236.Tag: Tiwilit-Nouakchott

9. Januar 2018:

Bereits früh morgens fuhren viele Fahrzeuge auf dem Weg nach Dakar an uns vorbei und wirbelten viel Sand und Staub auf. Später kamen wir näher an die Küste und am Strassenrand wurden die ersten Fische getrocknet und verkauft. Die meisten Leute leben in sehr einfachen Häuser oder sogar nur Baracken aus Holz, Wellblech oder was man sonst noch so finden kann an günstigen Baumaterialien. 35km vor der Hauptstadt Nouakchott, wollten wir nochmals unsere Wasserflaschen füllen und fragten bei einer Familie die in ihrem kleinen Laden sass. Wie üblich füllten wir die Flaschen aus einem riesigen mit Wasser gefüllten Kissen, welche jede Siedlung besitzt. Die Familie lud uns auf drei Tee ein und fragte scheu wohin wir fahren.

In der Millionenstadt Nouakchott trafen wir Warren, unser Warmshowers Gastgeber für die nächsten Tage. Er ermöglichte uns eine Dusche, welche wir dringend nötig hatten und kochte netterweise eine grosse Portion Teigwaren. Wir hatten nette Gespräche über Land und Leute und genossen das Dach über dem Kopf.

235.Tag: Chami-Tiwilit

8. Januar 2018:

Kurz vor dem Losfahren am Morgen bemerkte Fabian, dass seine Gepäckträgerbefestigung auf der einen Seite gebrochen war. Die Situation wurde mit Kabelbinder provisorisch gerettet und wir begaben uns auf die Strasse mit starkem Seitenwind. Die Landschaft wurde heute noch sandiger und der Wind blies den Staub inklusive Sandkörner voll an uns und unserer Fahrräder. In den letzten Tagen stiegen die Temperaturen in der Nacht, sowie am Tag deutlich an. Darum schwitzten wir immer mehr und dank dem Schweiss wurden wir regelrecht paniert.

Links und rechts konnte man dank den Hügeln kilometerweit sehen und die Farben der verschiedenen Dünen waren grossartig.

Ein paar Jungs die bei der Installation einer neuen Satellitenschüssel an einer grossen Antenne beschäftigt waren, schenkten uns Wasser und luden uns auf einen Tee ein. Wie wir herausfanden trinkt man in Mauretanien immer drei Tee und dies taten wir bei interessanten Gesprächen auch.

234.Tag: Chalket El Imane-Chami

7. Januar 2018:

Bis am Nachmittag wurden wir vom Wind ausgebremst, bevor dieser langsam nachliess. Wir suchten in drei verschiedenen Siedlungen und fanden weder Brot noch Sauce für unsere Pasta. Am letzten Ort des Tages wurden wir schliesslich in einer relativ grossen Bäckerei fündig und kauften uns gleich sechs riesige Baguette. Während einiger Stunden wurden wir von Dutzenden Motorrädern, Lastwagen und Autos überholt, die auf dem Weg nach Dakar sind. Der aufgewirbelte Staub und Sand war nicht gerade angenehm, speziell auf den nicht asphaltierten Zwischenstücken.

Beim Abendessen fragten wir nach dem Preis bevor wir definitiv bestellten. Der von uns verstandene Preis klang zu gut um wahr zu sein und wir freuten uns schon günstig essen zu können. Beim Bezahlen stellte sich heraus, dass eine Null fehlte und es eigentlich teuer gewesen wäre. Nach einer 20-minütigen Diskussion einigten wir uns auf die Hälfte und bezahlten sechs Euro für eine grosse Portion Teigwaren mit Karotten, Ziegenfleisch und Tee. Weder Tee noch Fleisch wurde von uns bestellt und die Sprachbarriere war wiedermal omnipräsent.

233.Tag: Bu Anwar-Chalket El Imane

6. Januar 2018:

Kurz nachdem wir erwacht waren, fing der Boden an zu beben und wir wussten was der Auslöser war. Mauretanien ist bekannt für die rekordlangen Eisenerzzüge die von der Miene an die Küste führen. Sofort kletterten wir halb nackt aus dem Zelt, um den uralten Zug zu sehen. Es befanden sich neben dem Erz auch viele Leute und Ziegen auf den Waggons.

