304.- 308.Tag: Pausentage: Serekunda

18.- 22. März 2019:

Die erste Dusche und das erste Mal auf einer Matratze zu schlafen seit Dakar, was doch schon etwa einen Monat zurückliegt, tat gut. Wir genossen die Gastfreundschaft der Schweizer Familie und die netten Gespräche mit den Gambiakennern sehr. Im kleinen, selbstkonstruierten Hockeyfeld spielten wir mehrmals mit vielen Kindern staubiges Hockey.

Unseren Fahrrädern verpassten wir auch eine Dusche und brachten sie wieder auf Vordermann. Die Küste und die Hauptstadt Banjul erkundeten wir während einem Tagesausflug ausnahmsweise ohne Gepäck. Der Küstenstreifen ist voller Holländer, Engländer und anderer Europäer die Gambia von einer anderen Seite kennenlernen. Nach einer Erfrischung im Meer, erkundeten wir den Hafen inklusive Albert Markt in der Hauptstadt.

Nach der Reinigung des Fahrrads am Vortrag, bemerkte Adrian plötzlich, dass seine Hinterradbremse nicht mehr Richtung funktionierte. Nach einigem rumbasteln, kamen wir zum Schluss, dass Luft im Bremssystem sein musste und wir die Bremse entlüften müssen. Nach zweimaligem Ausflug in die Stadt fand Adrian Nähmaschinenöl als Alternative für die Bremsflüssigkeit und eine Spritze inklusive Plastikschlauch. Ein Fahrradmechaniker der uns bereits in Sevilla mit Herzblut behilflich war, gab uns per Videoanruf sogar noch praktische Tipps, obwohl seine Englischkenntnisse eher bescheiden sind. Nach weiterem hantieren, verbesserte sich die Bremswirkung wieder und das Fahrrad war wieder strassentauglich.

Nach über vier Monaten ohne jeglichen Niederschlag, mussten wir unseren Sonnentagezähler wieder zurücksetzen. Es regnete zwar nur kurz und intensiv, aber normal ist Regen in dieser Region im März auf keinen Fall.

303.Tag: Bitang Bolong-Serekunda

17. März 2019:

Für unsere Verhältnisse packten wir unsere Drahtesel relativ früh und fuhren auf der perfekt asphaltierten Strasse in Richtung Serekunda. Generell sind die Hauptstrassen seit ein paar Monaten in Gambia in einem top Zustand und für jeden Tourenfahrer ein Genuss. Erst die letzten paar Tage nahm der Verkehr stetig zu, steht jedoch in keinem Verhältnis zu Senegals Hauptverkehrsachsen.

Am frühen Nachmittag erreichten wir die chaotischen Vororte von Serekunda. Seit langer Zeit sahen wir keine Stadt mehr und waren darum zu Beginn ein wenig überfordert mit den vielen Eindrücken. Bevor wir zu unseren Gastgebern fuhren, legten wir einen kurzen Stopp bei einer Bäckerei ein, die in Schweizer Besitz ist. Jörg, unser Freund der ebenfalls durch Afrika fährt, arbeitete hier als Abwechslung für ein paar Tage. Wenig später wurden wir herzlich von Christoph und Anja inklusive der drei Kids willkommen geheissen. Zur Überraschung wurden wir zu einem typisch Schweizerischen Käse-Fondue eingeladen und genossen die Abwechslung zum vielen Reis der letzten Tage.

302.Tag: Kwinella-Bintang Bolong

16. März 2019:

Sobald wir uns wieder aufs staubige Rad schwangen, hörten wir von überall wieder Toubab, Toubab und wir versuchten wie die meisten Tage zuvor in einer fairen Weise allen Quellen der lauten Schreie zuzuwinken. Bei einem kleinen Dorf verliessen wir die Hauptstrasse und bogen auf einen schmalen Weg ab, der uns zur Hauptverwaltung des Kiang West National Park brachte. Dort fanden wir heraus, dass wegen des Wochenendes kein Parkverantwortlicher vor Ort war und wir entweder zu einem anderen weit entfernten Eingang fahren sollten oder hier einfach auf eigene Faust den Wald durchforsten könnten. Ein winziges Wasserloch unweit des Eingangs wies ein kleines Häuschen auf, von welchem man durstige Tiere beobachten konnte. Eine riesige Gruppe Paviane liess nicht lange auf sich warten und näherte sich langsam und scheu dem Wasserloch. Erst als wir weiterwollten, trauten sich die schlauen Tiere wirklich ans Wasser und löschten ihren Durst.

