Botswana

8. März – 20. März 2024:

Die Ausreise aus Namibia und die Einreise nach Botswana war sehr entspannt und nach gut 30 Minuten total war alles erledigt. Im ersten und grössten Dorf für die nächsten zwei Tage wollten wir eine SIM-Karte kaufen und Geld abheben. Leider funktionierten alle (drei) unserer Karten nicht und wir waren gezwungen einen anderen Weg zu finden.

Bei der Tankstelle fragen wir herum, ob es eine Möglichkeit gäbe US Dollar zu wechseln. Plötzlich flüsterte uns eine jüngere Frau zu, wie viel wir den wechseln wollten. Schlussendlich wechselte uns ein Mann innerhalb von 5 Minuten 100 US Dollar zu eine mittelmässigen Kurs in die lokale Währung Pula.

Dies und das Besorgen einer SIM-Karte brauchte viel Zeit und Nerven, aber das sind wir uns von unserer letzten Reise gewohnt. Davon abgesehen gefiel uns der erste Eindruck von Botswana. Die Leute waren sehr entspannt und freuten sich, uns zu sehen. Die Atmosphäre war definitiv wieder «afrikanischer» als in Namibia. Überall war laute Musik zu hören, die Leute sprachen uns an und die Kinder kamen springend auf uns zu.

Bereits um 8 Uhr war es mittlerweile heiss und wir wussten, dass wieder ein anstrengender Tag wird. Unsere Hinterteile schmerzten seit Tag 1 und die Müdigkeit der Beine machte sich auch immer mehr bemerkbar. Die letzten Monate sind wir beide kaum auf dem Fahrrad gesessen, geschweige denn für mehrere Stunden am Stück.

In einem kleinen Dorf füllten wir unsere Wasserflaschen und quatschten mit einigen Kindern. Deren Englisch war sehr gut und es war spannend mit ihnen zu sprechen.

Um die Mittagszeit erreichten wir den letzten Ort für die nächsten 110 Kilometer. Wir verpflegten uns, warteten die heissesten Stunden des Tages ab und Fabian versuchte seine Schaltung besser einzustellen. Leider klappte dies nicht wie gewünscht und das Schaltkabel musste ersetzt werden. Dies war eines der wenigen Ersatzteile, welche wir dabei haben. Während dem Ersetzen sahen wir das Problem. Der Mantel, welches das Schaltkabel umhüllt, war an einer Stelle zerstört. Fabian trennte diesen Teil mit einer Zange ab und montierte den Rest wieder. Dies ermöglichte ihm zumindest zwischen zwei von drei Kettenblättern auszuwählen. Die Hoffnung ist, diese Schaltkabelhülle in einer der nächsten Grossstädte zu ersetzen.

Während der Reparaturaktion fragten wir einen Lastwagenfahrer, der in die gleiche Richtung unterwegs war, ob er uns etwa 70 Kilometer weiter 4 Liter Wasser deponieren könnte. Er willigte gleich ein und wir tauschten die Nummern aus, damit er uns bestätigen konnte, sobald es geklappt hatte.

So mussten wir weniger Wasser mitschleppen. Bis zur ersten wirklichen Kreuzung seit Windhoek und etwa 470 Kilometern hatten wir teilweise ein paar Regentropfen, da ein Gewitter oberhalb von uns durchzog. Neben dieser Abkühlung, hatten wir leider teilweise starken Gegenwind, welcher sehr energieraubend war.

Nach der heissesten Nacht bisher, bogen wir an der riesigen Kreuzung nach links, also Norden ab, anstatt nach rechts in Richtung der Hauptstadt Gaborone.

Bald erreichten wir mit Ghanzi die sogenannte Hauptstadt der Kalahari mit etwa 20’000 Einwohner. Die Kalahari ist eine Dornstrauchsavanne, wird aber gelegentlich auch als Wüste bezeichnet. Sie befindet sich grösstenteils in Namibia und Botswana und umfasst ein Gebiet von etwa einer Million Quadratkilometer. Somit ist die Kalahari die siebtgrösste Wüste der Welt.

