208.Tag: Sidi Abdallah-Marrakech

12. Dezember 2018:

Nach dem gescheiterten Versuch das Zelt vom Tau der Nacht mit Hilfe der Sonne zutrocknen, starteten wir zu radeln. Wir kamen wie schon am Tag zuvor gut vorwärts und tankten neue Energie in einem kleinen Dorf. Dort bestellten wir zwei Süssgetränke und ein mit Fleisch, Zwiebeln und Sauce gefülltes Brot. Wir hatten Hunger und es war so lecker, dass wir die ganze Bestellung verdoppelten. Der Besitzer war begeistert und wollte ein Foto mit uns vor seinem Grill. Nachdem wir bei seinem Nachbarn einen Milchshake mit fünf verschiedenen Früchten vertilgten, nahmen wir die letzten 35km bis Marrakesch in Angriff. Bei Cantal zu Hause, welche wir über Warmshowers kennen gelernt haben, konnten wir unser Zelt auf dem Dach ihres Hauses aufstellen und hatten eine schöne Aussicht über die Stadt.

207.Tag: Casablanca-Sidi Abdallah

11. Dezember 2018:

Wir liessen den Luxus eines eigenen Zimmers zurück und starteten unseren Fahrradtag. Nachdem wir die chaotischen Strassen Casablancas hinter uns liessen, bogen wir bald auf eine Nebenstrasse ab. Viel Landwirtschaft war auf allen Seiten zu sehen und alle paar Minuten sahen wir eine Kutsche die einen oder mehrere Esel vorgespannt hatten. Nachdem wir etwa 100km geradelt waren, änderte sich die Umgebung von einer grüner Ebene zu einer kargen Hügellandschaft. Dank den sehr guten Strassen kamen wir gut voran und fuhren seit langem wieder über 130km an einem Tag. In einem kleinen Dorf kauften wir Proviant ein. Die vielen anwesenden Kinder versammelten sich schnell um uns und schrien nicht zu verstehende Satzfragmente in mindestens drei verschiedenen Sprachen in unsere Richtung.

205.- 206.Tag: Pausentage- Casablanca

9.- 10. Dezember 2018:

Doug zeigte uns einige der schönsten und authentischsten Ecken des wichtigsten Finanzzentrums Marokkos und Afrikas. Uns gefiel vor allem der Hafen, an welchem viele Fischerboote zu sehen waren und die Fischer ihren Fang präsentierten. Unweit der Schiffe, gab es drei Fischrestaurants, gefüllt mit Einheimischen. Kaum angekommen, kämpften alle Restaurants uns als Gäste zu haben. Es gab nur ein Menu: Frisch gegrillte Sardinen, Brot, ein Omelett mit Shrimps und natürlich Tee. Dies à discrétion für umgerechnet 2.50 Euro.

Ausserdem sahen wir uns die riesige Moschee nochmals von aussen an und erfuhren von einem grünen Laserstrahl der vom Minarett, der bei Dunkelheit in Richtung Mekka ausgerichtet ist. Die topmoderne Moschee verfügt ebenfalls über ein automatisch öffnendes Dach, inklusive Fussbodenheizung in der Gebetshalle.

An unseren letzten Abend in der mit über 3 Millionen Einwohner grössten Stadt für die nächsten paar Wochen, gönnten wir uns ein Thailändisches Menu. Vorher bestaunten wir den Sonnenuntergang von Dougs Dachterrasse bei einem Glas Weisswein.

204.Tag: Rabat-Casablanca

8. Dezember 2018:

Nach dem Verabschieden von unserem netten Host Daoud, fuhren wir entlang der Küstenstrasse aus der Hauptstadt. Schnell wurde die Landschaft ländlicher und Hirten winkten uns energisch zu während dem vorbeiradeln. Es war ein Tag der Gegensätze: Ein prunkvolles Königsanwesen wurde von Dutzenden Soldaten bewacht und auf der anderen Strassenseite sahen wir bettelarme Hirten mit ihren Schafen und Ziegen. In Casablanca neben der zweitgrössten Moschee der Welt, stehen Häuser inmiserablen Zustand und einzelne Menschen betteln am Strassenrand. Die Hassan-II.-Moschee ist das höchste Minarett und höchste religiöse Gebäude der Welt. Die während sechs Jahren zum 60. Geburtstag des damaligen Königs Hassan II. errichtete Moschee bietet Platz für bis zu 25’000 Muslime.

