Namibia

11. März – 4. April 2020 & 20. Februar – 20. März 2024

11. März – 4. April 2020: Grenze Angola – Windhuk

Bei der namibischen Immigration mussten wir ein Formular ausfüllen und bekamen im Nu den Einreisestempel. Somit betraten wir das zweitletzte Land auf unserer Route und seit Ewigkeiten wieder mal ein Land, welches wir ohne Visum betreten durften.

Direkt nach den Formalitäten mussten wir uns an den Linksverkehr gewöhnen. Die Hauptstrassen in Namibia sind zwar asphaltiert, aber es gibt keinen Pannenstreifen mehr und somit ist das Fahrradfahren wieder gefährlicher.

Endlich konnten wir uns wieder mit den Einheimischen in einer Sprache unterhalten, die wir beherrschten. Viele Leute in Namibia sprechen Englisch, Afrikaans und eine der vielen lokalen Sprachen. Unsere erste Mahlzeit in Namibia war eine Wurst mit Maisbrei und Kartoffeln.

Bereit loszufahren, bemerkte Adrian einen Platten Hinterpneu. Kaum war dieser geflickt und das Fahrrad beladen, hatte der Pneu schon wieder Luft verloren. Nach kurzer Begutachtung sahen wir, dass sich ein alter Flick gelöst hatte und darum der Schlauch nicht mehr dicht war. Nach einer Pause bohrte sich noch ein Dorn in denselben Pneu und Adrian durfte seine Mechanikerkenntnisse nochmals unter Beweis stellen.

Die Strasse führte uns am bekanntesten und tierreichsten Nationalpark Namibias vorbei. Der Etosha Nationalpark ist von einem hohen Zaun umgeben und enthält unzählige Tierarten. Wir unterschätzten die Leere der Gegend und hatten bald kein Wasser mehr. Zum Glück hielten drei Frauen bei einem Rastplatz und wir konnten fragen, ob sie etwas Wasser für uns hatten. Nebst Wasser gaben uns die netten einheimischen Frauen etwas zu essen und wir erzählten ihnen von unserer Reise.

Nachdem uns ein lokales Gewitter voll erwischte, erreichten wir klitschnass die nächste Stadt. Nach 740 km in sechs Tagen brauchten unsere erschöpften Körper definitiv eine Pause. Nigel, ein Bekannter von Janet (eine Bekannte aus Angola), lud uns ein auf dem schönen Campingplatz in Tsumeb zu übernachten. Der topmoderne Campingplatz verfügte über warme Duschen, ein 50 m Schwimmbecken und Internet.

Wir gingen davon aus es hätte eine Gemeinschaftsküche und bevor wir auf den Campingplatz fuhren, kauften wir auch dementsprechend ein. Leider gab es keine Küche und nur wenige Leute waren auf dem Campingplatz, darum hatten wir Mühe jemanden zu finden, der uns einen Kocher ausleihen konnte. Am letzten Abend lernten wir ein nettes und unkompliziertes Schweizer Paar kennen, welches seit über zehn Jahren die Welt bereist. Wir tauschten uns aus und konnten seit langem wieder mal Schweizerdeutsch mit jemandem sprechen.

Nach einem gemütlichen Frühstück mit Walter und Regine in ihrem praktisch eingerichteten Fahrzeug, besuchten wir das Fahrradprojekt von Nigel. Die Occasionsfahrräder aus Europa und Amerika werden hier wieder in Stand gesetzt und verkauft. Mit dem Erlös werden Anlässe für die Kinder und Jugendlichen organisiert. Natürlich schenken Nigel, seine Frau und die anderen Mitarbeiter auch Fahrräder an die Kinder. Uns wurde das riesige Lager an Ersatzteilen und Fahrräder gezeigt. Nigel bot uns allerlei Sachen an und schlussendlich entschieden wir uns für einen neuen Helm. Wir freuten uns über dieses grosszügige Geschenk.

Erst nach dem Mittag verliessen wir endlich die ehemalige Mienenstadt und fuhren weiter. Nach ein paar Steigungen wurde das Terrain wieder flach und schnurgerade Abschnitte folgten. Im letzten Ort kauften wir ein paar Lebensmittel ein, da für die nächsten knapp 100 km keine Einkaufsmöglichkeiten mehr kamen.

Gerade Strassen wie mit einem Lineal gezogen, prägten unsere Route. Dank dem Rückenwind kamen wir schnell vorwärts und konnten an der eher eintönigen Landschaft vorbeidüsen. In einem Bauernladen kauften wir uns eine lokale Spezialität. Der getrocknete Rindfleisch (Biltong) schmeckte uns und war ein willkommener Snack.

In ganz Namibia sind links und rechts der Strasse Zäune, welche das Privatland abgrenzen. In einem solchen riesigen Stück Land sahen wir einige Elenantilopen und Kudus. Am Ende des Tages schafften wir mit 175km einen neuen Cape2Cape Rekord.

Nach einer erholsamen Nacht auf dem Gelände einer Gästefarm, sprachen wir mit der zuvorkommenden Besitzerin und tauschten uns über die neusten Geschehnisse im Land aus. Inzwischen hat der Corona-Virus bzw. die Konsequenzen daraus auch Namibia erreicht. Die meisten Flüge wurden gestrichen und somit auch die Flüge von Adrians Familienmitglieder. Momentan klären wir ab, was mit dem gebuchten Mietauto und den Unterkünften passiert bzw. ob wir das Geld zurückbekommen. Zurzeit gibt es erst 3 Infizierte und alle davon sind eingereiste Touristen.

Je mehr wir uns Windhuk näherten, desto höher war das Verkehrsaufkommen. Die meisten Fahrzeuge nahmen jedoch Rücksicht auf uns und wir fühlten uns nicht allzu oft unsicher. In der letzten Stadt vor der Hauptstadt, trafen wir den Russen Dimitri, der Afrika per Autostopp bereist. Er erzählte uns mit einem riesigen Lachen wie einige seiner persönlichen Gegenstände von bewaffneten Einheimischen gestohlen wurden. Dies sei nicht das erste Mal und er hatte keine Chance bei der Polizei, da die Banditen dort Freunde hatten.

Die letzten Kilometer nach Windhuk mussten wir auf einer Autobahn fahren, aber dies war für einmal positiv, da wir endlich genügend Platz hatten. Erschöpft erreichten wir die Mitte des riesigen Landes und somit die grösste Stadt Windhuk.

Bei Vera und ihrer Familie durften wir eine Nacht unterkommen. Zum Abendessen lud sie sogar noch einige Freunde und einen weiteren Reisenden ein. Wir hatten einen geselligen Abend und wie überall auf der Welt war natürlich der Virus das Hauptthema.

Rundreise mit einem Mietauto

Adrians Eltern hatten ein Zimmer in einem Hostel in Windhuk gebucht. Ihr Flug wurde gestrichen und somit konnten wir von diesen zwei Nächten in einem schönen Zimmer profitieren. Im Hostel befanden sich viele Reisende und wir lernten viele nette Leute kennen. Die Mehrheit kam aus Deutschland und war bereits daran einen Rückflug zu organisieren. Die Stimmung war eher gestresst und viele Leute hatten schon Panik, dass sie nicht rechtzeitig nach Hause kommen.

Aktuell gibt es nur wenige bestätigte Fälle des Corona-Virus in Namibia, aber niemand weiss, ob die Zahlen stimmen und wie viele Leute wirklich getestet wurden. Von anderen Radfahrern, die sich in Afrika befinden, haben wir gehört, dass die Leute ihnen bereits „Corona“ nachrufen, da es für die Einheimischen klar ist, dass die Weissen aus Europa oder die Chinesen diese Krankheit nach Afrika gebracht haben. Aus diesem Grund sind viele Radfahrer nach Hause geflogen und haben ihre Reise abgebrochen. Viele der kommerziellen Flüge wurden in den letzten Tagen gestrichen und somit sind viele Reisende gestrandet.

Die Feier zur Unabhängigkeit Namibias vor genau 30 Jahren musste leider aufgrund des Virus abgesagt werden. Die Einweihung des Präsidenten fand trotzdem statt und viele Staatschefs aus anderen Afrikanischen Staaten kamen zu Besuch und ignorierten die Ansteckungsgefahr.

In Windhuk wohnen ungefähr 20% der 2.1 Millionen Einwohner. Die Fläche Namibias ist ziemlich genau 20-mal grösser als die der Schweiz. Die Bevölkerungsdichte ist nach der Mongolei die zweitkleinste der Welt.

