Mosambik

16. April – 2. Mai 2024:

Die Einreise nach Mozambique war für einen so kleinen Grenzübergang sehr effizient. Wir bezahlten pro Person 10 US Dollar und bekamen einen Stempel in unsere Pässe. Die Polizisten versuchten beim Kontrollieren des Gepäcks Getränke zu ergattern, aber sie merkten schnell, dass unser warmes Hahnenwasser nicht so spannend ist.

Die Strasse war das komplette Gegenteil zu der vor der Grenze in Simbabwe. Eine neuere Asphaltstrasse fast ohne Löcher führte uns in das erste Dorf. Dort konnten wir Meticai abheben und etwas essen. Schnell merkten wir, dass es ab jetzt schwieriger werden würde, mit den Leuten zu kommunizieren. Mozambique war eine portugiesische Kolonie und diese Sprache liegt uns gar nicht. Glücklicherweise fanden wir in der Nähe der Grenze noch Leute die Englisch sprachen und uns helfen konnten.

Auf den ersten paar Kilometern verliessen wir die bergige Region und verloren zackig hunderte Höhenmeter auf steilen bis sehr steilen Abschnitten. Wir überholten sogar Autos und Motorräder, da vermutlich ihre Bremsen nicht mehr so neu waren. Schnell merkten wir, dass die Leute weniger extrovertiert sind und uns nicht mehr alle Leute grüssten oder zuwinkten.

Dafür war in den Dörfern mehr los und vor allem die Frauen waren farbenfroh gekleidet. Zusätzlich war das Essensangebot diverser. Das Gelände blieb hüglig und es folgten Dutzende steile Abfahrten und Anstiege. Meistens mussten wir auf den 15-20% steilen Strassen bremsen oder im Schneckentempo hochradeln.

Das Abendessen aufzutreiben war schwierig, da alle kleinen Shops im Dorf nicht viel essbares verkauften. Ausserdem konnten wir nicht wirklich fragen, aufgrund der Sprachbarriere. Schlussendlich fanden wir Pommes mit Brot und stellten unser Zelt auf einen Weg unweit des Dorfes auf.

Am Abend kam unser Nachbar vorbei und schaute, ob es uns gut geht. Wenig später kam ein Polizist mit Kalaschnikow und wollte sichergehen, dass wir einen sicheren Schlafplatz haben. Wir versuchten ihm zu erklären, dass wir uns sicher fühlten und wir immer im Zelt schlafen. Nach ein paar Minuten war er beruhigt und verabschiedete sich.

Bereits vor Sonnenaufgang liefen Frauen um unser Zelt herum auf dem Weg zu ihren Feldern. Zu Beginn des Tages folgten noch einige Anstiege. Bald wurde das Gelände flacher und wir kamen wieder schneller vorwärts. Wir hielten mehrmals, um Bananen, Limetten, frittierte Küchlein und Kekse zu essen.

Bei einer Abzweigung fuhren wir weiter östlich und nach einigen Kilometern folgte ein 50 km langer Abschnitt mit Schotter. Meistens war die Strasse planiert, aber ab und zu wurden wir heftig durchgeschüttelt. In einem kleinen Dorf wollten wir etwas Warmes essen, aber fanden kein Restaurant. Dafür lernten wir einen hier lebenden Portugiesen kennen, der mit Mais handelt. Er erzählte uns von seiner langjährigen Erfahrung in dieser Gegend und sprach sogar Deutsch.

Am frühen Nachmittag erreichten wir die asphaltierte Nationalstrasse EN1, welche mit einer Länge von 2440 km vom Norden des Landes nach Süden führt. In den nächsten Tagen werden wir mit kleinen Ausnahmen stets dieser Strasse folgen bis zur Hauptstadt Maputo.

Vor der Schlafplatzsuche hielten wir bei einer kleinen Siedlung und konnten unsere verschwitzten und staubigen Körper waschen. So blieben unsere Schlafsäcke einigermassen sauber.

Schulkinder beobachteten uns morgens auf dem Weg zur Schule in unserem Zelt. Wir wissen nicht was ihnen dabei durch den Kopf geht, aber spannend muss es auf jeden Fall sein. Die Nationalstrasse wies von Anfang an Löcher auf, aber plötzlich war sie gar nicht mehr vorhanden. Sogar die ausgebesserten Schlaglöcher wurden nummeriert. Am Schluss des Tages waren wir bei über 3000. Der Verkehr auf der einzigen Strasse durch das Land ist winzig. Ab und zu hat es Lastwagen, Busse oder Motorräder, welche uns mit Staub eindecken. Am meisten hat es jedoch Fussgänger oder Fahrräder.