Nach weiteren 40 Kilometern während der heissesten Tageszeit, erreichten wir Dekar. Dort hatte es einen kleinen Supermarkt. Wir kauften uns je einen halben Liter Energiedrink und legten eine Pause im Schatten ein. Wir lernten einen älteren Missionar kennen, welcher sogar die lokale Klicksprache beherrschte und uns erzählte, dass das ganze Land des Dorfes der Kirche gehörte.

Danach konnten wir mehrheitlich vom Schatten der vorbeiziehenden Gewitter profitieren. Leider nahm der Gegenwind nicht ab und wir quälten uns mit eher langsamem Tempo über die schnurgerade Asphaltstrasse. Die Landschaft war seit der Grenze ziemlich ähnlich und beschaffte uns auch keine Abwechslung.

Schlussendlich entschieden wir uns bei einem Rastplatz, direkt neben der Hauptstrasse das Zelt aufzuschlagen. Vorher fragten wir bei ein paar Männern, welche mit ihrem Kleintransporter am Strassenrand standen, ob sie Wasser für uns haben. Wir bekamen genügend Wasser für die Nacht und fragten wieso sie überhaupt stillstanden. Derselbe Mann antwortete mit einem riesigen Grinsen: «Wir mussten 45 Minuten warten, da der Motor überhitzte, aber bald geht es weiter». Wir mussten laut lachen, da er diesen Satz mit einer unglaublichen Selbstverständlichkeit sagte.

Kurz vor dem Einschlafen hielt ein Lastwagen neben uns. Wir dachten der Fahrer macht eine Pinkelpause, doch als er nach einiger Zeit immer noch dort stand, sahen wir, dass der Fahrer bereits schlief. Leider transportierte der Lastwagen gekühlte Ware und wir mussten den Lärm des Kühlaggregats die ganze Nacht über aushalten.

Eine Stunde früher als sonst fuhren wir in Richtung Norden weiter. Im ersten Dorf waren die Einheimischen bereits fleissig im Alkohol und gut gelaunt. Leider sahen wir diese Situation in Botswana schon öfter, dass Männer und auch Frauen sich den ganzen Tag über betrinken. Schlussendlich ist es für uns schwer vorstellbar wie es ist ohne Job und Perspektive zu leben. Aus diesem Grund versuchen wir nicht zu urteilen und das Beobachtete zu relativieren.

Generell hatte es auch immer wieder schöne, traditionelle Rundhäuser. An einem Veterinär-Kontrollpunkt fragten wir eine Dame, ob sie in etwa zwei Stunden einem Auto Wasser für uns mitgeben könnte. Wir gaben ihr die Flaschen und hofften, dass dieser Plan klappt. Tatsächlich hielt etwa 2.5 Stunden später ein Auto und brachte uns das Wasser. Das deutsch-französische Paar gab uns sogar noch ein kühles Süssgetränk dazu, was uns natürlich sehr freute.

Noch vor der ersten längeren Pause legten wir über 100 Kilometer zurück. Es war ein Kampf, da die Sonne schon wieder voll versuchte uns auszutrocknen und der Gegenwind verhinderte, dass wir vorwärtskommen. Immerhin änderte sich die Landschaft ein wenig und glich immer mehr einer Savanne. Bei einem Restaurant konnten wir uns stärken, unsere verschwitzen Körper und Kleider waschen und uns erholen. Nach weiteren 40 Kilometern fielen wir schlussendlich in einen tiefen Schlaf.

Damit wir der Hitze entweichen konnten und das Maximum aus den verbleibenden zwei Tagen mit Adrians Eltern herausholen konnten, stellten wir den Wecker auf 6 Uhr. Leider blies uns der Gegenwind schon nach wenigen Kilometern ins Gesicht und wir kamen nur noch langsam vorwärts. Stetig näherten wir uns Maun und waren froh, kurz vor dem Mittag dort anzukommen. Maun ist mit etwa 90’000 Einwohnern die viertgrösste Stadt des Landes.