Die meisten Autovermietungen waren bereits geschlossen oder vermieteten keine Autos mehr. Schlussendlich fanden wir eine kleine Autovermietung, wo wir einen Nissan 4×4 zu einem fairen Preis mieten konnten. Wir konnten sogar zusätzlich noch einen Kühlschrank, Stühle, einen Campingtisch und einen Gaskocher in den Mietpreis feilschen. Aufgrund der Unsicherheit der Geschehnisse, mieteten wir das Auto erst einmal für eine Woche mit Option zur Verlängerung.

Beim Frühstück lernten wir Marie, eine Deutsche Studentin kennen und boten ihr an mit uns mitzufahren. Spontan entschied sich Marie ein wenig mit uns mitzureisen.

Auf dem Weg zur Waterberg Wilderness Lodge, am Rande des Waterberg Plateau Parks, planten wir zwei Nächte zu bleiben, um die Gegend zu erkunden. Eine Arbeitskollegin und Freundin von Adrian ist die Tochter der Besitzer dieser und von zwei anderen Lodges und darum hatten wir grosszügigerweise die Gelegenheit den für uns seltenen Luxus zu geniessen. Die Lodge bot einen wundervollen Ausblick auf die umliegenden Felsklippen.

Die Übernachtung in der Lodge beinhaltete ein leckeres Frühstücksbuffet, Kaffee und Kuchen am Nachmittag und ein köstliches 4-Gänge Menu am Abend. Kurz, wir wurden richtig verwöhnt und konnten uns ein wenig vom ganzen Corona-Stress distanzieren.

Um die Lodges gab es mehrere Wanderwege, welche man erkunden konnte. Im Park soll es Giraffen, Nashörner, Affen und viele Antilopenarten geben. Gemeinsam liefen wir den anspruchsvollen und dank dem vielen Regen mit hohem Gras zugewachsenen Pfad. An der Quelle, welche das ganze Tal und die Lodges mit Wasser versorgt, sahen wir mehr als ein Dutzend Paviane, welche uns seelenruhig beobachteten.

In einem der vielen Swimmingpools kühlten wir uns ab und entspannten im Schatten. Wir unterhielten uns übers Reisen und die aktuelle Situation in Afrika und wie sich diese Pandemie noch entwickeln könnte.

Marie verabschiedete sich wieder von uns und fand ein Paar, welches sie nach Windhuk mitnehmen konnte. Bevor wir weiterfuhren, liefen wir entlang eines Pfads, der die traurige Geschichte einer einheimischen Bevölkerungsgruppe während der Deutschen Besatzungszeit erklärte. Brutal wurden diese Leute unterdrückt, verfolgt und in über Jahre in Arbeitslager gesteckt.

Auf kleinen, wenig befahrenen Kiesstrassen fuhren wir zur Ghaub Lodge. Der Weg führte uns durch ein wunderschönes Tal, genannt „Tiger valley“ und bald erreichten wir die zweite Lodge von der Familie von Adrians Freundin Dominique.

Die einzigen anderen Gäste waren ein sympathisches Deutsches Paar, welches seit mehreren Monaten auf Weltreise war. Auch die beiden hatten sich bei der Deutschen Botschaft für einen Rückflug gemeldet und fuhren zurück nach Windhuk, in der Hoffnung bald nach Hause zu kommen.

Leider erreichten uns die Neuigkeiten, dass der namibische Präsident entschieden hatte, zwei Regionen komplett zu isolieren in den folgenden Tagen, um die Verbreitung des Virus einzuschränken. Aus diesem Grund wussten wir, dass unsere Zeit mit dem Mietauto wahrscheinlich nicht mehr lange gehen würde und wir uns bald nicht mehr frei im Land bewegen können.

Wir entspannten auf dem ruhigen Gelände und genossen den Luxus. Achim der Bruder von Dominique versprach uns eine Ausfahrt, um Nashörner zu sehen. Für die normalerweise recht teure Tour wollte er nicht einmal etwas und wir freuten uns wie kleine Kinder auf die Ausfahrt. Zu Beginn sahen wir viel Wild und dutzende Warzenschweine. Kurz bevor Achim aufgab, versuchten wir unser Glück zu Fuss in der Nähe von ein paar Wasserlöchern. Plötzlich sichtete Fabian ein männliches Breitmaulnashorn nur einige Meter von uns entfernt. Schnell brachten wir uns in Sicherheit, da die mehr als drei Tonnen schweren Tiere trotz ihres Gewichts noch locker 40 km/h rennen können. Somit konnten wir auch das zweite Tier der „Big Five“ abhaken, nach dem Elefanten in Ghana.

Im Restaurant unterhielten wir uns mit einigen Angestellten und erfuhren, dass auch hier bereits viele Leute entlassen wurden. Anscheinend sind wegen den nicht einreisenden Touristen schon 10% der namibischen Bevölkerung entlassen worden.

Nach dem Genuss des ausgiebigen Frühstücksbuffets, machten wir uns auf zum nächsten Ziel, dem Etosha Nationalpark. Definitiv eines der Highlights in Namibia und darum wurde uns der Park von allen Reisenden empfohlen. Zuerst machten wir allerdings einen Zwischenstopp in Tsumeb, um Nigel zu besuchen. Der quirlige Ex-Radprofi und Tour de France Absolvent schenkte uns noch ein paar Ersatzteile für unsere Fahrräder und wir tauschten uns über die aktuelle Lage im Land aus.

Danach statteten wir dem Schweizer Paar Regine und Walter, welches wir vor ein paar Tagen auf dem Campingplatz kennengelernt hatten, einen Besuch ab. Das Rentnerpaar befand sich immer noch auf dem Camping und genoss die Ruhe und den Komfort vor Ort.

Nach dem Volltanken suchten wir einer der beiden Seen in der Region auf. Der eindrückliche Guinas Lake ist durch den Einsturz eines Höhlensystems entstanden und darum stolze 130 m tief. Wegen eines aufziehenden Gewitters war unser Bad nur von kurzer Dauer. Auf einer Nebenstrasse in der Nähe des Parkeingangs fanden wir einen Platz, wo wir unser Zelt aufstellten konnten.

Um 7 Uhr morgens, viel früher als sonst, waren wir bereits unterwegs Richtung Parkeingang und sahen den Sonnenaufgang. Nach dem Passieren des Zaunes, sahen wir bereits Giraffen auf der Strasse und freuten uns über das frühe Glück.

Nach dem Bezahlen der moderaten Eintrittsgebühr, entschieden wir uns für die Umfahrung eines relativ grossen Sees. Kurz darauf sahen wir bereits viele Streifengnus, Steppenzebras, Oryx, Kudus und weitere Antilopenarten. Von weitem sahen wir ein Tier, welches wir zuerst nicht zuordnen konnten. Doch als das Tier näherkam, realisierten wir unser Glück, denn es handelte sich um einen mächtigen Löwen. Dieser spazierte stolz vor uns über die Strasse und legte sich unweit von uns unter einen Strauch in den Schatten. Wir hatten überhaupt nicht mit der Sichtung eines Löwen gerechnet, da es im Etosha Park nicht viele Exemplare gibt und es während der Regenzeit eher schwierig ist diese zu sehen.

Der Etosha-Nationalpark ist halb so gross wie die Schweiz und somit das zweitgrösste Naturschutzgebiet Afrikas. Während der Weiterfahrt sahen wir nicht mehr viele neue Tiere und die Wasserlöcher waren aufgrund der momentanen Niederschlagsrate wenig oder gar nicht besucht. Die Salzpfanne des Parks ist riesig und eindrücklich. Diese sieht aus wie ein Meer ohne Ende und bietet keine Lebensgrundlage für den Grossteil der Lebewesen.

Während einer Pause telefonierten wir mit unserer Autovermietung und fanden heraus, dass wir das Auto bereits an diesem Tag in Windhuk zurückgeben sollten. Der Grund war die geplante Sperrung der Hauptstadt. Seit wir von dieser Absperrung Bescheid wussten, waren wir mit der Autovermietung in Kontakt und diese war sehr entspannt über die aktuelle Lage. Jetzt plötzlich musste alles (typisch Afrikanisch) schnell gehen und wir hatten keine Wahl, ausser zu kooperieren. Wenigstens konnten wir aushandeln das Auto in der Mitte, also nur 250 km, anstatt 450 km weiter südlich zurückzugeben.

Somit fuhren wir auf dem direkten Weg zum Treffpunkt und übergaben das Auto an einen Fahrer, der aus Windhuk mit dem Bus anreiste. Danach wollten wir eigentlich zur Ghaub Farm von Achim fahren, um dort die Pandemie abzuwarten. Leider sagte uns dieser kurzfristig ab und meinte der ganze Hof müsste geschlossen und alle Mitarbeiter entlassen werden.

