimischen ist. Sogar im hohen Alter geht er noch auf die Jagd und zeigte uns stolz Fotos davon. Jagen ist ein Nationalsport und Kinder werden früh in die wichtigsten Kniffs eingeführt.

Der Regen stoppte und wir nutzen diesen Moment. Wir packten das klitschnasse Zelt zusammen und setzten unsere Fahrt fort. Leider ging es nicht lange und der Regen setzte wieder ein. Wir unterschätzten die Stärke des Niederschlags und kamen ziemlich nass in Willowmore an. In einem schicken Café konnten wir unsere nassen Klamotten an einem offenen Feuer trocknen und genossen warme Getränke und Mahlzeiten.

Trotz dem intensiven Dauerregen entschieden wir uns weiterzufahren. Der nächste Ort war etwas mehr als 60 km entfernt und wir hofften diesen noch vor dem Eintreffen der Dunkelheit zu erreichen. Bei einem Zwischenstopp trafen wir eine Gruppe aus Kapstadt, welche meinte gewisse Strassen seien unpassierbar wegen des Regens. Anscheinend hatte es in den letzten 60 Jahren noch nie so viel geregnet.

Bereits im Dunkeln erreichten wir die Kleinstadt Uniondale und entschieden uns eine Unterkunft zu suchen, da unser Zelt noch nass war und viele Flächen unter Wasser standen. Wir fanden ein Appartement und waren froh, endlich im Trockenen zu sein.

In der Nacht trockneten wir das Zelt und anderes Material mit Hilfe von zwei Ventilatoren, da es in der Unterkunft so kalt war, dass man den eigenen Atem sehen konnte. Wir verwendeten sogar die Herdplatten, um die nassen Kleider zu trocknen.

Nach einer weiteren Nacht mit viel Wind und Regen sah es am nächsten Morgen einiges freundlicher aus. Leider war unsere geplante Strecke über eine Schotterpassstrasse aufgrund der heftigen Regenfälle gesperrt und wir mussten die einzige Alternative nehmen. Seit einiger Zeit haben wir auf diesen Tag vorausgeschaut, denn Fabians Eltern sind seit einigen Tagen ebenfalls in Südafrika. Der Plan ist Peter und Lilo an der Küste zu treffen und die letzten zwei Wochen zusammen nach Kapstadt zu reisen.

Uns trennten jedoch noch über 100 km von den Beiden. Mit Sonnenschein und starkem Gegenwind überquerten wir einen Pass mit schöner Aussicht auf die umliegenden Bauernhöfe und Berge. Die Umgebung war im Vergleich zu den letzten Tagen viel grüner und man merkte wie sich das Klima änderte. Wochenlang waren wir nun auf über 1000 Meter und jetzt knapp darunter.

Nach der Mittagspause folgte ein Abschnitt mit etwa 30 km, wo man die nächste Kurve nicht sah, da es keine gab. Die felsigen Berge und das grüne Tal entschädigte jedoch für die monotone Strasse. Wir fuhren an einigen Straussenfarmen vorbei. Einmal fingen plötzlich etwa 200 dieser agilen Tiere parallel zu uns an zu rennen. Sie folgten uns bis zum Ende ihres Zauns, ein spezielles Erlebnis.

Nach dem langen Stück folgte der Outeniqua Pass, von welchem man bis zum Meer sehen konnte. Das Panorama mit Bergen, der Passstrasse, der Stadt George und dem endlos scheinenden Ozean im Hintergrund, war eine ungewohnte Abwechslung. Seit Mosambik sahen wir das Meer nicht mehr.

Wir schafften es knapp vor Einbruch der Dunkelheit runter in die Stadt und fanden nach mehreren Versuchen ein Depot für unsere Fahrräder. Denn auf Grund der gesperrten Strasse kamen uns Peter und Lilo aus dem fast 80 km entfernten Knysna mit ihrem Mietauto abholen. Wir freuten uns auf das Wiedersehen und die kommenden Pausentage zusammen. Auf dem Weg hielten wir in einem Steakhouse, um uns zu stärken und hatten Zeit unsere Erlebnisse der vergangenen Tage auszutauschen. Danach fielen wir in der Wohnung in Knysna müde ins Bett.

Nach einer erholsamen Nacht im eigenen Bett genossen wir ein tolles Frühstück in der Nähe der Unterkunft. Danach fuhren wir ins Robberg Naturreservat und wanderten einmal um die gesamte Halbinsel. Der Wanderweg «The Point» war ungefähr 9 km lang und führte durch verschiedene, wilde Landschaften. Zuerst ging es über einige felsige Stufen ein wenig hinunter zum Meer, bevor wir die ersten südafrikanischen Seebären sahen. Die flinken Tiere sprangen spielerisch aus dem Wasser und freuten sich über die grossen Wellen. Nach einem Anstieg kam uns ein unangenehmer Geruch in Nase und kurz danach hörten wir die Seebären, welche etwa 100 Meter unter uns auf einem Felsen entspannten.