Direkt im Zentrum fuhren wir zum Büro des Moremi Wildreservat, um eine Aktivität zu buchen. Im Vorfeld hatten wir Mühe, eine bezahlbare Option ausfindig zu machen. Viele Lodges verlangen für eine Übernachtung um die 1000 US Dollars, was uns definitiv zu teuer war. Ausserdem muss man für viele Unterkünfte im Wildreservat bzw. im Okavango Delta hineinfliegen.

Schnell kamen wir mit einer jungen, freundlichen Frau eines Tourenanbieters ins Gespräch. Sie verkaufte uns ein Packet für vier Personen für einen Tag mit Übernachtung im Delta, welches zum UNESCO Welterbe gehört. Der Preis war immer noch hoch, aber um einiges günstiger als alle anderen bisher.

Auf dem Weg zur Unterkunft, überholte uns ein Autofahrer und blinkte gleichzeitig. Anstatt wie bei uns üblich, bog er ab und rammte Fabian seitlich. Er stürzte und schlitterte auf dem Asphalt entlang. Geschockt stand Fabian sofort wieder auf und war wütend, da er nichts falsch gemacht hat. Der Fahrer meinte, er habe geblinkt und gehupt, das sei doch genügend. Schlussendlich sah er seinen Fehler nicht ein und eine ähnliche Situation wiederholte sich einige Minuten später. Dieses Mal konnten wir rechtzeitig bremsen, um einen weiteren Unfall zu verhindern. Zum Glück hatte Fabian nur eine Schürfung an der Hand, eine Prellung am Handgelenk sowie einen grossen Schock. Dem Fahrrad ist nichts passiert.

Auf dem Campingplatz des Sedia Riverside Hotels trafen wir Adrians Eltern und freuten uns auf die letzten gemeinsamen Tage. Nach einer kurzen Stärkung wurden wir von einem Safari-Fahrzeug abgeholt und los ging es in Richtung Delta.

Etwa zwei Stunden vor Sonnenuntergang kamen wir im Delta beim Wasserverlauf an und stiegen in sogenannte Mokoro um. Das sind traditionelle Kleinboote, welche mit einem langen Holzstab angetrieben werden, da der Fluss nie tiefer als 1.5 Meter war. In einer Entfernung von vielleicht 15 Metern lagen mehrere Flusspferde direkt vor uns im Wasser. Nach einer ungefähr 40-minütigen Bootsfahrt kamen wir auf einer kleinen Insel an, wo wir zwei Boote voll Material (Zelt, Matten, alle Esswaren, Tisch und Stühle usw.) entluden und installierten.

Der ”Koch” entfachte ein schönes Feuer und bereitete ein köstliches Curry mit Hähnchen zu. Neben viel Small Talk erfuhren wir einiges über die Lebensweise in den kleinen Dörfern im Delta und im Allgemeinen über Botswana. Müde von all den Eindrücken zogen wir uns in die Zelte zurück.

Bereits um 5.30 Uhr war wieder Tagwache und nach einem kurzen Frühstück setzten wir uns wieder in die Boote, welche uns aufs Festland brachten. Hier wanderten wir etwa drei Stunden auf kleinen Pfaden durch hohes Gras und erfuhren viel über die Tierwelt und deren Gewohnheiten. Wir bekamen mehrere Kaffernbüffel, sehr viele grosse Vogelarten und auch Elefanten und Antilopen zu sehen.

Wieder zurück auf unserer Insel, welche eine von 150’000 des Deltas ist, erholten wir uns im Schatten, denn es war bereits wieder um die 40 Grad heiss. Später gab es ein stärkendes Mittagessen, bevor wir das ganze Zelt- und Küchenlager wieder abbauten, in den Booten verstauten und uns auf den Booten zurückfahren liessen. Nach einer herzlicher Verabschiedung von unserem Guide und seinen Helfern und Helferinnen, fuhren wir im Safari-Fahrzeug wieder zurück zum Camping. Sehr müde von der Hitze und der anstrengenden Fahrt, erholten wir uns am Pool und liessen bei einem leckeren Abendessen den Abend ausklingen.

Nach einer erholsamen Nacht und einem ausgiebigen, gemeinsamen Frühstück, fuhren wir mit einem Sammeltaxi zum Flughafen von Maun. Dort klapperten wir die Fluggesellschaften ab, welche Erkundungsflüge über das Okavango Delta anbieten. Im zweiten Büro klappte es und wir konnten für den gleichen Tag einen Flug buchen.

