Dänemark

1.Juli – 7.Juli 2018:

Nach der Ankunft per Fähre in Dänemark, unserem vierten Land, wartete gleich eines der architektonischen Highlights auf uns. Das imposante Schloss Kronborg wurde im Jahre 2000 als Weltkulturerbe anerkannt und posiert stolz an der strategisch wichtigen Stelle zwischen Dänemark und Schweden. Im Volksmund ist das Schoss vor allem bekannt als Hamletschloss, da Shakespeare dort die Handlung seines Schauspiels Hamlet ansiedelte. Die Küstenstrasse bis nach Kopenhagen führte uns an vielen schönen Sandstränden vorbei und es reizte uns extrem ins kühle Nass zu stürzen. Wir wollten jedoch noch am selben Tag in der Hauptstadt ankommen und verschoben die Abkühlung auf einen späteren Zeitpunkt. Beim ersten Campingplatz realisierten wir, dass es relativ schwierig werden könnte, in der Hauptsaison einen Platz in einem der wenigen Campingplätze ohne Reservation zu finden. Nachdem wir uns müde durch das Stadtzentrum Kopenhagens gekämpft hatten, erreichten wir einige Kilometer südlich der Stadt einen Campingplatz, welcher genügend Platz für zwei Zelte hatte.

Ein Tagesausflug nach Malmö stand an, da wir uns trotz Routenänderung eine der grössten Städte Schwedens nicht entgehen lassen wollten. Der Zug führte uns über die knapp 8km lange Öresundbrücke, welche Schweden mit Dänemark verbindet. Bei sommerlichen Temperaturen beeindruckte uns jedoch Malmö nicht besonders. Einzig die gelassene Atmosphäre und die Schwedische Oper im «Malmöhus», einem alten Schloss im Stadtzentrum konnten unser Fazit der Stadt aufbessern.

In Kopenhagen erwarteten wir Besuch von Fabians Freundin Bettina und Joels Freundin Angi. Die Unterkunftsart änderte sich aufgrund des weiblichen Besuchs und jeder fuhr zu einer anderen Unterkunft irgendwo in der Stadt. Uns fiel bereits am ersten Abend auf, wie viele junge und junggebliebene Stadtbewohner sich am Ufer der vielen Kanäle ein kühles Bier gönnten und sich im sauberen Wasser abkühlten. In Schweden hielten wir vergebens Ausschau nach dieser uns bekannten «Kultur». Ebenfalls erlebten wir die Dänen als offener, lebensfreudiger und unkomplizierter als die eher introvertierten und meistens elegant gekleideten Schweden. Generell sind jedoch beide Bevölkerungsgruppen eher nordländisch zurückhaltend.

Um das sehr touristische Kopenhagen kennenzulernen, schlossen wir uns der «Free Walking Tour» an, bei der uns ein Einheimischer drei Stunden durch die Stadt führte und uns die wichtigsten Informationen zu den interessantesten Gebäuden und Plätzen gab. Mit einer riesigen Gruppe liefen wir durch die Stadt und lernten viel über die Geschichte Dänemarks und der Entwicklung der Stadt. Die Dänen sind angeblich die drittglücklichsten Menschen der Welt, nach den Norwegern und Finnen. Dies könnte daran liegen, dass das Sozialsystem sehr modern ausgerichtet ist und durch die hohen Steuern das gesamte Gesundheitssystem bezahlt wird. Ausserdem gibt es keine Studiengebühren und Studenten kriegen Stipendien, die der Staat nicht zurückverlangt. In Christiania erholten wir uns von dem langen Fussmarsch durch die Stadt bei einem kühlen Bier. Die Freistadt Christiania besteht seit 1971 und ist eine alternative Wohnsiedlung im Stadtteil Christianshavn. Die Bewohner des ehemaligen Militärgeländes sehen sich unabhängig von den staatlichen Behörden. Der Konsum von sogenannten «weichen Drogen» wird von der Regierung toleriert und zieht dementsprechend viele Touristen an.

Schweren Herzens verliessen wir Kopenhagen wieder in Richtung Südwesten. Nach fast einer Woche ohne jegliche Wolken, überraschte uns der Himmel mit einer Bedeckung. Es dauerte etwa 30km bis wir landwirtschaftliche Flächen und Wälder zu sehen bekamen. Mit Hilfe der Handyapplikation maps.me fanden wir wie bereits in Schweden, auch in Dänemark mehrere Male Schutzhütten, ausgerüstet mit Feuerstellen, Tischen und Bänken. Diesen Luxus genossen wir und konnten so ab und zu im Sitzen kochen und essen. Im sehr flachen und durch viele Kornfelder geprägten Dänemark erlebten wir seit längerer Zeit wiedermal stärkeren Gegenwind. Dieser erschwerte unsere Reise, liess jedoch das Korn auf den Feldern im Wind tanzen. Dieses Spektakel lenkte uns von den Strapazen ab und entschädigte für die übersäuerten Beine.