Nachdem wir den hintersten Punkt der Halbinsel erreichten, änderte das Wetter innerhalb einer halben Stunde von Sonnenschein zu dicken Wolken und stürmischem Wind. Zwischenzeitlich setzte Regen ein, aber es reichte zum Glück nicht aus um nass zu werden. Nach dem Überqueren einer Sandbank und dem letzten Anstieg zurück zum Parkplatz, bemerkten wir spätestens die müden Beine.

Als nächstes besuchten wir «Birds of Eden». Dieser Vogelpark ist mit einer Grundfläche von 23’000 m2 die weltweit grösste Vogelfreiflughalle. Unter dem gigantischen Drahtnetz leben etwa 3’500 Vögel von ca. 220 verschiedenen Arten. Ein Gehweg führt durch die diverse Landschaft, welche eine Flusslandschaft, tropischer Regenwald und heimischen Wald beinhalten. Das Areal wird durch in der Kuppel eingebaute Wasserleitungen sogar künstlich bewässert. Wir sahen dutzende Arten von Vögel während dem Besuch. Einige waren so farbenfroh, dass man es kaum glauben konnte.

Nach dem intensiven Tag waren wir alle hungrig und etwas müde. Wir fanden ein ausgezeichnetes Restaurant in Plettenberg Bay direkt am Meer, wo wir verschiedene Meeresfrüchte und ein leckeres Dessert genossen.

Am zweiten Tag in Knysna besuchten wir den Stadtteil «The Heads», welcher an und auf einem steilen Hügel liegt. Von den Aussichtspunkten hatten wir einen wunderbaren Blick auf den wilden Indischen Ozean und die steil abfallenden Felsen auf beiden Seiten der Meerenge. Vom Knysna Beach sahen wir die schäumenden Wellen und die zum Teil riesigen Villen oberhalb der Klippen.

In einer Mikrobrauerei probierten wir einige Gläser verschiedener Biere und liessen uns die Brauerei, welche gerade im Umbau ist, zeigen. Auf der Thesen’s Island besuchten wir eine Bäckerei, in welcher wir uns leckeren Kaffee und Kuchen gönnten.

Dank der warmen Sonne konnten wir einige Kleider auswaschen und im Garten der Unterkunft entspannen. Für das Abendessen besuchten wir ein Fischrestaurant, in welchem wir exzellenten Fisch vom Tagesfang genossen und dem Gesang der Mitarbeiter/innen aus der Küche lauschten.

Vom Manager der Unterkunft wussten wir vom Samstagsmarkt in Sedgefield. Nach dem Frühstück fuhren wir direkt dorthin, um die verschiedenen Stände anzuschauen. Das Angebot war Querbeet von selbst genähten Kleidungsstücken über Smoothies bis Statuen. Wir führten interessante Gespräche mit verschiedenen Künstlern und schlenderten durch den gut besuchten Markt. Nach einer Weile realisierten wir, dass der eigentliche Bauernmarkt nebenan ist und wir den gar noch nicht besucht hatten. Zum Glück hatten wir vor der Schliessung noch genügend Zeit verschiedene Spezialitäten zu probieren. Zum Abschluss gönnten wir uns einen leckeren Kaffee und lernten eine deutschsprechende Dame kennen.

Sie empfahl uns einen nahegelegenen Strand, der angeblich der schönste der Welt sein sollte. Nicht das erste Mal hören wir diese Wortwahl der Superlative. Der Strand war schön, aber wir waren uns einig, dass es nicht der Schönste der Welt ist. Danach fuhren wir nach Wilderness, wo wir zu einem Aussichtspunkt navigierten. Dort kann man angeblich (mit viel Fantasie) in einem Flusstal, welches von einem Hügel umgeben ist, die Form Afrikas erkennen. Uns gefiel der imposante Tiefblick ins Tal, der Panoramablick auf den Ozean und die Berge hinter der Schlucht.

Unweit liegt Victoria Bay. Die dortigen Wellen ziehen viele Surfer an und wir schauten den fortgeschrittenen Männern zu, wie diese gekonnt auf den doch einige Meter hohen Wellen ritten. Nachdem die wärmende Sonnen hinter den steilen Hügeln verschwand, machten wir uns auf den Weg nach George. Dort kauften wir einen 5 kg Sack Maismehl für die Familie, welche unsere Fahrräder gehütet hatte während der letzten Tage.

Nach drei Tagen Radelpause und dem Luxus von kalorienreichen und leckeren Mahlzeiten, setzten wir unsere Fahrt ans Südkap bzw. Kapstadt fort. Dank erholten Beinen und der Begleitung einheimischer Fahrradfahrern, kamen wir effizient vorwärts. Während der Fahrt hatten wir nette Gespräche mit einem Pärchen und einem älteren Mann aus der Gegend.