Nach kurzer Überlegungszeit entschieden wir uns wieder nördlich zu reisen, da wir dort wenigstens Nigel vom Fahrradprojekt und das Schweizer Paar (Regine und Walter) kannten. Wir fragten mehrere Leute, wohin sie fahren, aber fanden niemanden der uns günstig mitnehmen wollte. Schlussendlich fuhr uns ein Pärchen zu einer Tankstelle, wo wir innerhalb einer Minute einen Transport nach Tsumeb fanden.

Im Auto lernten wir einen Polizisten kennen, der uns gleich zu sich nach Hause einlud, falls wir keinen geeigneten Ort für die nächsten Wochen finden würden. Im Radio hörten wir, dass es bereits mehrere tödliche Unfälle auf den Strassen Richtung Windhuk gegeben hatte, da viele Leute vor der Sperrung irgendwo hinfahren wollten. Kurz vor Mitternacht erreichten wir den uns bekannten Campingplatz und stellten müde unser Zelt auf.

Somit befanden wir uns nun im Norden des Landes und unsere Fahrräder im abgeriegelten Windhuk. Unser Ziel musste sein, eine Bleibe zu finden für die nächsten Tage, Wochen oder sogar Monate. Die Abriegelung der zwei Regionen inklusive der Hauptstadt war eher kontraproduktiv, da diese einige Tage vorher bereits angekündigt wurde. Am Abend vor der Abschottung flüchteten Tausende Leute aus der Hauptstadt in alle Teile des Landes und verbreiteten somit potenziell den Virus.

Über Kontakte in Namibia kamen wir an die private Nummer vom Schweizer Konsul in Windhuk. Wir riefen ihn an, um zu schauen, was die momentane Ausgangslage war. Der Konsul Urs Gamma war sehr ruhig und meinte er sei froh, wenn es uns gut gehe im Norden des Landes und wir sollten momentan dortbleiben.

Inzwischen startete die Rückholaktion der Deutschen und es wurden die ersten Touristen zurück nach Deutschland geflogen. Anscheinend waren noch über 1500 Deutsche und 50 Schweizer in Namibia. Für die Schweiz lohnte es sich nicht, ein Flugzeug zu organisieren für die kleine Anzahl Staatsbürger, darum gab es eine Kooperation mit Deutschland.

Nach drei Nächten im Zelt auf dem schönen Campingplatz, half uns Nigel vom Fahrradprojekt, den Manager des Resorts und somit auch des Campingplatzes zu fragen, ob wir in ein Appartement wechseln konnten. Wir wollten nicht für eine unbestimmte Zeit im Zelt schlafen und ohne Küche, Stühle etc. auskommen. Das Schweizer Paar Regine und Walter bekamen für den Preis des Campings eine wunderschöne, topmoderne Wohnung und wir wollten fragen, ob wir diese Wohnung mit ihnen teilen konnten. Nigel, mit seinem gigantischen Netzwerk in Namibia, verwirklichte unseren Wunsch und wir konnten noch am selben Tag in das zusätzliche Zimmer der Wohnung einziehen. Bereits die Tage zuvor verbrachten wir viel Zeit in dieser Wohnung, um mit Walter und Regina zu plaudern, zu kochen oder einfach nur auf dem Sofa zu entspannen. Somit bildeten wir eine Schweizer Wohngemeinschaft und wir waren alle glücklich über diese langfristige Lösung. Endlich hatten wir eine Bleibe für längere Zeit gefunden und konnten zur Ruhe kommen.

Rückreise in die Schweiz wegen COVID-19

Leider kam wieder alles anders und eine Frau rief Adrian über WhatsApp von der Nummer des Schweizer Konsuls an. Petra Illig, die Koordinatorin der Rückholaktion der gestrandeten Schweizer in Namibia, war völlig ausser sich und machte Adrian einige Minuten völlig zur Schnecke! Sie meinte, der Urlaub sei vorbei und wir sollten sofort nach Windhuk fahren. Nicht einmal der Grund ihres Anrufs war klar nach dem fünfminütigen Gespräch. Beim dritten Telefonat beruhigte sich die offensichtlich überforderte und unfreundliche Frau und wir erfuhren, dass Schweizer nach Hause geflogen werden. Man gab uns ein paar Stunden Zeit, um uns zu entscheiden, ob wir nach Hause wollten oder eventuell für eine lange Zeit in Namibia festsitzen wollten.

Sofort wurde die Ruhe in der erst gerade bezogenen Wohnung unterbrochen und wir diskutierten gemeinsam über unsere Situation und welche Entscheidung mehr Sinn machte. Für Walter und Regina war klar, dass sie so schnell wie möglich nach Hause wollten. Für uns war es weniger klar und wir wurden durch diesen Anruf völlig überrumpelt, da wir eigentlich von einem langen Aufenthalt in Namibia ausgegangen sind.

Nach längerer Diskussion entschieden wir uns auch für die Heimreise, da wir nicht wussten, wie lange diese Krise andauern wird und wie sich die Ausgangslage in einem Drittweltland wie Namibia entwickeln würde. Ausserdem sah es in Südafrika, wo eine strikte Ausgangssperre herrschte, noch viel düsterer aus. Südafrika war unser nächstes Land auf der Route und dadurch stimmte uns dies nicht gerade zuversichtlich.

Mit einem schlechten Gewissen verliessen wir das Resort Kupferquelle wieder und konnten nicht einmal von der Grosszügigkeit des Besitzers profitieren, da wir erst eine Nacht im Luxusappartement verbringen konnten.

Die 430 km bis zur Hauptstadt durften wir mit Regine und Walter in ihrem eher kleinen Wohnmobil mitfahren. Der komplette öffentliche Verkehr in Richtung der Hauptstadt war nicht mehr aktiv und somit wäre es schwierig geworden, überhaupt ein Transportmittel zu finden. Somit luden wir das gesamte Gepäck in den hinteren Teil des Fahrzeugs und wir fanden einen Platz auf der Rückbank. Eigentlich dürfte dort niemand sitzen, aber wir entschieden, in dieser Notsituation eine Ausnahme zu machen.

Ohne Verkehr fuhr Walter routiniert mit etwa 90 km/h südlich und vergewisserte sich ab und zu ob wir uns wohlfühlten in ihrem Zuhause der letzten Wochen. Während der Fahrt waren wir in Kontakt mit Petra und Urs, damit wir uns alle am Kontrollpunkt treffen konnten. Es kam noch eine andere Reisegruppe dazu, welche mit uns über diese «Grenze» gebracht werden musste.

Am Kontrollpunkt hatte das Militär bereits Zelte aufgestellt und dieses Bild erinnerte uns an die vielen Strassenblockaden in Nigeria. Die Männer in Uniform schienen nicht sehr motiviert und standen in grösseren Gruppen im Schatten, mit ihren Sturmgewehren in der Hand. Natürlich wurde der vorgeschriebene Abstand nicht eingehalten und die Schutzmasken wurden vielfach locker um den Hals getragen.

Während dem Anstehen zur Kontrolle fragten wir, wie es weiter gehe und ob wir bereits an nächsten Tag einen Platz im Flugzeug bekämen. Urs Gamma teilte uns mit, dass das morgige Flugzeug bereits voll wäre und noch nicht klar sei, wann die nächsten Flugzeuge nach Europa fliegen. Enttäuscht über diese Information, legten wir die letzten Kilometer bis in die Stadt zurück.

Alle gestrandeten Schweizer wurden in einem teuren Hotel untergebracht. Uns waren die Preise der Zimmer zu hoch und wir suchten uns eine viel günstigere Alternative. Wir fanden ein schönes Zimmer mit geteilter Küche und Garten unweit des Hotels.

Wir hatten noch keine Aussicht auf einen Rückflug und darum nahmen wir die Situation gelassen und holten am ersten Tag in Windhuk unsere Fahrräder bei der Autovermietung ab. Ausserdem half uns Nigel Fahrradkartons zu organisieren in einem Outdoorladen, um die Fahrräder für den Transport bereit zu machen.

Schliesslich erfuhren wir, dass drei weitere Flüge bewilligt wurden und wir bereits beim ersten auf der Warteliste waren. Am Abend gab es die neusten Informationen im Hotel, wo alle Schweizer logierten. Dort konnten wir es zusammen mit Petra Illig und Urs Gamma so koordinieren, dass wir Regine und Walter den Vortritt gaben, damit wir noch einen Tag länger Zeit hatten, unsere Fahrräder einzupacken. Ausserdem war unsere Hoffnung, nicht mehr auf der Warteliste zu sein, sondern einen fixen Platz im Flugzeug zu bekommen für den nächsten Flug. Wir wollten auf jeden Fall vermeiden, mit den Fahrrädern und dem Gepäck an den Flughafen zu fahren und danach wieder zurück, wenn es keinen Platz im Flieger gab. Denn genau dies war die Ausgangslage, wenn man sich auf der Warteliste befand.