Nachdem wir gestern schon einen der anstrengenderen Tage absolviert hatten, war uns der Wind auch heute nicht positiv gestimmt. Wir kämpften gegen den starken Gegenwind und kamen mit weniger als 15km/h vorwärts. Bei einigen Häusern fragten wir nach Wasser und wurden prompt zu Tee und einer warmen Speise eingeladen. Einige der jungen Männer sahen wir bereits an der Grenze und einer verkaufte uns sogar seine SIM-Karten. Wenig später stand plötzlich Jorge, den wir kurz vor Dakhla kennengelernt hatten am Hauseingang. Wir hatten nette Gespräche mit ihm und den Jungs, schossen ein paar Gruppenfotos und stiegen wieder auf unsere Drahtesel, jedoch in unterschiedliche Richtungen. Kaum losgefahren hielt eine Einheimische Frau mit ihrem Auto an und übergab uns zwei Flaschen Wasser und einige Mandarinen, welche wir dankend annahmen. Die Landschaft um uns herum passte nun auch besser zu unseren Vorstellungen. Hohe Sanddünen türmten sich auf und weit und breit war niemand zu sehen, nicht einmal mehr Hirten mit ihren Tieren.

232.Tag: Barbas-Bu Anwar

5. Januar 2018:

Kurz nach Barbas trafen wir auf den Belgier Matti, den wir in Dakhla kennengelernt hatten. Er war vor uns mit David und dem Franzosen Alain losgefahren. Wir fuhren ein Stück zusammen, doch plötzlich blickten wir zurück und sahen ihn nicht mehr. Aufgrund des starken Windes und der grossen Entfernung fuhren wir weiter in Richtung Grenze. Unser Ziel war es nämlich, das Visum für Mauretanien noch am selben Tag zu erhalten.

Kurz nach Guerguerat kam der Marokkanische Grenzposten und unser Pass wurde insgesamt fünf Mal kontrolliert und daraufhin erhielten wir den Ausreisestempel. Zwischen diesem Grenzposten und dem Mauretanischen liegen einige Kilometer Niemandsland, das von der Polisario besetzt wird und somit zur Demokratischen Republik Sahara gehört. Leider gibt es auf dieser Strecke keine Strasse, sondern verschiedene sandige Pisten, die irgendwie auf die andere Seite führten und es soll noch Tretminen geben. Wir kämpften uns durch das schwierige Terrain und waren erstaunt wie viel Abfall, alte Autos und anderer Schrott rumlagen. Kaum am Mauretanischen Zoll angekommen, half uns ein junger englischsprechender Maure mit dem Visaprozess und alles ging viel schneller als erwartet. Die Visumsstelle machte gerade Pause und wir durften uns jedoch als erste in die Reihe stellen. Wir plauderten mit den anderen Reisenden und wimmelten die vielen SIM-Karten Verkäufer und Geldwechsler erfolgreich ab. 110 Euro leichter und mit unserem ersten Afrikavisum in der Hand, fuhren wir weiter in die Leere der Wüste.

231.Tag: Imlili-Barbas

4. Januar 2018:

Die Nacht neben der Tankstelle war sehr laut und wir erholten uns nicht wie gewohnt. Zum wiederholten Male herrschte starker Wind. Darum mussten wir nachdem wir den Lastwagenfahrern zuwinkten, sofort wieder die Lenker fest im Griff halten, damit uns der Windstoss nicht neben die Strasse schleuderte. Beim einem Café hielten wir und kamen mit einer Gruppe Franzosen ins Gespräch, die mit ihren Motorrädern bis in den Senegal fahren. Wir hatten nette Gespräche und uns wurde sogar ein Getränk spendiert. Wenig später offerierte uns der Besitzer des Restaurants Tortillas und Getränke, welche wir dankend annahmen.

230.Tag: Trouk-Imlili

3. Januar 2018:

Die erste Tafel auf der Strasse in Richtung Mauretanische Grenze, führte uns vor Augen, dass die Sahara noch lange nicht durchquert ist und es immer noch knapp 1’500 Kilometer bis zur Senegalesischen Hauptstadt Dakar sind. Ein Stück weiter überquerten wir den nördlichen Wendekreis, was bedeutet, dass es noch 2609km bis an den Äquator sind und wir ab jetzt in den Tropen unterwegs sind

Bei einem ausgestorbenen Dorf verpflegten wir uns und Adrian bemerkte, dass sein Pullover, den er aufgebunden hatte, fehlte. Nach erfolglosem Fragen vorbeifahrender Autos ob sie etwas auf der Strasse liegen gesehen hätten, fuhr ein Auto langsam auf uns zu und hielt. Der Fahrer stellte sich als Polizist heraus und folgte uns bereits die letzten 40 Kilometer. Er konnte leider nicht weiterhelfen. Ein weiterer Marokkaner, der mit seiner Familie unterwegs war, sprach gutes Englisch und meinte er könne auf dem Weg zurück zum letzten Dorf nach dem Pullover schauen und ihn dann mit dem nächsten Auto in unsere Richtung schicken. Der «Undercover» Polizist meinte wir sollten in der 3km entfernten Tankstelle schlafen, da dort sowieso eine Polizeikontrolle auf uns warten würde. Dies taten wir auch, da es sowieso schwierig gewesen wäre um diese Zeit vorbeizufahren.