Bei einem Halt sprachen wir mit Johannes, welcher für lange Zeit in Südafrika gearbeitet hat und darum Englisch sprach. Wir kauften ihm Cashewnüsse ab und unterhielten uns mit ihm über die Situation im Land. Leider haben die Bewohner nicht genügend Lebensmittel, weil die Trockenzeit sehr lang ist und die Leute wenig Landwirtschaft betreiben können. Das war auch der Grund, wieso uns Kinder am Strassenrand Zeichen gaben, dass sie Hunger haben.

Während 120 km kamen wir nur an einer Stadt vorbei und danach kamen nur ab und zu kleine Dörfer. Glücklicherweise fanden wir am späteren Nachmittag eine Art Raststätte für Lastwagenfahrer und konnten dort Essen und Brot einkaufen.

Für die Überquerung des ersten grossen Flusses hatten wir zwei Optionen. Entweder die neue imposante Stahlbetonbrücke oder die ältere, für Lastwagen gesperrte Hängebrücke. Die Strasse war wieder vermehrt asphaltiert, aber extrem holprig.

Am Nachmittag sahen wir hunderte Kinder und Jugendliche auf dem Heimweg von der Schule in ihren Uniformen. Die Schulhäuser sind auf dem Land in einem sehr schlechten Zustand und bestehen zum Teil aus einem Zelt oder einem Gebäude ohne Fenster und Dach. In den Dörfern sind bis zu 100 Kinder in einer Klasse. So erstaunt es nicht, dass nur etwa 12% der Bevölkerung die einzige Landessprache Portugiesisch beherrschen. Komischerweise haben wir bei keinem Schulhaus bisher Kinder in einem Gebäude gesehen. Es scheint, dass die grosse Pause hier den ganzen Tag dauert.

Nach der zweiten Mahlzeit mit viel Reis, wollten wir unser Zelt neben einer Industriezone abstellen. Kurz darauf kam ein junger Mann und meinte wir könnten das Zelt auch im Areal aufstellen, das sei besser. So hatten wir einen Schlafplatz mit Sicherheitsmann und konnten uns sogar richtig waschen.

Beim Überqueren der Grenze in einen neuen Distrikt, veränderte sich auch die Strasse abrupt. Nun war die Strasse fast ohne Schlaglöcher und hatte sogar einen Pannenstreifen. In den letzten Tagen haben wir vermehrt Reis mit Gemüse und Sauce gegessen. Eine willkommene Abwechslung. Ausserdem gibt es überall Bananen und Kokosnüsse für ein Kleingeld.

Nach dem Verzehren von zwei Kokosnüssen hatten wir ein Völlegefühl wie schon länger nicht mehr. Durch eine kurze Recherche fanden wir heraus, dass in 100 g Fruchtfleisch etwa 36 g Fett enthalten sind.

Am Strassenrand verkaufen viele Familien Säcke gefüllt mit Kohle. Immer wieder fahren wir an riesigen Haufen von diesen Säcken vorbei. Diese werden beispielsweise von Lastwagen in die Städte transportiert, nebst dem üblichen Transportgut.

Die Trinkwasserversorgung in Mosambik ist sehr schlecht. Den ganzen Tag über sehen wir ganze Gruppen von Leuten, meistens Frauen mit ihren Kindern, welche eimerweise Wasser zurück ins Dorf transportieren.

Bevor wir losfuhren, holte eine Frau Regenwasser aus einer Zisterne, direkt neben unserem Zelt. Die korpulente Frau trug den 20 Liter Kanister ohne Probleme auf dem Kopf zurück zu ihrem Haus. Unglaublich!

Nach Massinga wechselte die monotone, von Büschen und hohem Gras dominierte, Landschaft. Nun hatte es keine Affenbrotbäume mehr, sondern tausende Palmen. Ebenfalls fiel uns auf, wie die Leute wieder extrovertierter waren und ordentlich krach machten während unserer Durchfahrt. Dies war in den ersten Tagen in Mosambik anders.

In dieser Region merkten wir, dass Mosambik mehr als 32 Millionen Einwohner hat, da es im Vergleich zu den letzten Tagen konstant Häuser in Blickweite hatte. Das Land ist zwar etwa 40 Mal so gross wie die Schweiz oder mehr als doppelt so gross wie Deutschland, aber besteht zu einem grossen Teil aus unbewohntem Buschland.