Im Hotel lernten wir andere Schweizer kennen, welche seit einigen Wochen in Namibia unterwegs waren und wir tauschten unsere Erfahrungen und Geschichten aus. Drei Männer aus der Zentralschweiz waren in Südafrika gestartet und nach Namibia geradelt. Wir hatten unterhaltsame Gespräche und machten das Beste aus der unangenehmen Ausgangslage.

Am Tag darauf packten wir unsere Taschen und Fabian packte sein Fahrrad in den viel zu kleinen Karton. Diese Operation dauerte gut zwei Stunden und er war sichtlich erleichtert, als er den Karton mit Klebeband zuklebte. Unterdessen fand Adrian heraus, dass es keine Rolle spielte, wie viele Gepäckstücke man hatte und wie schwer diese waren. Ausserdem gab es am Flughafen eine Verpackungsstation, wo man auch Fahrräder mit Plastik einwickeln konnte. Somit plante Adrian sein Fahrrad mit an den Flughaben zu nehmen, so wie es war, um es dort für den Flug zu verpacken.

Im zweitletzten Flug fanden wir einen definitiven Platz und man versicherte uns, dass die Fahrräder ohne Probleme mitgeführt werden können. Somit informierten wir unsere Familien und diskutierten, wo wir denn überhaupt wohnen werden nach der Heimreise. Wir waren uns zuerst nicht sicher, ob es Sinn machte bei unseren Eltern einzuziehen oder uns sonst irgendwo zu isolieren für einige Tage. Für ein paar Stunden liefen die Drähte heiss und alle möglichen Optionen wurden abgewogen und abgeklärt. Schlussendlich entschied sich Fabian vorerst zu seiner Schwester Nadine auf den Bauernhof zu gehen. Adrian machte mit seinen Eltern aus, bei ihnen zu wohnen für eine Weile, da sie sowieso bei der täglichen Arbeit exponiert sind und somit einem relativ grossen Risiko ausgesetzt sind.

Wir konnten einen Transport organisieren, der uns frühmorgens bei unserer Unterkunft abholte und in etwa 30 Minuten zum Flughafen brachte. Der Flughafen war praktisch leer und schien, als wäre er geschlossen. Während dem Anstehen zum Einchecken, packte Adrian sein Fahrrad mit Plastikfolie und Karton ein. Ein Mitarbeiter, der sonst eine ganz andere Tätigkeit ausübte, half ihm und verdiente sich ein paar zusätzliche Dollar.

Es war ein wenig skurril, denn alle Leute um uns herum warteten auf denselben Flieger und die Stimmung war viel entspannter als wir es erwartet hätten. Fast niemand trug Schutzmasken und der Abstand wurde bzw. konnte auch nicht eingehalten werden.

Beim Einchecken witzelte Adrian und fragte, ob wir erste Klasse fliegen. Der gut aufgelegte Mitarbeiter meinte, wir könnten leider nur Businessclass fliegen. Alle um uns lachten und für uns fühlte sich das fast wie eine Belohnung an, da wir bis jetzt bewusst ganz ohne Luxus auskamen. Uns erstaunte die lockere Stimmung der Einheimischen am Flughafen, denn alle werden voraussichtlich ihren Job in den nächsten Tagen, zumindest für eine Weile, verlieren und ohne Geld dastehen.

Kaum in der ersten Klasse platzgenommen, wurde Adrian nach hinten versetzt, da ihm versehentlich der Sitzplatz des Bordingenieurs zugeteilt wurde. Adrian akzeptierte die Degradierung unter der Voraussetzung, dass er sein Essenspaket mitnehmen durfte. Es gab aufgrund der ausserordentlichen Lage keine Bedienung im Flugzeug und jeder Passagier bekam eine Snack box und eine Flasche Wasser, um den Kontakt auf ein Minimum zu reduzieren.

Nach der Landung in Frankfurt konnten die Passagiere schrittweise aussteigen, um grosse Menschenansammlungen zu vermeiden. Diese Aktion misslang und bereits bei der ersten Rolltreppe trafen sich die meisten Passagiere wieder. Bei der Passkontrolle konnte Adrian ohne Probleme passieren. Bei Fabian meinten die Beamten, er müsse in der Transitzone warten, denn es wäre nur erlaubt am selben Tag der Ankunft das Land wieder zu verlassen und es fuhren keine Züge mehr in die Schweiz. Schlussendlich durfte er und weitere Schweizer trotzdem passieren und wir holten unser Gepäck ab. Wie wir bereits nach dem verspäteten Abflug ahnten, mussten wir eine Nacht im Flughafen verbringen. Somit suchten wir uns eine ruhige, dunkle Ecke und machten es uns mit Matte und Schlafsack bequem.

Am Schalter der Deutschen Bahn erkundeten wir uns über die schnellste Verbindung in die Schweiz. Bereits am Vortag erfuhren wir, dass ein Güterzug auf der Strecke um Freiburg im Breisgau entgleiste und somit diese Strecke für mehrere Tage ausser Betrieb war. Somit war die effizienteste Verbindung für uns über Offenburg und Schwarzwald-Region bis nach Konstanz. Von dort mussten wir nochmals umsteigen, um die Grenze mit der S-Bahn in die Schweiz zu überqueren. Über Basel hätten wir sechsmal umsteigen müssen und darum kam diese Route mit den Fahrrädern nicht in Frage.

Ausgestattet mit Snacks und Bier brachten wir die kurzweilige Zugfahrt hinter uns. Besonders die Schwarzwaldregion gefiel uns sehr und ein Einheimischer gab uns einige Informationen. In Deutschland kontrolliert momentan niemand mehr die Tickets, aber trotzdem waren die Züge mehrheitlich leer.

Das Umsteigen von Konstanz nach Kreuzlingen lohnte sich kaum, da es nur eine Station war und die Distanz etwa nur einen Kilometer lang war. Glücklich und sichtlich erleichtert empfing uns Adrians Mutter Rita am Bahnhof. Somit befanden wir uns wieder in der Heimat und sofort versuchten wir Unterschiede festzustellen während der Heimfahrt.

Interessanterweise wurden wir weder am Flughafen in Windhuk, Frankfurt oder an der Grenze in die Schweiz kontrolliert oder nach unserem Befinden befragt. Wir erwarteten Fiebermessungen und Befragungen und eventuell längere Wartezeiten. Nichts war der Fall und wir mussten unsere Passierscheine von der Schweizer Botschaft nicht einmal aus dem Gepäck kramen.

Anstatt nach Buchrain zu fahren, wurden wir in Römerswil bei Fabians Schwester von einem kleinen Empfangskomitee überrascht. Wir genossen leckere Grilladen und die Gemeinsamkeit unter Berücksichtigung der empfohlenen Distanz, bevor sich unsere Wege seit langem für das erste Mal trennten.

Unsere Zeit in Namibia war definitiv ereignisreich und wird uns für immer in Erinnerung bleiben. Das Highlight war sicher der Besuch des Etosha Nationalparks als fast einzige Touristen. Ausserdem genossen wir den Luxus der Lodges, welchen wir auf der gesamten Reise nur selten hatten. Leider konnten wir die namibische Erfahrung nicht mit Adrians Familie teilen, aber dies muss nicht heissen, dass dies nicht noch geschehen kann…

Unser Ziel ist es definitiv, die Reise bei Gelegenheit fortzusetzen und abzuschliessen. Niemand weiss, wie lange das noch gehen wird bzw. in welchem Zustand sich Namibia und Südafrika nach diesem geschichtsträchtigen Ereignis befinden werden.

Rückkehr nach 4 Jahren in der Schweiz:

20. Februar – 20. März 2024:

Nach vier Jahren geht es endlich weiter! Wir können unser Fahrradabenteuer von Kap zu Kap hoffentlich dieses Mal beenden. Dieses Mal sind wir vier Monate unterwegs und bereisen neben Namibia und Südafrika auch noch Botswana, Simbabwe, Mozambique, Eswatini und Lesotho.

Für die ersten beiden Wochen unserer Reisefortsetzung in Afrika, begleiteten uns die Eltern von Adrian. Gemeinsam mit Rita und André buchten wir einen Geländewagen mit Dachzelten. So planten wir das Land zu bereisen und danach mit den Fahrrädern in Richtung Botswana zu radeln.