Durch diese lange Pause mussten wir in der heissesten Zeit des Tages weiterfahren und kühlten uns ab und zu im Schatten ab. Das Wasser in unseren Flaschen kochte bereits nach einer Stunde wieder und es war keine Gaumenfreude davon zu trinken. Bei einem breiten, aufgrund der Flut salzhaltigen Nebenfluss des Gambia Flusses, fanden wir direkt hinter einem Mangrovenwald ein Plätzchen für die Nacht. Vorher besichtigten wir die unter Touristen bekannte Lodge, welche schöne Unterkünfte auf Stelzen anbietet.

301.Tag: Dankunku-Kwinella

15. März 2019:

Wir bedankten uns bei der Familie von Surawa die uns eine Vollpension anbot, obwohl sie uns weder kannten noch Geld dafür erwarten konnten. Natürlich entschädigten wir die arme Familie für das Essen und wünschten ihnen alles Gute.

Nach längerer Zeit fuhren wir heute wieder einmal mehr als 80km mit dem Fahrrad und testeten ob wir noch über die Ausdauer dafür verfügen. Trotz der hohen Temperaturen über 35 Grad, kamen wir gut vorwärts und fanden am späteren Nachmittag einen geeigneten Schlafplatz.

 

299.-300.Tag: Pausentage: Dankunku

13.-14. März 2019:

Der starke, staubhaltige Wind zwang die Bewohner des Dorfes in ihre geschützten Innenhöfe und dadurch waren die Strassen menschenleer. Nach dem Frühstück, welches wie bereits die letzten zwei Mahlzeiten aus Reis bestand, starteten wir eine Suche nach dem populären Hibiskussaft. Über mehrere Leute landeten wir bei einem Haus und die Frauen meinten in ein paar Stunden können wir den frisch hergestellten Saft bei ihnen abholen. Am Nachmittag schälten wir Erdnüsse, spielten Fussball auf dem mit Abfall und spitzigen Gegenständen gespickten Fussballplatz und assen eine weitere Mahlzeit mit viel Reis. Die Kinder der Familien unserer Gastgeber liessen uns fast keine Ruhe, ausser sie waren gerade in der Schule oder wir schickten sie weg, da wir lesen oder uns ausruhen wollten.

Suruwa kritisierte uns ein paar Mal wieso wir keine Wörter in Mandinka, einer der Landessprachen neben Englisch, können. Kurz darauf lernten wir einige Wörter und übten stolz im Dorf mit Kindern und Erwachsenen unseren neu erlernten Wortschatz. Wir hatten in Gambia schon einige Schulen besucht, aber dies hielt uns nicht davon ab, auch die in Dankunku zu besuchen. Schon bevor wir auf dem Gelände ankamen rannten die Kinder kreischend auf uns zu und der Unterricht der meisten Klassen wurde gestört. Schockierend nahmen wir die Unordnung in der Bibliothek zur Kenntnis. Allerlei Bücher türmten sich aufeinander und niemand schien eine Übersicht zu haben. Einer der Französischlehrer war aus Guinea und war begeistert von unserer Tour und gab uns gleich seine Nummer, falls wir später Hilfe brauchen. Die meisten Kinder lernen neben Englisch in der Schule Arabisch, Französisch und sprechen schon mehrere Sprachen von Zuhause aus.

298.Tag: Kunda-Dankunku

12. März 2019:

Ibrahim erzählte uns es sei möglich auf der gegenüberliegenden Insel im Morgengrauen Flusspferde zu sehen, die ihre 40-50kg Nahrung zu sich nahmen. Als wir das gehört hatten, sagten wir ihm sofort wir wären interessiert und um halb acht befanden wir uns auf einem Boot aus Holz und ruderten über den Fluss. Leider konnten wir keine Flusspferde sehen, jedoch einige Affen und Wildschweine. Bei einem Bauern wurden wir auf frische Milch mit Couscous und gesüsst mit viel Zucker eingeladen und kehrten danach zurück ins Dorf. Das Dorf ist bekannt durch seine sehr grossen Lagerhallen für Erdnüsse aus der ganzen Region, die während der Regenzeit im Sommer geerntet werden.