Wir wurden herzlich von Douglas, einem Amerikaner der als Lehrer in Casablanca arbeitet, in seiner Wohnung empfangen. Er offerierte uns ein Glas Marokkanischen Wein und wir hatten nette Gespräche über das Leben in Marokko und Fahrradreisen.

202.- 203.Tag: Pausentage- Rabat

6.- 7. Dezember 2018:

Bei Sonnenschein besichtigten wir den stadtnahen Sandstrand und die Kasbah. Kasbah ist die arabische Bezeichnung für eine innerhalb oder ausserhalb von Städten gelegen Festung und wird mehrheitlich in Maghreb-Staaten verwendet. In der Medina schlenderten wir durch die unzähligen Gassen, gefüllt mit Verkaufsständen welche nützliche und unnütze Dinge verkaufen. Ausserdem besichtigten wir den Hassan-Turm, ein imposantes, unvollendetes Minarett aus dem 12. Jahrhundert, welches zu einer ebenfalls nicht fertig gestellten Moschee gehören sollte. Am Abend zauberte unser Gastgeber spontan eine Marokkanische Mahlzeit, die wir traditionell ohne Besteck und viel Brot assen.

Rabat ist seit 1956 die Hauptstadt Marokkos mit der Residenz und dem Regierungssitz des Königs. Ausserdem ist Rabat neben Fèz, Marrakesch und Mèknes eine der Königsstädte Marokkos. Diese Städte waren in der Geschichte alle einmal Hauptstädte des Landes und dadurch prunkvoll.

An unserem letzten Abend in Rabat assen wir mit Daoud in der Medina, probierten neue Süssigkeiten und unterhielten uns über die Unterschiede des Lebens in Marokko im Vergleich zu Europa.

201.Tag: Mograne-Rabat

5. Dezember 2018:

Wir erwachten erst nach 9.30 Uhr, da wir beide davon ausgingen, die Sonne würde uns wecken. Nachdem wir den Reisverschluss des Zeltes öffneten, realisierten wir den dicken Nebel um uns herum. Der eher kurze Tag bis in die Hauptstadt Rabat, gestaltete sich nicht so interessant, da die Sicht schlecht war und die eine Stadt an die nächste folgte. Kenitra und Salé sind sehenswert, wenn man eine authentische Marokkanische Stadt mit unübersichtlichen Baustellen, Verkehrschaos, Kutschen in der Mitte der Hauptstrasse und Gemüseverkäufer dort wo der Verkehr eigentlich sein sollte, vorfinden möchte. Am frühen Nachmittag erreichten wir die Grossstadt und wurden von unserem Gastgeber Daoud herzlich empfangen. Zusammen mit seinem Cousin erkundeten wir die Medina und probierten verschiedene frisch gepresste Fruchtsaftkombinationen.

200.Tag: Ouezzane-Mograne

4. Dezember 2018:

Heute ist der 200. Tag auf unserer Reise von Norwegen nach Südafrika, was bedeutet, dass bereits etwa ein Drittel der Reise vorbei ist.

Nachdem wir das Gebirge definitiv verliessen, wurde die Gegend extrem schnell flach. Traktoren lösten Esel und Maultiere auf den riesigen Felder ab. Auf der Strasse kamen uns Dutzende von Pferden gezogene Kutschen mit frischen Lebensmittel entgegen, auf dem Weg zum Markt. Am Strassenrand grüssten uns viele Hirten mit ihren Ziegen, Schafen oder Kühen. Generell freuen sich die meisten Einheimischen über die zwei fahrradfahrenden Touristen. Ob Lastwagenfahrer mit einem Hupen oder Männer die am Strassenrand stehen mit einem Lächeln. Zum Mittagessen gab es heute Lammkotelettes, welche vom Metzger direkt vor unseren Augen mit der Machete vom am Fleischhaken hängenden Tier entfernt und direkt dem Grillmeister übergeben wurden. Beim Bezahlen mussten wir, wie meistens, um den Preis fälschen und gaben nicht nach bis wir das Gefühl hatten der Preis sei fair.