Nach 48 Tagen auf dem Fahrrad sind wir das erste Mal südlich von unserem Startpunkt in Windhuk (siehe Karte). Ausserdem haben wir den südlichen Wendekreis zum ersten Mal mit dem Fahrrad erreicht. Hier steht die Sonne zur Sommersonnenwende am Mittag im Zenit.

Nach zehn Tagen ohne Erholung, war unser Ziel einen Strand aufzusuchen, wo wir uns von den vielen Stunden im Sattel erholen konnten. Bald erreichten wir zum ersten Mal den indischen Ozean. Von dort brachte uns ein kleineres Boot auf die andere Seite der Bucht zur Stadt Inhambane. Die Überfahrt kostete pro Person 20 Meticai, was etwa 25 Euro Cents sind . Danach mussten wir den Preis für den Transport der Fahrräder verhandeln. Nach dieser Diskussion wurden diese einfach auf das eher instabile Dach gehievt und los konnte es gehen.

Uns ging das Bargeld aus, darum versuchten wir an einem Bankomaten Geld abzuheben. Leider war es Ende Monat und viele Einheimische wollten ihren Lohn abheben. So fanden wir nur einen Bankomaten mit weniger als 20 Leuten in der Schlange. Als wir zuvorderst waren, funktionierte unsere Karte nicht. Bei zwei weiteren Bankomaten funktionierten alle Karten nicht. Wir wollten schon bei einer Tankstelle Benzin «kaufen», um danach Bargeld zu bekommen. Beim letzten Versuch funktionierte dann doch plötzlich eine unserer Karten und wir konnten zu unserem Tagesziel weiterradeln.

Beim Mozambeat Hotel konnten wir für ein paar Franken unser Zelt aufstellen, duschen und die gemütlichen Aufenthaltsbereiche benützen.

Die Pause in der Nähe des Sandstrandes war nach den intensiven Tagen eine schöne Abwechslung. Wir genossen die ruhige und entspannte Atmosphäre am Pool, auf den bequemen Sofas oder im Dorf. Täglich liefen wir ins Dorf, um einheimische Gerichte zu essen und Früchte zu kaufen. Ein Restaurant, das uns ein Verkäufer von Bootstouren gezeigt hatte, befand sich mitten auf einem Markt und war schwer zu finden. Ein enger Weg führte durch mehrere Gänge zum Restaurant, welches in den Mauern eines alten, zerfallenen Gebäudes Platz fand.

Mit Viny führten wir ein langes, spannendes Gespräch über das Leben in der Schweiz im Vergleich zu Mosambik. Wir versuchten ihm näherzubringen, wieso viele Leute bei uns unglücklich sind und selten ein Lachen im Gesicht haben. Viele Afrikaner/innen haben das Gefühl, dass bei uns alles einfacher ist und alle reich sind. Wenn wir von Stress im Alltag, Suizid und den Migranten ohne Chance auf eine positive Zukunft sprechen, ändert sich meistens das Bild von Europa als Paradies.

Es gab viele Aktivitäten in der näheren Umgebung im Angebot. Jedoch waren wir mehr interessiert ausnahmsweise an einem Ort zu bleiben und den müden Beinen Ruhe zu gönnen. Einmal gingen wir baden und waren erstaunt, über das 27 Grad warme Wasser. Fabian besuchte einen Coiffeur und dieser verpasste ihm einen Kahlschnitt zu einem Spottpreis. Zum Abschluss unseres Aufenthalts gönnten wir uns im Restaurant unserer Unterkunft einen Burger mit Bier.

Erholt verliessen wir den Strand wieder und fuhren weiter in Richtung Maputo, der Hauptstadt Mosambiks. Zum ersten Mal seit Tagen zogen dunkle Wolken auf und bald regnete es. Wir wurden glücklicherweise nicht komplett nass.

Plötzlich erschienen aus dem Nichts in der Ferne zwei Fahrräder. Es handelte sich um Laura und Alee. Die beiden sind schon etwa 1.5 Jahre unterwegs und sind ebenfalls in Windhuk in Namibia gestartet. Wir tauschten Erfahrungen und Tipps für die kommenden Regionen aus, da wir in entgegengesetzter Richtung unterwegs sind.

Um die Mittagszeit zog wieder eine Regenzelle auf. Wir entschieden uns eine Pause einzulegen und dies war eine super Entscheidung, da es wenig später für etwa zwei Stunden wie aus Eimern goss. Die Strasse verwandelte sich in einen Bach und wir waren froh im Trockenen zu sein.