Nach einem Familienfoto mit fünf der neun Kinder des Dorfhäuptlings verabschiedeten wir uns und verliessen winkend das authentische Dorf. Über Warmshowers waren wir im Kontakt mit Mamodou, der uns in seinem Dorf einlud eine Weile zu entspannen. Seine extrovertierte und direkte Schwester Suruwa empfing uns herzlich und es wurde gleich Fisch mit Reis aufgetischt. Am Nachmittag spielten wir mit den unermüdlichen Kindern, halfen den Frauen die schweren Wasserkanister herumzutragen und Erdnüsse für das Abendessen zu mahlen.

297.Tag: Pausentag: Tenda Kunda

11. März 2019:

Geweckt wurden wir einmal mehr von den hunderten Tieren die im Dorf frei herumlaufend laute Geräusche verursachten. Wir fühlten uns wie in einem Zoo bzw. in einem Afrikanischen Dokumentarfilm. Denn genau so hatten wir uns die Dörfer in Schwarzafrika vorgestellt und jetzt waren wir plötzlich mittendrin und fühlten uns erstaunlicherweise extrem wohl. Der Häuptling wiederholte oft wir könnten so lange bleiben wie wir wollen, auch wenn es ein oder zwei Jahre wären. Es war für ihn auch selbstverständlich, dass wir von A bis Z versorgt wurden, ohne mit der Wimper zu zucken. Gastfreundlichkeit kenn in Gambia keine Grenzen.

Ibrahim zeigte uns stolz die Schule und wir unterhielten uns mit den Lehrern über das Schulsystem und die verschiedenen Schulfächer. Am Nachmittag fand aufgrund eines Jubiläums der Britischen Kolonialisierung eine Art Umzug statt, bei welchem die Schulkinder traditionell verkleidet und geschminkt teilnahmen. Die Kinder sammelten singend und tanzend im ganzen Dorf Geld für ein Festmahl am nächsten Tag. Wir folgten der bunten und extrem lauten Truppe, ausgerüstet mit Kameras und einem riesigen Grinsen. Die scheuen Kinder mussten, wenn vom Oberlehrer aufgefordert, tanzen oder singen vor dem halben Dorf auftreten.

296.Tag: Sambel Kunda- Tenda Kunda

10. März 2019:

Nach einer Nacht mit einer unbeschreiblichen Geräuschkulisse wachten wir morgens auf, da Rote Stummelaffen über unseren Köpfen agil von Ast zu Ast sprangen. Es war sehr eindrücklich eine Spezies zu beobachten die genetisch über 99% Ähnlichkeit zum Menschen aufweisen. Den Gambia Fluss und seine dicht gesäumten Ufer aus dem Zelt zu beobachten war definitiv ein einmaliges Erlebnis. Die Ranger des Nationalparks wurden auf uns aufmerksam und waren nicht so begeistert von unserem Übernachtungsplatz, da weisse Touristen normalerweise in den völlig überteuerten Resorts unterkommen. Glücklicherweise hatten wir am Vortag Lamin kennengelernt, der uns sein Stück Land für die Nacht zur Verfügung stellte.

Nach einem leckeren Frühstück im Dorf und einem Tee, verabschiedeten wir uns und nahmen die sandige Piste zurück zur Hauptstrasse in Angriff. Schwitzend erreichten wir Kudang und verdrückten ein Sandwich am Schatten. Danach fuhren wir zu einem Dorf am Gambia Fluss, wo wir uns eine günstigere Gelegenheit für eine Flusspferdexpedition erhofften. Nach einem netten Gespräch mit dem Dorfhäuptling, willigte er für einen vertretbaren Preis ein und wir starteten die Bootstour ohne Motor, stattdessen mit einem Einbaum. Dies ist ein Boot aus einem einzigen Baumstamm. Definitiv eine authentische Erfahrung, da wir alle paar Minuten Wasser mit einer Schaufel aus dem kleinen Boot scheffeln mussten. Bereits nach ein paar Minuten sahen wir die ersten Flusspferdköpfe fauchend aus dem trüben Flusswasser auftauchen. Eindrücklich wie diese gigantischen Tiere im Wasser schlafen und trotzdem an Land ihre Nahrung zu sich nehmen. Auf dem Rückweg besichtigten wir die riesige Insel des Häuptlings und genossen anschliessend frisch gefangenen Fisch zum Abendessen.