Danach besuchten wir den einzigen uns bekannten Fahrradmechaniker in der Stadt und Fabian bekam ein neues Schaltkabel und die passende Hülle dazu. Die Werkstatt des sehr aufgestellten Mechanikers bestand aus seinem Auto mit Anhänger, worin er das ganze Material lagert. Ausserdem kauften wir neuen Proviant ein und fuhren wieder zurück auf den Camping. Dort stärkten wir uns und entspannten im Schatten der Bäume.

Am Nachmittag gingen wir wieder mit einem Taxi zum Flughafen und warteten beim Büro auf den Piloten für den Rundflug. Nach längerer Wartezeit ging es endlich los und unser Kleinflugzeug war bereit. Der blutjunge Pilot begrüsste uns und erklärte und wie wir uns hinsetzen sollten. Es war ein spezielles Gefühl mit einer so kleinen Maschine abzuheben und förmlich jedes Luftloch zu spüren. Er flog direkt ins Delta und schon bald sahen wir die ersten Tiere ca. 150 Meter unter uns. Als erstes beobachteten wir hunderte Kaffernbüffel, danach immer wieder Elefantenherden mit Jungen, Antilopen, Flusspferde und Giraffen. Die Wasserläufe des Deltas, ihre Farbenpracht und die vielen Tierpfade waren eine Augenweide aus der Vogelperspektive. Wir drehten mehrere Kreise oberhalb von Tieransammlungen und nach etwa 45 Minuten war diese einzigartige Erfahrung wieder beendet.

Danach erzählten wir uns eifrig was wir alles gesehen hatten, da es im Flugzeug viel zu laut war für eine Unterhaltung. Bei einem leckeren Abendessen liessen wir den letzten Tag Revue passieren.

Beim letzten gemeinsamen Morgenessen genossen wir nochmals den Luxus von Joghurt und Müsli, bevor wir uns verabschiedeten von Adrians Eltern. Andre und Rita fliegen in zwei Tagen zurück in die Schweiz und müssen bis dahin noch ca. 800 Kilometer nach Windhoek zurücklegen.

Wir entspannten auf der wunderschönen Veranda mit ihrer begrünten Umgebung und erledigten Sachen, welche sich in den letzten kilometerintensiven Tagen angestaut hatten. Am Nachmittag packten wir unsere Sachen zusammen und verliessen das unschöne Maun wieder. Beim Herausfahren hatten wir ein spezielles Gefühl, da der Unfall von Fabian noch immer präsent war. Fabian beklagte nämlich zwei Tage nach dem Unfall über Rippenschmerzen bei gewissen Bewegungen. Hoffentlich geht diese Prellung bald vorbei.

Der Fluss der eigentlich durch die Stadt verläuft, führt momentan kein Wasser. Erst im Juni bringt der Fluss Okavango Wasser aus Angola und flutet das Delta. Speziell ist, dass der Fluss nach Maun nicht weiterfliesst, sondern im Delta verdunstet.

Zur Abwechslung hatten wir mal keinen Gegenwind und kamen so gut vorwärts. Bei einer Veterinärkontrolle füllten wir unsere Wasserflaschen und unweit davon stellten wir unser Zelt neben einer Seitenstrasse auf.

Nach einer halben Stunde trafen wir zwei Franzosen mit dem Fahrrad an, welche nach Namibia unterwegs waren. Wir tauschten uns aus und freuten uns über die erste Begegnung mit Fahrradreisenden. Bereits Adrians Eltern hatten die Beiden vor ein paar Tagen gesehen und ihnen Wasser gegeben.

Der Gegenwind war immer noch abwesend und wir hatten sogar ab und zu leichten Rückenwind. Darum kamen wir ungewohnt effizient vorwärts. Nach etwas mehr als drei Stunden erreichten wir das erste Dorf Phuduhudu. Dort legten wir eine Pause neben einem Supermarkt ein, welcher die Regale nur zu etwa 10% gefüllt hatte. Die Auswahl war dadurch sehr eingeschränkt.