Am Mittag nahmen wir den Zug von Luzern bzw. Biel nach Frankfurt. Diese Fahrt dauerte ungefähr vier Stunden. Aufgrund der vielen Streiks und Verspätungen der Deutschen Bahn, rechneten wir vier Stunden Reserve ein. Das Glück war auf unserer Seite und die nächsten Streiks der Deutschen Bahn waren erst für anfangs März geplant. Am Tag vor unserem Flug erfuhren wir, dass bei Lufthansa 90% der Flüge gestrichen werden für unseren Abflugtag. Glücklicherweise hatten wir unseren Flug mit Discovery Airlines, einer Tochtergesellschaft der Lufthansa, gebucht und somit war unser Flug nicht betroffen.

Am riesigen Flughafen angekommen, liefen wir den weiten Weg zum Check in Schalter und wollten unser Gepäck aufgeben. Bereits Wochen vor dem Abflug riefen wir die Auskunft der Lufthansa an, um herauszufinden, ob der Transport unserer Fahrräder ein Problem darstellte. Die Informationen auf der Website waren nicht klar genug. Am Telefon wurde uns gesagt, dass die inkludierte Skiausrüstung mit einem Fahrrad ersetzt werden kann. Leider schien dies den Mitarbeiter am Schalter wenig zu interessieren und wir mussten trotz längerer Diskussion 150 Euro bezahlen pro Fahrrad.

Bei einem Weizenbier konnten wir den Reisestress etwas loswerden und bereiteten uns auf den 10-stündigen Flug nach Namibia vor. Der Flug dauerte somit die ganze Nacht und nur dank der Winterzeit in der Schweiz gewannen wir eine Stunde in der Uhrzeit.

Nach einem mehrheitlich ruhigen Flug kamen wir um etwa 7 Uhr am Flughafen ausserhalb von Windhuk an. Nach dem Kauf einer SIM-Karte fuhr uns Joel von der Autovermietung zu unserem Zuhause der nächsten zwei Wochen. Sogar die Fahrräder inklusive dem grössten Teil unseres Gepäcks brachte ein Fahrer zu einer Bekannten in Windhuk. Dort werden diese in  einer Garage auf uns warten.

Nachdem uns alles Wissenswerte über den Toyota Hilux und den Zubehör erklärt wurde, fuhren wir in die Stadt, um Lebensmittel für die nächsten vier Tage zu kaufen. Unser Ziel war es, ziemlich direkt ins Outback zu fahren. Nach dem Grosseinkauf besorgten wir namibische Dollar, assen zu Mittag und besorgten Malariaprophylaxe für Adrians Eltern.

Nach ein paar Kilometern gewöhnten wir uns langsam an den Linksverkehr und das neue Fahrzeug. Nach etwa 80 Kilometern erreichten wir eine Schotterpiste und passten den Reifendruck dementsprechend an. Wir erlebten bereits am ersten Tag Regen. Zu diesem Zeitpunkt merkten wir, dass der Scheibenwischer nicht funktionierte. Wir riefen die Autovermietung an und der Angestellte erklärte uns, wie man die Sicherung der Scheibenwischeranlage ersetzte. Dank seiner tollen Erklärung konnte Adrian seinen Anweisungen folgen und die Sicherung ersetzen.

Kurz vor dem Sonnenuntergang erreichten wir den einfach eingerichteten Campingplatz inmitten vom namibischen Hinterland. Dort hatten wir einen kleinen Unterstand, eine Freiluftdusche mit einem Klo nebenan. Wir kochten unser Abendessen und richteten unsere Dachzelte ein. Die Aussicht von unserem Schlafplatz war atemberaubend und wir genossen den imposanten Sonnenuntergang. Aufgrund der langen Reise waren wir alle müde und gingen früh schlafen.

Nach einer erholsamen Nacht in der Wildnis machten wir uns auf in Richtung Solitaire. Dort schauten wir uns den kleinen Dorfkern an und kauften etwas Eis für unsere Getränke.

Unterwegs sahen wir bereits einige Tiere. Verschiedene Antilopenarten, ein Wildschwein mit Nachwuchs und einen Strauss.

Das Thermometer erreichte bald die 40 Gradmarke und liess uns gehörig schwitzen. Ein gewaltigen Kontrast zu den winterlichen Temperaturen, aus welchen wir gekommen sind.  In Sesriem assen wir im Schatten einer Tankstelle etwas, bevor wir uns den Canyon unweit unserer Unterkunft anschauten. Wir hofften auf Schatten im Canyon, aber der grösste Teil der Schlucht war sonnig und wir fühlten uns wie in einem Ofen bei Umluft und 40°C. Trotz der Hitze liefen wir die 3 Kilometer und bestaunten die trockene Schlucht.

Gezeichnet von der Hitze fuhren wir zurück zum Campingplatz und kühlten uns im Pool ab. Zum Abendessen kochten wir einheimisches Rindfleisch und Würste auf dem offenen Feuer und assen dazu verschiedene Beilagen. In der Nacht besuchten Schakale unser Nachtlager und versuchten an den Abfall im Mülleimer zu gelangen.

Aufgrund der hohen Temperaturen und der vorteilhaften Lichtverhältnisse entschieden wir uns um 6 Uhr aufzustehen und danach möglichst bald nach Sossusvlei zu fahren. Nur wer im Nationalpark übernachtet, darf frühmorgens bereits zu den berühmten Sanddünen fahren. Unser Campingplatz war direkt vor dem Eingangstor, welches ab 6:45 die Tore öffnet. Wir fuhren direkt zu den 70 Kilometer entfernten Sanddünen.

Auf dem Weg sahen wir wieder einige Oryx Antilopen und Strausse. Die letzten paar Kilometer führten über eine Sandpiste auf welche wir den Allradbetrieb benötigten. Von dort liefen wir auf einer riesigen Düne oberhalb der Salzpfanne, auch Dead Vlei genannt, durch die Wüste. Der Untergrund war beige gefärbt und der Sand war rötlich. Wir Jungen liefen noch auf eine der grössten Dünen der Welt, welche «Big Daddy Dune» heisst. Beim Abstieg nahmen wir den direkten Weg über die Flanke runter. Die 220 m Höhenmeter legten wir in unter 2 Minuten zurück.

In der Salzebene standen noch einige Dutzend vertrocknete Bäume, welche bis zu tausend Jahre alt waren. Aufgrund der krassen Trockenheit vermodern die Bäume nicht und überdauern so extrem lange. Die Farben und Dimensionen der Wüstengegend beeindruckten uns und wir genossen die spezielle Umgebung.

Die steigenden Temperaturen trieben uns zurück zum Auto und wieder zurück zum Campingplatz. Dort kühlten wir uns im Pool ab und genossen eine Glace aus dem Tankstellenshop. Am Abend besuchten wir nochmals eine Düne vor dem Sonnenuntergang. Wegen den Öffnungszeiten des Parks mussten wir aber vorher zurück kehren. Die Namib Wüste ist die älteste Wüste der Welt und weist die höchsten Dünen weltweit auf.

Nach einem ergiebigen Frühstück mit Eier und Speck packten wir unsere Sachen und fuhren wieder in Richtung Solitaire. Die Landschaft änderte sich regelmässig und es war spannend aus dem Fenster zu schauen. Einmal war die Umgebung grün, einmal wüstenartig und plötzlich öffneten sich Schluchten um uns. Wir fuhren in die Schlucht und die Strasse führte uns auf der anderen Seite wieder herauf. Es fühlte sich an als ob wir auf dem Mond gelandet wären. Von einem Aussichtspunkt genossen wir die Fernsicht auf die hüglige Landschaft. Kurz darauf bog eine Seitenstrasse ab, von welcher wir in die Schlucht hinuntersahen. Trotz der vorherrschenden Regenzeit war es staubtrocken.

Nach weiteren 100 km in der unendlich scheinenden Landschaft erreichten wir mit Walvis Bay die drittgrösste Stadt des Landes. Trotz lediglich etwas über 100’000 Einwohnern, scheint die Stadt am Atlantik gross, da wir seit vier Tagen nur kleine Dörfer gesehen haben.

Zügig fanden wir unser Appartement für die nächsten zwei Nächte und richteten uns ein. Für das Abendessen liefen wir an der Promenade entlang mit Blick auf unzählige Flamingos und Pelikane und fanden ein tolles Restaurant mit vielen lokalen Fischspezialitäten. Es war eine willkommene Abwechslung nicht selbst zu kochen.