Immer wieder sahen wir Siedlungen mit fast identischen Häusern, welche von hohen Zäunen und Mauern umgeben sind. Dieses isolierte Wohnen ist für uns ungewohnt und hilft in Südafrika keineswegs die Segregation der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen zu verkleinern. Die meisten Bewohner dieser Häuser sind weiss und die schwarze Bevölkerung wohnt fast ausschliesslich in Blechhütten ausserhalb der Zentren der Städte. Vor allem in den ländlichen Städten sahen wir leider vielfach, dass es immer noch Schulen gibt mit mehrheitlich weissen bzw. schwarzen Kindern. Trotz dem Ende der Apartheid seit über 30 Jahren, ist die wirtschaftliche Benachteiligung der nicht-weissen Bevölkerung besorgniserregend. Die Arbeitslosigkeit wird auf etwa 40% geschätzt. Viele junge Menschen finden keinen Job oder bezahlen sogar jemanden, der ihnen einen Tagesjob besorgt.

Bis zum Mittag mussten wir uns entscheiden, ob wir 100 km bis Albertinia oder fast 140 km bis Riversdale fahren wollten. Der Grund dafür war, dass wir für uns und Fabians Eltern eine Unterkunft finden mussten in einer der beiden Orte. Dieser Verlust der Flexibilität ist ein Nachteil, wenn man nicht im Zelt schläft und mit ein Grund wieso wir das Campieren in der Wildnis so lieben. Natürlich überwiegt in diesem Fall die positive Seite mit einer warmen Dusche, einem bequemen Bett und der Gesellschaft von Fabians Eltern.

Grüne Wiesen, ab und zu ein Anstieg und nur eine breite Hauptstrasse als Routenwahl, definierte unseren Tag. Den grössten Teil des Tages hatten wir zwar keine Sicht auf das Meer, dafür auf die Bergkette, welche das Hochland und die Küste voneinander trennen. Nach zwei saftigen Anstiegen erreichten wir am späteren Nachmittag das unbelebte Riversdale.

Nach einem ausgiebigen Frühstück radelten wir in etwa 1.5 Stunden nach Heidelberg, wo wir eine kurze Pause einlegten. Ein paar Stunden später erreichten wir Swellendam mit knapp 20’000 Einwohnern. Dort kauften wir in einem kleinen Supermarkt etwas zum Essen und setzten uns draussen hin. Nach einer Weile fragte uns eine nette Dame, ob wir einen Kaffee möchten. Wir nahmen das Angebot dankend an. Kurz darauf kam ein grosser Mann aus demselben Gebäude und grüsste uns ebenfalls freundlich. Er wurde uns als Bürgermeister von Swellendam vorgestellt und wir durften ein Foto mit ihm machen.

Bis jetzt hörten wir immer wieder Räubergeschichten von der weissen Bevölkerung bezüglich der schwarzen Mehrheit. Die Angestellte der Lokalregierung erzählte uns nun für einmal eine andere Sichtweise. Anscheinend kommen viele Arbeiter aus Simbabwe illegal nach Südafrika. Weisse Bauern stellen diese zu einem Minimallohn an und brechen somit das Gesetz. Die Regierung weiss Bescheid, aber kann nichts dagegen machen, da ihr die nötigen Mittel für die Umsetzung des Gesetztes fehlen.

13 km nach der Stadt bogen wir ab in Richtung Südkap, genannt Kap Agulhas. Zum Ziel unseres inzwischen 6-jährigen Unterfangens waren es nun nicht einmal mehr 100 km. Nach einer weiteren halben Stunde und vielen weiteren Hügeln, hielten wir Ausschau nach einem Ort, um unsere Fahrräder für einen Tag zu deponieren für einen weiteren Pausentag. Peter und Lilo gingen voraus und fragten einen Bauern. Dieser willigte ein und wir durften die Fahrräder in seiner Garage einstellen. Danach fuhren wir im Dunkeln über holprige und zum Teil überschwemmte Schotterstrassen in das de Hoop Naturreservat.

Bereits auf dem Weg zum Frühstück sahen wir viele Wildtiere, so dass wir uns auf den restlichen Tag freuten. Durch eine mit Büschen durchzogene Landschaft fuhren wir an weissen Sanddünen vorbei, direkt an den Indischen Ozean. Von den etwa 50 m hohen, aus feinstem Sand bestehenden Dünen, konnten wir weite Teile der Küste sehen. Schon bald sichteten wir die ersten Wale im Wasser. Mit Hilfe des Feldstechers sahen wir sogar einige Male die Schwanzflossen der Südlichen Glattwale (Südkaper).

Dank der Ebbe konnten wir den felsigen und mit vielen Muscheln gespickten Untergrund inspizieren. Wir fanden viele faszinierende Objekte, welche die Vielfalt der Natur wundervoll zeigen. Nachdem zwei von uns die Füsse badeten oder sogar ganz im Wasser waren, verliessen wir die Küste wieder. Auf dem Rückweg sahen wir sogar noch Bergzebras, direkt neben unserer Unterkunft inmitten von Pavianen, Buntböcken und Elenantilopen. 500-1000 kg wiegen Elenantilopen und können aus dem Stand einen 2 Meter hohen Zaun überspringen.

Am Abend erlebten wir einen wunderschönen Sonnenuntergang und sahen dutzende Antilopen aus dem Fenster der Unterkunft. Während dem leckeren Abendessen, neben dem Feuer, mussten wir seit längerem keine Daunenjacke anziehen. In vielen Innenräumen im südafrikanischen Winter sind die Temperaturen sehr tief.

 

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