295.Tag: Janjanbureh-Sambel Kunda

9. März 2019:

Fabians Körper wollte während der Nacht einige verdaute und weniger verdaute Dinge aus allen Öffnungen loswerden und war dementsprechend am Morgen ziemlich schlapp. Nach ein wenig Ruhe und einer Abkühlung im Wasser, raufte er sich trotzdem zusammen und wir entschieden uns weiterzufahren. Wir bedankten uns herzlich bei Musa für die überaus grosszügige Gastfreundschaft und wünschten ihm und Isabelle alles Gute.

Direkt auf den ersten Kilometern sahen wir ein Rudel Paviane im Wald verschwinden, bevor wir die Kamera zücken konnten. In der Mittagssonne kamen wir gut vorwärts, auch wenn Fabian ab und zu wieder in den Busch rannte. Nach einem kühlen Getränk verliessen wir die Hauptstrasse, um in Richtung River Gambia National Park zu fahren. In einem kleinen Dorf fragten wir, ob jemand Informationen bezüglich einer Bootstour hat. Die Anwesenden Männer und Kinder riefen schnell Lamin, der eigentlich in Glasgow lebte und nur in Gambia zu Besuch ist. Der sympathische Europakenner erklärte uns die Situation und telefonierte mit einigen seiner Kontakte um Preise und Verfügbarkeit abzuklären. Uns war das Angebot zu teuer und er zeigte uns gleich darauf sein Stück Land direkt am Ufer des Flusses, von wo man ab und zu auch Flusspferde und Schimpansen sehen kann. Wir waren von diesem Plätzchen so begeistert, dass wir gleich dort unser Zelt installierten und den Geräuschen der Natur lauschten.

292.-294.Tag: Pausentage: Janjanbureh

6.-8. März 2019:

Wir genossen den schönen Ort direkt am Fluss und entspannten uns im permanenten Schatten der Mangobäume. Um uns abzukühlen schwammen wir im relativ kühlen Fluss und wuschen unsere vollgeschwitzten Fahrradklamotten. Ausserdem war Fabians Reifen schon wieder platt, was bedeutete, dass er vermutlich noch ein weiteres Loch im Schlauch hatte. Es stellte sich heraus, dass der eine Flicken nicht richtig klebte und dadurch Luft austreten konnte.

Nachdem wir uns einen Teil der verfallenen Kolonialbauten angeschaut hatten, sprach uns Issa, ein schlanker, aufgeweckter Einheimischer, an und lud uns direkt zu sich nach Hause zum Tee ein. Bei netten Gesprächen lernten wir seine Familie und seinen Freund Kemo Bamba kennen. Dieser begleitete uns später nach Hause und lud uns am nächsten Abend zu sich auf ein traditionelles Abendessen ein.

Am späteren Nachmittag des nächsten Tages trafen wir Kemo Bamba, der uns zuerst die Gemüseplantagen seiner Frau zeigte, bevor er uns stolz durch sein Zuhause führte. Im Wohnzimmer durften wir ein leckeres Abendessen mit seinen Kindern geniessen und alberten herum. Der gescheite Familienvater erzählte uns von seinen optimistischen Zukunftsplänen und überraschte uns mit seiner unbegrenzten Gastfreundschaft. Für ihn wäre es eine Ehre uns sein Zimmer beim nächsten Besuch anzubieten. Trotz seines Monatslohns von umgerechnet 30 Euro, will er nochmals zur Schule, ein Haus für Touristen bauen und seinen Kindern die bestmögliche Ausbildung ermöglichen. Ein Hindernis dabei ist, dass er jeden Monat 50kg Reis für seine grosse Familie kaufen muss, welcher bereits ungefähr 25 Euro kostet.