Walvis Bay gehörte bis 1994 zu Südafrika und Nelson Mandela übergab die Region an Namibia. Der Tiefseehafen ist der einzige des Landes und erleichtert den Gütertransport in die Hauptstadt. Aufgrund des Fischreichtums in den Gewässern, sahen wir viele Fischerboote.

Morgens fuhren wir zur nahegelegenen Salzmiene, welche 400’000 Tonnen Salz jährlich produziert und in die ganze Welt verkauft. Danach bestaunten wir die tausenden Flamingos und andere Vögel, welche in den Gewässern in der stadtnahen Lagune nach Futter suchten.

Aufgrund der vielen Pelzrobben um die Lagune, buchten wir für den Folgetag eine geführte Kajaktour.

Am Nachmittag fuhren wir nach Swakopmund, um die spezielle Atmosphäre zu erleben. In Swakopmund sind viele Geschäfte und Restaurants auf Deutsch angeschrieben und man könnte meinen in Deutschland zu sein. Da es Sonntag war, schien die Stadt wie ausgestorben und alle Geschäfte waren geschlossen. Trotzdem kamen wir mit einem Sicherheitsmann ins Gespräch. Wie alle schwarzen Einheimischen bisher war er freundlich und gut aufgelegt. Er war froh mit uns einen Schwatz zu halten, da seine 12 Stundenschicht sonst ultralangweilig ist. Er erzählte uns, dass der kürzlich verstorbene Präsident an diesem Tag beerdigt werde und ab diesem Jahr der Folgetag als Feiertag in den Kalendern erscheinen wird. Neben den Touristen, fielen uns auch die bettelnden Kinder auf. Diese waren barfuss unterwegs und lebten auf der Strasse. Da wir ungerne Geld verteilen, gaben wir einem Knaben einen Apfel den wir dabeihatten.

In Walvis Bay fiel uns auf, dass es einen kleinen Stadtteil gab wo vor allem Touristen und weisse Einheimisch in grossen Häusern leben. In einem anderen Stadtteil sind die Häuser viel einfacher und es leben viel mehr Menschen auf einem kleinen Raum. Dort lebt die schwarze Bevölkerung.

Um 8 Uhr trafen wir unsere Guides für den Kajakausflug. Adrian, ein aufgestellter Südafrikaner erklärte uns den Ablauf und wir fuhren in gut einer Stunde zum Ausgangspunkt des kleinen Abenteuers. Über eine Sandpiste erreichten wir die Landzunge Pelican Point, von welcher wir die Kajak wasserten und die riesigen Pelzrobbenkolonien beobachteten. Um die 50’000 Stück leben auf dieser Halbinsel, welche nur einige Kilometer lang ist. Während etwa 1.5 Stunden paddelten wir zwischen den Jungtieren und erlebten die neugieren Tiere aus nächster Nähe. Die Robben näherten sich uns bis auf wenige Zentimeter und schauten erstaunt in die Gegend.

Aufgrund der eher frischen 15°C am Meer, im Vergleich zu den über 40°C in der Wüste, mussten wir uns nach dem Kajaken direkt umziehen.

Danach fuhren wir weiter in Richtung Norden und nach etwa 200 Kilometern erreichten wir das Matterhorn von Namibia. Spitzkoppe sind zwei etwa 1700 m hohe Granitberge, welche aus der sonst flachen Gegend herausstechen.

Direkt nach unserer Ankunft zeigte uns ein junger Führer 2000-4000 Jahre alte Felsmalereien . Es war interessant mehr über diese uralte Art der Kommunikation zu erfahren. Der selbstbewusste Guide fragte uns beim Zurückfahren wie man schlechten Pisten in Namibia nannte. Mit einem Lachen erklärte er uns, dies sei eine afrikanische Massage. Diesen Spruch hatten wir bisher noch nie gehört.

Bevor wir ein leckeres, selbstgekochtes Risotto genossen, schauten wir uns den wunderschönen Sonnenuntergang von einem Felsen an. Die Farben waren verstärkt und die rötlichen Granitfelsen leuchteten richtig mit Hilfe der letzten Sonnenstrahlen.

Unsere Route führte uns immer weiter nördlich und die Landschaft veränderte sich stetig. Die Temperaturen waren bereits wieder um die 40 Grad, seit wir die Küste verlassen hatten. Nach etwa zwei Stunden Fahrt erreichten wir das Brandberg Gebirge mit den höchsten Bergen des Landes. Den höchsten Berg zu besteigen würde drei Tage dauern und ist in den heissesten Monaten keine intelligente Idee. Die Felsmalerei «Weisse Frau» ist ebenfalls in dieser Region. Als wir beim Eingangstor zum Fussweg ankamen, erfuhren wir, dass der Eintritt stolze 12 Franken pro Person und noch das Trinkgeld für den obligatorischen Führer dazukamen. Aufgrund des Preises und unserer mässigen Motivation für die Felsmalereinen entschieden wir uns, diesen Fussmarsch wegzulassen.

Je weiter wir nördlich fuhren, desto grüner wurde die Gegend und je mehr Wolken dekorierten den Himmel. Wir sahen sogar einige kleinere Seen mit vielen Ziegen, Schafen und Kühen. Bei einer Pause unterhielten wir uns mit einigen einheimischen Männern der Volksgruppe Herero. Wir gaben ihnen Wasser, da sich ihre Wasserquelle weit weg vom Dorf befindet.

Unterwegs sahen wir immer wieder kleine Hütten, in welchen Frauen mit Kindern Edelsteine und andere Souvenirs verkauften. Unsere Unterkunft lag in einer schönen Gegend mit vielen Felsen und grüner Umgebung. Die Rezeption liegt auf einem Hügel mit wunderbarer Fernsicht. Danach besuchten wir den Vingerklip Felsen, welcher wie ein Finger senkrecht in der Landschaft steht. Auf dem Weg sahen wir eine Gruppe Paviane, Kudus und ein Zebra.

Ein aufziehendes Gewitter brachte uns den zweiten Regen und überzeugte uns im Restaurant der Lodge zu essen. Zum Abendessen gab es ein Oryx-Steak. Ein Stück Fleisch, welches wir sowieso noch probieren wollten.

Als nächstes fuhren wir wieder westlich und erreichten bald das Städtchen Khorixas. Dort füllten wir unsere Vorräte auf und pumpten die Reifen auf. Kurz nach dem Ende des Ortes kam wieder eine Schotterpiste und wir mussten den Reifendruck wieder reduzieren.

Auf unserer Strecke gab es mehrere Orte, wo man versteinerte Bäume bestaunen konnte. Einige Eintrittspreise waren tiefer als andere. Wir suchten uns einen privaten Fundort aus und sahen uns die 200-300 Millionen alten Bäume an, welche nun aus Stein bestanden. Es war eindrücklich die grossen Stämme und die Jahrringe zu sehen.

Nach einer weiteren Stunde erreichten wir das UNESCO Weltkulturerbe in Twyfelfontein, welches dutzende Eingravierungen im Fels aufwies. Die verschiedenen Tiere, Fussabdrücke und Zeichen waren zwischen 2000 und 4000 Jahre alt. Wir besichtigten die Felsen mit einer Führerin und waren froh, nach 45 Minuten wieder zurück im Schatten zu sein. Aufgrund der Wüstenlandschaft war das Thermometer wieder auf 40 Grad gestiegen. Nach einem Toastsandwich in einer noblen Lodge, nahmen wir die restlichen 150 Kilometer zu unserer Unterkunft in Angriff.

Die Landschaft wurde zunehmend hügliger und wir gewannen an Höhe. Wir fuhren neben schönen Felsen vorbei und je nördlicher wir kamen, desto grüner wurde die Landschaft. Sogar Gras wuchs dank des Regens überall und es sah aus, als hätte dieses jemand gepflanzt. Der Campingplatz liegt in einer Landschaft mit vielen grossen Felsen und rotem Boden, welcher teilweise mit Gras überdeckt ist. Bevor wir uns im Dachzelt hinlegten, genossen wir die Freiluftdusche mit der Milchstrasse über uns.

Ethosha Nationalpark:

Vor der Abfahrt erkundigten wir uns, ob es möglich ist vom Westen her in den Etosha Nationalpark zu gelangen. Nach mehrmaligem Nachfragen stellte sich heraus, dass dies kein Problem darstellte. Wie gehofft, war die Information in unserem 10-jährigen Reiseführer veraltet.  Vorher tankten wir nochmals voll und kauften Lebensmittel ein.