199.Tag: Chefchaouen-Ouezzane

3. Dezember 2018:

Nachdem wir die blauen, extrem verwinkelten Gassen voller kleiner Geschäfte durchquert hatten, verliessen wir Chefchaouen in Richtung Süden. Die vielen Korkeichen auf den ersten Kilometern erstaunen wenig, da 10% des marokkanischen Waldes auf diese fällt und das Nordafrikanische Land der drittgrösste Exporteur von Kork ist. Schnell wurde das Tal schmaler und wir folgten fast den ganzen Tag einem Fluss, welcher sich durch Olivenplantagen und kleine Dörfer schlängelte. Nachdem wir am Vortag viele Leute von Hand oder mit Maultieren auf dem Acker sahen, beobachteten wir heute sogar noch Frauen und Männer die das Mehl mit Hilfe eines Esels mahlten.

Die Hügel um uns herum wurden kleiner und das Gelände von Stunde zu Stunde flacher. Nach Ouezzane fanden wir einen flachen, schön gelegenen Platz, unweit der Strasse.

198.Tag: Akchour-Chefchaouen

2. Dezember 2018:

Nachdem wir einen jungen Mann beauftragten auf unsere Fahrräder inklusive Gepäck zu schauen, liefen wir dem Fluss entlang und erreichten bald einen schmalen Wanderweg. Dieser führte uns steil nach oben, weit über der Schlucht und bald konnten wir die «Gottesbrücke» sehen. Wir liefen bis zur Naturbrücke und fanden dort einen älteren Mann der Getränke und Haschisch verkaufte. Marokko ist der weltweit grösste Exporteur von Haschisch. Die Hanfpflanzen werden vorwiegend im Rif-Gebirge östlich von Chefchaouen angebaut. Schätzungsweise eine Million Marokkaner verdienen sich ihren Lebensunterhalt mit dem Anbau und Verkauf.

Gemäss Einheimischen konnten wir die Brücke nicht von unten bestaunen, da der Bach zu viel Wasser führte. Jedoch sahen wir einen kleinen, sehr exponierten Pfad der von der Brücke in die Schlucht führte. Wir wollten nicht denselben Weg zurück und dachten es würde schon irgendwie einen anderen Pfad aus der Schlucht geben. Am Anfang war der Pfad noch sehr einfach begehbar, wurde aber immer schwieriger und exponierter. Nach längerer Kletterei und Überqueren des Baches ohne Schuhe, realisierten wir, dass wir denselben Weg zurückmussten oder den extrem kalten Bach abwärts schwimmen. Nach dem erneuten hochklettern, liefen wir zurück zu den Fahrrädern und fuhren auf einer panoramareichen Strasse nach Chefchaouen.

197.Tag: Amsa-Akchour

1. Dezember 2018:

Am Morgen frühstückten wir bei herrlichem Sonnenschein und trockneten unsere nassen Kleider. Bevor wir losfuhren, probierte Hassan nochmals mit uns Geschäfte zu machen. Dieses Mal war er emotionaler und wurde wütend. Vor allem als er erfuhr, dass wir nicht vorhatten ihm Geld für den Übernachtungsplatz zu geben. Mit der Kenntnis dies könnte sein Vorhaben sein, fragten wir am Vorabend spezifisch zweimal nach, ob er Geld will für seine Gastfreundschaft und er verneinte deutlich. Nachdem wir den gescheiterten Marokkanischen Geschäftsmann und seine Fluchtiraden hinter uns liessen, erreichten wir die wunderschöne Küstenstrasse. Die Strasse führte steil hoch und runter bis wir Oued Laos erreichten. Schon voll im Rif Gebirgszug angekommen, führte uns die Strasse entlang eines Flusses immer tiefer in die Berge. Das Rif ist Teil des Atlas Gebirgszugs und erstreckt sich über 350km vom Mittelmeer bis zum Mittleren Atlas im Süden.

Es folgte eine imposante Schlucht, die von hohen Bergen umgeben ist und viele kleine Pfade, welche die Bergdörfer miteinander verbinden. Kurz danach erreichten wir den «Parc National de Talassemtane» und somit das Dorf Akchour. Der Park schützt den letzten Tannenwald Marokkos.