Was uns direkt neben dem Eingang auffiel, war ein Kondomautomat. Dort konnte man sich gratis mit Kondomen eindecken. Botswana hat mit einem Anteil von 25% die zweitgrösste HIV-Infektionsrate in ganz Afrika. In den letzten 15 Jahren ist die Lebenserwartung zwischenzeitlich auf unter 50 Jahren gefallen. Durch staatliche und internationale Unterstützung konnte diese weder auf fast 70 Jahre erhöht werden.

Im Dorf entschieden wir uns einen Versuch zu starten bis nach Gweta zu fahren. Dies waren weitere 80 Kilometer ohne Dorf, Wasser oder irgendetwas. Plötzlich sahen wir Elefanten, Zebras und Strausse, direkt am Strassenrand, nur einen Steinwurf von uns entfernt. So erlebten wir eine Safari auf unseren Zweirädern, ein spezielles Erlebnis.

Dank Wind und Temperaturen unter 40 Grad, erreichten wir das grössere Dorf vor 17 Uhr. Dort gönnten wir uns ein kaltes Getränk und kauften Joghurt für den nächsten Morgen. Während dem Einkauf klaute jemand eine Trinkflasche von Adrian. Trotz herumfragen fanden wir niemanden, der etwas beobachtet hatte. Dann kam ein Einheimischer und bot Adrian seine Trinkflasche an, damit wir nicht ein schlechtes Bild von Botswana davontrugen. Dies war eine wunderschöne Geste und bestätigte das bisher absolut sichere Gefühl.

Von mehreren Reisenden hatten wir gehört, dass in Gweta ein schöner Campingplatz mit Baobabs ist. Wir fuhren dorthin und schafften es tatsächlich die über 150 Kilometer in einem Tag zu fahren. Während dem Nachtessen zog ein heftiges Gewitter vorbei und brachte heftigen Wind und Regen. Direkt nachdem es vorbei war, kontrollierten wir unser Zelt. Zum Glück wurde es nicht weggewindet oder der Platz überflutet. Nur die Seidenschlafsäcke waren nass. Der restliche Campingplatz stand Knöcheltief unter Wasser.

Nach diesem Monstertag gingen wir den Folgetag gemütlich an. Wir liefen auf dem Areal der Lodge herum und bestaunten die mächtigen und uralten Baobabs. Solch dicke Exemplare hatten wir bisher noch nie gesehen.

Durch den Regen des Vorabends und den heissen Temperaturen war vor allem am Vormittag die Luftfeuchtigkeit sehr hoch. Nach 10 Radeltagen summierte sich unsere zurückgelegte Distanz auf 1000 Kilometer und somit erreichten wir den ersten Meilenstein.

Etwa eine Stunde vor der nächsten Stadt, trafen wir einen Litauischen Radfahrer, welcher bereits seit acht Jahren an seinem Projekt dran ist. Er ruderte über den Atlantik und den Pazifik und legte die restliche Strecke um den Planeten mit dem Fahrrad zurück. Direkt danach kamen mehrere Abschnitte, in welchen die Strasse vor mehreren Jahren weggespült wurde und seither sucht man dort den Asphalt vergebens.

In Nata assen wir endlich mal ein Einheimisches Gericht, welches lecker war. Ausserdem füllten wir unsere Vorräte auf, da wieder ein Abschnitt von 200 Kilometern kam ohne Dorf. Viele Leute fragten uns woher wir mit den Fahrrädern kommen und wo wir schlafen werden. Sogar Jugendliche sprachen uns an und waren interessiert. Etwas was man sich in der Schweiz schwer vorstellen kann.

Nach einer erholsamen Nacht an einem Flussufer unter der Überdachung einer alten Lodge, stürzten wir uns auf die letzte grössere Etappe ohne Verpflegungsmöglichkeiten. Nach etwa 30 Kilometer hielten wir bei einer grossen Mobilfunkantenne. Diese war sogar bewacht. Der introvertierte Mann arbeitet jeweils zwei Wochen, bevor er wieder zwei Wochen frei hat.