Der Etosha Nationalpark ist halb so gross wie die Schweiz und hat einen Zaun von etwa 1700 Kilometer an seiner Aussengrenze. Im Park gibt es mehrere Zeltplätze und teurere Lodges, damit man nicht nach jedem Tag aus dem Park fahren muss. Im Park kann man mit dem eigenen Auto zahlreiche Tiere beobachten.

Bereits bevor wir in den Nationalpark fuhren, sahen wir mehrmals Giraffen direkt an der Strasse. Wir freuten uns, diese riesigen Tiere zu sehen und nahmen uns Zeit dafür. Beim Parkeingang mussten wir viele Fragen beantworten. Beispielsweise ob wir Plastiksäcke mitführen.

Nach dem Erledigen der Formalitäten fuhren wir in Richtung unserer Übernachtungsstätte, welche stolze 190 Kilometer entfernt war. Gleich beim ersten Wasserloch sahen wir einen Afrikanischen Elefanten, Steppenzebras und drei Giraffen. Wir waren überglücklich bereits so schnell all diese Tiere zu sehen. Uns kamen auf der ganzen Strecke im Park nur drei Autos entgegen und wir sahen viele weitere Tiere wie Streifengnus, Strausse, Damara Kirkdikdiks und Erdhörnchen.

Auf dem Campingplatz angekommen sahen wir noch einige andere Touristen, welche sich in der Regenzeit und gleichzeitig der heissesten Zeit des Jahres in diese Region trauten. Aufgrund der vorbeiziehenden Gewitter assen wir im Restaurant anstatt selbst zu kochen.

Am ersten Morgen im Park wurden wir vom Lachen der Hyänen ausserhalb des Parks geweckt. Der Park öffnet im namibischen Sommer die Tore pünktlich zum Sonnenaufgang um 06.53 Uhr, um die Safari zu starten. Wir hofften morgens mehr Tiere zu sehen aufgrund der angenehmen Temperaturen um die 20°C. Tatsächlich sahen wir kurz nach dem Start ein Spitzmaul-Nashorn mitten auf der Strasse. Es war noch ein jüngeres Tier und rannte hin und her. Mehrmals rannte es auf unser Auto zu, bevor es wieder abbremste. Wir waren begeistert, sogar ein Nashorn zu sehen. Nashörner sind auf der roten Liste und von den Spitzmaul-Nashörner gibt es nur noch etwas mehr als 3000 Exemplare auf der ganzen Welt.

Mittags erledigten wir einige Dinge und entspannten am Pool des Camps.

Auf dem Weg vom Restaurant oder Pool zu unserem Übernachtungsplatz besuchten wir das eigens für das Camp eingerichtete Wasserloch. Nach Sonnenuntergang ist dieses sogar mit Flutlichter ausgestattet. Dort bestaunten wir die wunderschönen Lichtverhältnisse, aber keine Tiere.

Wie jeden Abend seit wir im Norden Namibias sind, bilden sich riesige Gewitterfronten, welche sich jeweils nachmittags und abends entleeren. Morgens ist der Himmel wieder blau und nur die grossen Pfützen deuten auf den Niederschlag vom Vortag hin.

Nach zwei Nächten in demselben Camp, wechselten wir ins Halali Camp, welches in der Mitte des riesigen Nationalparks liegt. Das Ziel war auf Umwegen zur 75 Kilometer entfernten Camp Site zu gelangen.

In den ersten Stunden sahen wir fast keine Tiere, trotz vielen besuchten Wasserlöchern und Seitenstrassen. Erst nach dem Mittag sahen wir plötzlich weit entfernt einen Elefanten. Kurz darauf sahen wir ein Tier, welches von Weitem wie ein grosser Ast aussah. Erst nach einer Diskussion und dem Konsultieren der Feldstecher waren wir uns einig, dass es sich um einen Geparden handelte. Zu unserem Glück lief er dank einer Gruppe Zebras in unsere Richtung. Wir glaubten schon, dass er sich auf die potenzielle Beute stürzte. Er wandte sich jedoch ab und lief in stolzem Gang zum Wasserloch, welches sich direkt vor unserem Auto befand. Es war beeindruckend dieses agile und wunderschöne Tier aus nächster Nähe zu bestaunen. Der Gepard liess sich nicht von uns stören und wir hatten genug Zeit ihn näher zu betrachten und Fotos zu schiessen.

Danach war es bereits später Nachmittag und wir fuhren zum Camp. Auf dem Weg sahen wir grosse Herden von Gnus, Zebras und verschiedene Antilopenarten. Müde vom Suchen der Tiere und der Hitze gönnten wir uns einen Apero und feierten die gesichtete Raubkatze.

Vor dem Nachtessen ging Fabian zum Wasserloch innerhalb des Campingplatzes, um zu sehen was für Tiere momentan dort waren. Er kam rennend und gestikulierend zurück zu uns und verkündete, dass sich etwa sechs Nashörner dort aufhielten. Wir gingen sofort hin und betrachteten dieses Tierspektakel für eine Weile. Die mächtigen Tiere kühlten sich ab und die Jungtiere planschten übermütig im Wasserloch. Nach dem Abendessen war es Adrian, welcher rennend zurückkam und 15-20 Elefanten inklusive Jungtiere sah. Auch diese unglaubliche Begegnung liessen wir uns nicht entgehen. Wie vor dem Fernseher beobachteten wir die Dickhäuter und amüsierten uns an den ungewohnten Geräuschen und dem Durst der Elefanten.

Vom Halali Camp fuhren wir auf Umwegen zum Ausgang des Nationalparks. Wir hatten drei Tage im Park bezahlt und mussten daher nach dem Mittag wieder den Park verlassen. Über längere Strecken sahen wir nur einzelne Springböcke oder vereinzelte Zebras. Nach etwa zwei Stunden erreichten wir eine riesige Ebene, welche mit Gras bewachsen war. Hunderte Zebras, Gnus und Antilopen grasten dort gemütlich an der prallen afrikanischen Sonne. Danach sahen wir regelmässig grosse Herden von denselben Tieren und sogar eine grössere Herde Giraffen.

Kurz vor dem Verlassen des Parks sahen wir beim letzten Abstecher noch einmal etwa zwei Dutzend Giraffen an einem einzigen Wasserloch. Dies war ein wunderschöner Abschluss unserer Safaritage und wir konnten zufrieden den Park verlassen.

Nach dem Verlassen des Nationalparks fuhren wir zur letzten gebuchten Unterkunft. Der Campingplatz und auch die Lodge mit Pool und Restaurant waren an einen wunderschönen Ort gelegen. Es hatte ein Wasserloch ohne Zaun, zu welchem die Tiere aus der umliegenden Gegend zu Besuch kamen. Wir sahen viele Antilopen und sogar Giraffen kamen vorbei, um ihren Durst zu stillen. Aufgrund der schönen Aussicht vom Restaurant auf das Wasserloch, gönnten wir uns ein gutes Stück Kudufleisch.

Wir nahmen es wieder einmal gemütlich, da wir alle müde waren von den vergangenen Safaritagen. Nach dem Verlassen des wunderschönen Campingplatzes fuhren wir in Richtung Tsumeb. Auf dem Weg besuchten wir den Guinasee, einen Karstsee mit Trinkwasserqualität. Der grösste See in Namibia mit seinen 140 x 70 Metern Grösse und 132 Metern Tiefe ermöglichte uns eine herbeigesehnte Abkühlung.

Danach nahmen wir die letzten Kilometer nach Tsumeb in Angriff. Plötzlich sahen wir einen Pickup neben der Strasse. Wir fragten die zwei Einheimischen, ob sie Hilfe benötigten. Sie sagten ja und wir hielten an. Der Reifen des mit mindestens zwei Tonnen Kartoffeln und Zwiebeln völlig überladenen Fahrzeuges war zerfetzt und musste ausgetauscht werden. Jedoch konnte der Wagenheber nur benutzt werden, nachdem wir die Hälfte der landwirtschaftlichen  Produkte abgeladen hatten. Nach dem Abladen und erneuten Wiederbeladen konnten die beiden weiterfahren und bedankten sich bei uns.

In Tsumeb kauften wir erneut Lebensmittel, Malariaprophylaxe und besorgten mehr Bargeld. Danach fuhren wir zum Campingplatz, welchen wir bereits von unsere letzten Besuch in Namibia kannten. Dieser war unsere letzte Station vor der Rückreise vor vier Jahren.

Auf dem gemütlichen Camping mit einem unglaublichen 50 m Pool inklusive acht Bahnen, trafen wir durch einen unglaublichen Zufall ein Thurgauer Paar, welches damals mit uns im selben Flugzeug von Windhuk nach Frankfurt flog. Ruedi und Ingrid erkannten uns sofort und wir tauschten uns aus. Vieles ist passiert seither, aber doch war diese emotionale Zeit bei allen noch sehr präsent.