229.Tag: Dahkla-Trouk

2. Januar 2018:

Wie David und zwei weitere Fahrradfahrer am Vortag, verliessen wir am Nachmittag die Wüstenstadt wieder und fuhren etwa 30km mit starkem Gegenwind aus Dakhla. Wir pedalten zu einem mit Europäern gefüllten Parkplatz und verbrachten dort eine Nacht. Viele ältere Europäer mit Wohnwagen und vor allem Kitesurfer verbringen zum Teil den ganzen Winter an diesem Gratisparkplatz. Wir hatten interessante Gespräche und fühlten uns wie auf einem Campingplatz in Mitteleuropa.

228.Tag: Pausentag- Dakhla

1.Januar 2018:

Ein paar kurze Fakten über die Westsahara und ihre Geschichte:

Während der Spanischen Kolonialzeit (1916-1958) gehörte die Westsahara zum Spanischen Protektorat Süd-Marokko.

Der Westsahara Konflikt ist ein andauernder Konflikt zwischen der Polisario Front und des Königreichs Marokko. Die Auseinandersetzung startete im Jahre 1973 und ist immer noch, wenn auch nur noch durch unbewaffnete Kampagnen seitens der Polisario und deren selbst proklamierter Staat Demokratische Republik Sahara, aktuell.

Am Grünen Marsch nahmen über 350’000 Menschen teil und schlugen ihre Zelte in der Nähe von Tarfaya auf. Dieser Marsch fand im Jahre 1975 statt und wurde vom Staat Marokko im Zusammenhang mit dem Westsaharakonflikt organisiert. Das Ziel der grösstenteils unbewaffneten Menschen war die Übergabe der Kolonie Spanisch-Sahara an Marokko, welches das Gebiet der heutigen Westsahara abgrenzte.

Weite Teile Westsahara sind wirtschaftlich unerschlossen und das Strassennetz ist dünn. Die wesentlichen Wirtschaftszweige sind die Oasenwirtschaft, Gewinnung von Windenergie, Fischerei und der Abbau von Bodenschätzen (Phosphat). Das Vorkommen ist eines der grössten und erklärt zusammen mit dem vermuteten Gas und Erdölvorkommen an der Küste vielleicht das grosse Interesse der vielen Parteien an diesem Wüstenterritorium.

Der von Marokko besetzte westliche Teil wird stark subventioniert und ausgebaut. Im Gegensatz dazu ist der nicht besetze Ostteil, sowie die Flüchtlingslager in Algerien grösstenteils von internationaler Unterstützung abhängig. Der Ostteil wird auch Demokratische Republik Sahara genannt und von der Polisario kontrolliert. Die Polisario wird vorallem durch Algerische Gelder unterstützt und auch dort verwaltet. Im Grenzgebiet zwischen den zwei Parteien existiert eine drei Meter hohe und 2’700km lange Sand- und Steinmauer. Ausgestattet mit Bunkern, Zäunen und Landminen. Das Minenfeld entlang dieser Struktur ist der längste kontinuierliche Minenfeld der Welt. Unter anderem am südlichsten Teil der Westsahara, an der Grenze zu Mauretanien auf dem Gebiet der Demokratischen Republik Sahara. Diese Region wird unsere Route der nächsten Tage darstellen und wir sind bereits gespannt auf die Grenzregionen.

227.Tag: Chtoukane-Dakhla

31. Dezember 2018:

Seit längerer Zeit hatten wir keine anderen Tourenfahrer mehr gesehen und fragten uns wo die wohl alle sind. Dies änderte sich heute definitiv! Nach etwa 40km holten wir David, einen Spanischen Fahrradfahrer ein, der auch bis Südafrika unterwegs ist und mit dem wir gleich den Rest des Tages verbrachten. Auf dem Weg nach Dakhla legten wir eine Pause bei einer Tankstelle ein und trafen dort Jorge, einen Amerikaner der ebenfalls südwärts unterwegs ist. In Dahkla angekommen nahmen wir zusammen mit David ein Zimmer und genossen wiedermal eine Dusche. Die letzte Dusche war vor einer Woche und an das letzte Bett konnten wir uns schon gar nicht mehr erinnern. Schlussendlich trafen wir mit Jörg einen weiteren Schweizer, der rund um Afrika fährt und einen Franzosen, sowie einen Belgier die mit dem Zweirad reisen. Nach einem gemeinsamen Abendessen und interessantem Austausch, legten wir uns nach Mitternacht schlafen.

Wir wünschen ein frohes Neues Jahr! Das nächste Jahr bleibt für uns auf jeden Fall spannend und voller Überraschungen, die wir gerne mit euch teilen werden.