Um die Mittagszeit erreichten wir wieder einmal einen Mund- und Klauenseuchen Kontrollpunkt. Dort konnten wir unsere Wasserreserven auffüllen und etwas kühles trinken. Bereits beim Füllen der Wasserflaschen sahen wir in etwa zehn Meter Entfernung einen Elefanten. Die riesigen Tiere entfernen mit ihren Rüsseln die Deckel der Wasserversorgung, um daraus trinken zu können. Die Polizisten nahmen diesen Besuch völlig gelassen, da es völlige Normalität ist.

Neben den sitzenden Polizisten war überall Fleisch zum Trocknen aufgehängt. Uns wurde gesagt, dass es sich um Elefantenfleisch handelte. Wir durften davon naschen und fanden es ziemlich lecker. Beim Mittagessen kam ein weiterer Elefant in unsere Nähe und ass Grass und wollte zur Pfütze, bei welcher die Autos durchfahren müssen für die Reinigung. Die Polizisten versuchten den Elefanten mit Steinen zu vertreiben, aber schlussendlich machte der Dickhäuter trotzdem was ihm passte. Für die Polizisten ein nerviges Alltagsproblem, für uns ein Highlight seit der Einreise nach Botswana.

Nach 100 Kilometer stoppten wir bei einer verlassenen Siedlung, welche wir von anderen Reisenden empfohlen bekamen. Wir installierten unser Zelt und merkten bald, dass es hunderte kleine und grössere Dornen auf dem Boden hatte. Wir getrauten uns nicht auf unsere Luftmatratzen zu liegen. So zügelten wir in eine der Rundhütten, welche leer stand.

Vor dem Losfahren, mussten wir die dutzenden Dornen von unseren Reifen, Schuhen, Kleidern und sogar der Haut entfernen. Danach konnte es endlich losgehen und wir pedalten durch die immer grüner werdende Landschaft. In den letzten Tagen merkten wir wiedermal, dass Botswana nur 2.6 Millionen Einwohner hat und eine Bevölkerungsdichte von 4.6 Einwohnern pro km2.

Mehrere Mal sahen wir Elefanten in der Nähe der Strasse. Der eine stellte seine Ohren auf als wir vorbeifuhren und rannte danach erschrocken in den Busch. Komischerweise haben die Elefanten mehr Angst vor uns als vor den vorbeifahrenden Lastwagen.

Nach etwa zwei Stunden bemerkte Adrian, dass er immer schlechter vorwärts kam und Luft im Vorderreifen verlor. So machten wir Mittagspause und mussten den ersten platten Reifen flicken. Die Panne war nicht erstaunlich nachdem wir die Nacht zuvor in einem Minenfeld geschlafen hatten.

Beim Kilometerstein 135 hatten Adrians Eltern vor einer Woche 5 Liter Wasser für uns deponiert. Wir holten das Wasser aus dem Busch und füllten unsere Reserven wieder auf. Wenig später überquerte eine fast zwei Meter lange Schlange die Strasse. Wir waren froh diesem schönen Tier hier und nicht im Busch begegnet zu sein.

In Pandamatenga konnten wir uns nach 200 Kilometer wieder verpflegen und sogar unseren Laptop laden. Nach einer längeren Pause durften wir sogar in einem Supermarkt, der in einigen Wochen öffnet, die bereits fertiggestellte Dusche benutzen.

Ähnlich wie am ersten Tag in Namibia, merkte Fabian nach wenigen Metern, dass wir nicht gleich losfahren konnten. Er hatte nämlich einen Platten im Vorderrad. Er fand das winzige Loch schnell und wir konnten in das etwa 100 Kilometer entfernte Kasane radeln.

Für einmal hatten wir zeitweise starken Rückenwind und kamen mit über 25 km/h vorwärts. Bei einer Tankstelle und Rastplatz für Lastwagenfahrer fanden wir ein kleines Restaurant mit einem leckeren Menu inklusive Kartoffelsalat.

Danach fuhren wir in einem Stück nach Kasane, wo wir uns einen Camping, direkt am Sambesi Fluss aufsuchten. Der Sambesi ist nach dem Nil, Kongo und Niger mit 2574 Kilometer Fliesstrecke der viertlängste Fluss in Afrika.