Start Fahrradabenteuer Teil 2:

Nach dem letzten gemeinsamen Frühstück und insgesamt 3000 Kilometern trennten sich unserer Wege. Wir nahmen morgens das Kollektivtaxi nach Windhuk, um unsere Fahrräder bereit zu machen und Adrians Eltern fuhren weiter in Richtung Norden. Das Ziel ist, dass wir uns in etwa einer Woche nochmals inmitten von Botswana treffen und zwei Tage miteinander verbringen. Dafür müssen wir jedoch jeden Tag für eine Woche mindestens 115 Kilometer fahren.

Unser Transport in das 430 Kilometer entfernte Windhuk kam zwar zu spät, aber dafür fuhr der introvertierte Fahrer stets mit über 120 km/h. Im Auto fanden sieben Leute und ein Baby Platz und die Musik war während der ganzen Fahrt auf voller Lautstärke. Nach etwa fünf Stunden kamen wir in der Hauptstadt an und mit einem weiteren Taxi erreichten wir das Zuhause von Otto. Bei ihm hatten wir nach unserer Ankunft die Fahrräder eingestellt. Er begrüsste uns herzlich und bot uns direkt an, in seinem Gästezimmer zu schlafen.

Danach packten wir unsere Fahrräder aus und bauten diese wieder zusammen. Ausserdem organisierten wir eine namibische SIM-Karte für die restlichen Tage. Am Abend trafen wir Otto und einige seiner Freunde zum Abendessen und einem Bier in einem Burgerrestaurant. Müde von der langen Autofahrt und den ereignisreichen Tagen, liessen wir uns zum letzten Mal für eine Weile auf die Matratze fallen und schliefen sofort ein.

Unser Wecker ging um 7:15 Uhr los und das Ziel war um 8 Uhr loszuradeln. Wir assen ein paar Toasts, packten unsere Taschen, verabschiedeten uns von Otto und fuhren los. Nach lediglich 330 Metern bemerkte Adrian, dass etwas mit seinen Bremsen nicht stimmte. Nach genauerem Nachschauen sahen wir das Problem. Nach dem Drücken des Bremshebels blockierte die Bremse sofort und konnte nur noch manuell gelöst werden. Auf die Schnelle wussten wir nicht wie das Problem gelöst werden konnte.

Darum fuhr Adrian ohne Gepäck zu einen Fahrradladen im Zentrum der Stadt, während Fabian auf das Gepäck aufpasste. Die Mechaniker im Mannie’s Bike Mecca gingen sofort an die Arbeit und stellten fest, dass das Bremskabel korrodiert war und kaum noch entfernt werden konnte. Also wurde das Bremskabel ersetzt.

Nach Adrians Einwärmrunde von ungefähr 10 Kilometern und 90 Minuten Startverzögerung konnte es endlich losgehen. Die ersten 20 Kilometer waren sehr hüglig und wir sammelten bereits fleissig Höhenmeter. Bei der Autovermietung, bei welcher wir vor ungefähr zwei Wochen das Fahrzeug abgeholt hatten, füllten wir unsere Wasserflaschen und deponierten etwas für Adrians Eltern.

Danach wurde die Gegend immer flacher bis der Flughafen kam. Dort verpflegten wir uns in einem Restaurant und machten eine wohlverdiente Pause. Bald sahen wir keine Kurven mehr soweit wir sehen konnten. Wir verloren zwar ständig ein wenig an Höhe, waren aber trotzdem noch auf 1500 Metern über Meer.

Die Hitze liess uns fleissig trinken und wir füllten bei jeder Gelegenheit unsere Flaschen auf. Bei einer Pferdefarm waren ein paar Frauen und viele Kinder unter einem Baum. Sie waren aus der Volksgruppe der San und unterhielten sich unter anderem mit Klicklauten. Dies war sehr spannend zu hören.

Nachdem wir 110 Kilometer abgespult hatten, verpflegten wir uns in einem Laden für Bauern. Wir konnten etwas Wasser in einem Wasserkocher erwärmen und eine Suppe zubereiten. Bald schloss der Laden und wir fuhren weiter. Eigentlich wollten wir nur noch ein paar Kilometer weiterfahren, aber wir fanden keinen geeigneten Platz. Entweder war links und rechts der Strasse ein mächtiger Zaun oder der Boden war übersät mit Dornen und Stacheln. So fuhren wir nochmals über eine Stunde weiter und fanden nach 137 Kilometern eine Strasse ohne abgeschlossenen Tor und konnten auf einer Kuhweide unser Zelt aufstellen.

Während dem Frühstück kam der Besitzer des umliegenden Landes vorbei und fragte uns, ob wir etwas benötigten. Ausserdem warnte er uns, wie bereits einige weisse Einheimische am Vortag, vor den (schwarzen) arbeitslosen Bewohner der kommenden zwei Orte.

Die Strasse war schnurgerade und die Sonne erhitzte stetig die Umgebungstemperatur. Nach 20 Kilometern, erreichten wir ein kleines Dorf namens Witvlei. Dort konnten wir ein heisses Toastsandwich ergattern und eine Pause einlegen.

Die erste und letzte Stadt zwischen Windhuk und der 315 Kilometer entfernten Grenze, war jetzt noch 50 Kilometer entfernt. In dieser Region merkt man, dass Namibia nach der Mongolei die zweikleinste Bevölkerungsdichte aufweist. Im riesigen Land leben nur etwa 2.8 Millionen Einwohner und von diesen leben etwa 10% in der Hauptstadt. Nach zwei Kurven und fünfmaligem wechseln des Vorfahrers, kamen wir in der kleinen Stadt Gobabis an. Wir fanden ein Restaurant und legten eine längere Pause ein, bevor wir die 109 Kilometer bis zur Grenze mit Botswana in Angriff nahmen. Wir gönnten uns Pizzas mit Namen wie 4×4 und beobachteten die Einheimischen wie sie sich literweise Bier einflössten bei 36 °C und mehr.

Danach folgte der längste Abschnitt ohne Wasser und Dörfer bisher. Wir kauften uns nochmals zwei Halbliterflaschen damit wir pro Person ungefähr 3 Liter hatten und ein paar Früchte im riesigen Supermarkt. Zum Glück liess die Sonne nach und wir konnten nochmals etwa 50 Kilometer abspulen, bevor die Sonne im Eiltempo am Horizont verschwand. Kurz nachdem es dunkel wurde kam der unglaubliche Sternenhimmel mit der Milchstrasse oberhalb von unseren Köpfen zum Vorschein.

In der Nacht bekamen wir Besuch von einem Warzenschwein, welches aber nach kurzer Zeit das Weite suchte. Dutzende Lastwagen, beladen mit Erz aus Botswana, fuhren in den letzten Tagen an uns vorbei. In Namibia tragen die Kupfer-, Uran- oder Diamantenminen zu etwa einem Fünftel zum BIP bei.

Bis zur Grenze mit Botswana waren es noch 63 Kilometer und wir hatten je noch 1 Liter Wasser. Auf der Karte hatten wir eine Lodge gesehen und planten, dort unsere Wasserflaschen zu füllen. Leider war der Standort der Lodge falsch und es kam überhaupt nichts. Wir entschieden uns, die Wasserflasche in die Luft zu halten und ein Autofahrer nach Wasser zu fragen. Nicht einmal eine Minute später bekamen wir von einem netten Pärchen Wasser und je ein Cola.

Dieser Vorrat reichte bis zur Grenze. Die Lodge kam schlussendlich etwa 25 Kilometer später. Kurz vor der Grenze wurde der Strassenverlauf etwas hügliger und wir hatten sogar eine längere Abfahrt. An der letzten Tankstelle hatte es sogar eine Dusche und wir konnten den Staub von unseren Körpern waschen und die Kleider auswaschen.

Die Grenze war ruhig und wir hatten in Namibia nie das Gefühl es wäre gefährlich, auch wenn wir mehrmals gewarnt wurden. Die Leute waren immer freundlich, trotz knappen Ressourcen und einem Stundenlohn um einen Schweizer Franken.

Nun freuen wir uns auf das nächste Land in Afrika!

Namibia gefiel uns während beiden Besuchen und die Natur dieses Landes ist einzigartig. Für eine Fahrradreise würden wir jedoch dieses trockene, weitläufige Land nicht empfehlen. Die Distanzen zwischen Orten bzw. Sehenswürdigkeiten sind riesig und in Kombination mit verkehrsreichen oder schlechten Strassen ist Namibia eher weniger für Zweiräder geeignet.

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