Auf unserem Weg nach Westen überquerten wir mehrere Brücken und konnten Dutzende traditionelle Dänische Häuser bestaunen. Die meistens dunkelroten Gebäude sind charakteristisch aufgrund ihres Reetdaches. Das an Ufern oder sumpfigen Gelände wachsende Schilfrohr wird als Reet bezeichnet und zur Dacheindeckung verwendet. Das Handwerk der Reetdachdeckerei wurde als immaterielles Kulturerbe von der UNESCO im Jahre 2014 aufgenommen.

Grundsätzlich überraschten uns aufgrund fehlender Vorkenntnisse die Preise unseres letzten skandinavischen Landes. Wie schon die drei Länder zuvor musste man auch hier tief in die Taschen greifen, ausser man kaufte Billigprodukte im Discounter. Bei der einzigen Fähre die wir nach Spodsbjerg nahmen, bezahlten wir pro Person mit Fahrrad 15 CHF für eine nur 30-minütige Fahrt. Wenigstens fanden wir nach der budgetsprengenden Überfahrt einen schönen Platz für die Nacht direkt am Strand.

Immer wieder fiel uns auf wie dicht bevölkert dieser Teil des Landes ist. Teilweise dauerte es lange bis wir wirklich wieder auf dem Land ankamen und von landwirtschaftlich genutzter Fläche umgeben waren. Trotz dieses Eindruckes wird die Hälfte der Fläche Dänemarks landwirtschaftlich genutzt, auch wenn der Boden nährstoffarm ist. Dies wird durch intensive Düngung ausgeglichen.

Odensa ist die drittgrösste Stadt Dänemarks und hat viele alte Kirchen und schöne Stadtparks aufzuweisen. Nach einer entspannenden Mittagspause in einer der Parks, fuhren wir weitere 30km und fanden einen Übernachtungsplatz direkt vor einem kleinen See. Unvermittelt vor dem angestrebten Ziel brach an Fabians Hinterrad eine Speiche, die er später ersetzten musste.

Die einzige Form von Wasser die in den letzten Tagen vom Himmel kam, stammte von den riesigen Bewässerungsanlagen die in den Feldern dem extrem trockenen Sommer die Stirn bieten. Neben den unzähligen Kornfeldern sahen wir ausserdem viele Kartoffelfelder.

Eine der schönsten Plätze für eine Mittagspause genossen wir in Kolding am Ufer des Schloss-Sees, direkt neben dem aus dem 13. Jahrhundert stammenden Schloss «Koldinghus». In Ribe, der ältesten Stadt Dänemarks vertilgten wir eine Familienpizza mit 60cm Durchmesser, um unsere leergetrampelten Energiereserven aufzufüllen. Die Stadt besass den wichtigsten dänischen Hafen an der Nordsee. Ausserdem beeindruckt neben der schönen Altstadt der «Dom zu Ribe» mit seiner Grösse und Ausstattung.

Bis zur Abzweigung in Richtung der Insel Rømø, hatten wir die meiste Zeit Rückenwind und erreichten den Damm der zur Insel führte sehr schnell. Jedoch kaum auf dem Damm angekommen, wehte uns der Wind von der Seite und von vorne entgegen und die Motivation für die restlichen 10km bis zur Insel war auf ein Minimum reduziert. Gegenwind als solches ist der Albtraum jedes Tourenfahrers, aber wenn dich dieses Wetterphänomen auf einem Damm im Griff hat, so ist man den Kräften vollends ausgeliefert. Keine Alternativroute gibt es als Option, nicht einmal warten hilft, da der Wind potentiell erst am späteren Abend dreht. Ein anderer Nachteil eines Damms stellt die Weitsicht dar. Das Ziel immer im Auge, kommt es Einem vor, als bewege man sich gar nicht vorwärts.

Im Touristenzentrum der Wattenmeerinsel Rømø erkundigten wir uns über die möglichen Übernachtungs- und Weiterreisemöglichkeiten. Der Nationalpark Wattenmeer ist einer von insgesamt fünf Nationalparks in Dänemark. Die Insel Rømø und somit das dänische Wattenmeer wurde 2014 in das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer nebst den deutschen und niederländischen Gebieten aufgenommen.

Aufgrund des starken Windes und der kalten Temperaturen entschieden wir uns am Nachmittag die Fähre zur Insel Sylt zu nehmen und dort den geplanten Pausentag zu verbringen. Nach einer kurzen Besichtigung des riesigen Sandstrandes bestiegen wir die Fähre und setzten über nach Deutschland, wo wir einen Campingplatz im Zentrum der Insel fanden.