Wir fanden einen Platz mit permanenten Schatten und freuten uns auf eine wohlverdiente Pause. Nach ein paar Tagen in der Wildnis erfreute sich unser Radlerherz über Burger, Pizza und einem kalten Bier.

Der erste Pausentag ohne Programm tat gut und wir konnten endlich unsere Fahrräder pflegen und unsere Kleider gründlich auswaschen. Für den Folgetag planten wir eine 9-stündige Safari im Chobe Nationalpark. Dieser Nationalpark ist mit 11’700 km2 ungefähr ein Viertel so gross wie die Schweiz und beheimatet etwa 50’000 Elefanten. Er ist der älteste Nationalpark Botswanas und einer von vier insgesamt.

Der Chobe Nationalpark gehört zum Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area. Dieses ist ein grenzüberschreitendes Natur- und Landschaftsschutzgebiet in den beteiligten Länder Sambia, Namibia, Botswana, Simbabwe und Angola. Es soll insbesondere den Elefanten die freie Bewegung in ihrem natürlichen Lebensraum ermöglichen. Das Schutzgebiet umfasst eine Fläche von etwa 520.000 km² und ist damit nach dem Nordost-Grönland-Nationalpark das zweitgrößte Landschutzgebiet der Erde.

Um 5:45 Uhr ging es los und wir wurden von einem Safari-Fahrzeug abgeholt und in den nahegelegenen Nationalpark gefahren. Wir waren zu viert exklusive unserem Fahrer und Guide Tumi. Nach wenigen Minuten erreichten wir das Eingangstor und schon bald sahen wir die ersten Tiere. Etwa ein Dutzend Fahrzeuge fuhren gleichzeitig in den Park.

Schon bald sahen wir ein paar Löwinnen die Strasse überqueren und sofort versammelten sich einige Fahrzeuge, voll mit Touristen. Plötzlich beschleunigten die Raubtiere aus dem Nichts und jagten ein paar Impalas hinterher. Auf der anderen Seite des Waldes, sahen wir, dass die Jagd nicht erfolgreich war. Dafür legten sich gleich vier Löwinnen und ein junger Löwe in den Schatten, nur etwa 30 Meter von uns. Dieser Anblick war einzigartig, da uns die Raubkatzen ab und zu in die Augen schauten.

Die Landschaft war wunderschön, da eine sandige, mit Wald überdeckte Savannenlandschaft an den Sambesi-Fluss grenzte. Am Flussufer sahen wir Dutzende Elefanten, Antilopen, Nilpferde, Krokodile, Büffel, Giraffen und Warzenschweine. Eines der Highlights war klar die Sichtung eines Baby-Nilpferdes mit seiner Mutter grasend auf einer Insel. Tumi kannte alle Tiere mit Namen und Detailinformationen, sogar alle Vogelarten konnte er zuordnen und wusste viel über ihre Verhaltensweisen. Beim Verlassen des Parkes sahen wir quasi unter jedem zweiten grösseren Baum eine Elefantenfamilie, welche Schutz vor der brütenden Sonne suchten.

Die letzten zehn Kilometer bis zur Grenze mit Simbabwe legten wir effizient zurück und auch die Ausreise aus Botswana war eine kurze Angelegenheit. Botswana ist das demokratischste Land auf dem afrikanischen Festland. Wenn es um Korruption geht, kann sich das Land sogar gegen einige Europäische Staaten wie Bsp. Italien behaupten. Dies merkten wir einmal mehr an der Grenze, wo wir doch in Westafrika manche Situation hatten, bei welchen die Grenzbeamten uns nach Geld oder Geschenken fragten.

Botswana hat viele Naturphänomene zu bieten und für Wildtierbeobachtungen ist es sicherlich eines der interessantesten Länder der Welt. Für Radreisende ist es jedoch weniger attraktiv, da zwischen den Dörfern grosse Distanzen sind und die Landschaft flach und eintönig ist. Trotzdem war eines unserer Highlights in Afrika das Beobachten von wilden Elefanten während der Fahrt auf einer Hauptstrasse.

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