Beim Kauf einer Kokosnuss und einiger Limetten wurden wir von über 20 Leuten beobachtet. Es war eine unterhaltsame Pause, da die Leute viel Humor zeigten und uns jegliche Dinge verkaufen wollten. Unter anderem Piri Piri, eine scharfe Sauce, welche in Mosambik in keinem Restaurant fehlen darf.

Während dem Eindunkeln fragten wir bei zwei Häusern, ob wir unser Zelt irgendwo in der Nähe aufstellen konnten. Komischerweise wurden wir zweimal abgewiesen. Wir vermuteten, dass die Sprachbarriere das Problem war, da wir eine solche Situation sonst noch selten erlebt haben in Afrika. Schlussendlich war es dunkel und wir suchten uns nicht weit vom letzten Haus im Busch einen Platz. Schon bald kamen Leute und wollten mit uns sprechen. Leider konnten wir uns kaum verständigen. Um etwa 22 Uhr kam ein junger Mann, der Englisch sprach. Das Dorf organisierte ihn, da er in Südafrika arbeitete und mit uns kommunizieren konnte. Er meinte, die Familien hätten uns falsch verstanden und wir sollten doch in einem Haus unterkommen, da es einige Jugendliche in der Gegend habe, mit Unsinn im Kopf. Wir entschieden uns dagegen, da wir bereits eingerichtet und im Halbschlaf waren. Die Geste war nett gemeint, aber wir waren einfach zu faul, mit dem ganzen Material umzuziehen. Schlussendlich hatten wir eine unproblematische Nacht und wurden nur morgens von einigen Leuten beim Zusammenpacken beobachtet.

Im Vergleich zu den letzten Tagen summierten sich die Höhenmeter wieder und wir fuhren stetig an Dörfern vorbei. Dies machte es für uns einfacher, da wir nicht mehr planen mussten, wo wir uns verpflegen.

Nach einer längeren Steigung hatten wir einen wunderschönen Ausblick auf eine Lagune unter uns. Die Farben waren kitschig und die vielen Palmen, gaben dem Panorama einen Bilderbuchcharakter.

In allen Ländern Afrikas tragen viele Frauen Perücken, um ein spezielles, westliches Aussehen zu bekommen. Regelmässig sehen wir kleine Läden, welche die aus China importierten künstlichen Haare verkaufen und zum Teil den Service anbieten, diese an die echten Haare anzuknüpfen.

Zum Glück war es Freitagabend und wir fanden ein kleines Schulhaus mit Vordach als Schlafplatz. In der Nacht zog ein heftiger Sturm auf und es regnete stark für mehrere Stunden. Am nächsten Morgen war der starke Wind immer noch aktiv. Ausserdem sahen wir, dass es noch ein zweites Schulhaus hatte, welches keine Fenster, Türen, ja nicht einmal ein Dach hatte. Dank der beschriebenen Wandtafel wussten wir, dass das überwucherte Gebäude noch in Gebrauch war.

Weiterhin führte uns die hüglige Hauptstrasse durch viele Dörfer und Kleinstädte, bis wir mit Xai Xai die nächste Grossstadt erreichten. Bereits vorher nahm der Verkehr stetig zu und zum Teil bildete sich kurz Stau.

Danach wurde die Landschaft flach und plötzlich befanden wir uns in einer Schwemmebene ohne Palmen, dafür mit Schilf. Wir passierten einige kleine Seen und Flüsse. Diese Ebene wird teilweise zum Anbau von Reis verwendet.

Der Wind blies grösstenteils von der Seite, ausser auf den letzten 15 km mussten wir gegen den Wind kämpfen. Zum Glück fanden wir nach dem langen Tag mit über 130 km ein Restaurant. Der Besitzer organisierte uns ein Teller Pommes mit Salat. Danach war es bereits dunkel und wir durften unser Zelt hinter dem Restaurant aufstellen.

Zum ersten Mal seit dem Hochland in Simbabwe war die Temperatur morgens unter 15 Grad. Leider war der starke Wind noch aktiv und erschwerte unser Weiterkommen. Wir legten mehrere Stopps ein, um die Kräfte einzuteilen. Während diesen Stopps bestaunen wir seit der Einreise immer wieder die mit viel Fleiss wunderschön bemalten Geschäfte. So kann man ganz ohne Poster und Leuchtreklame erkennen, was die jeweiligen Inhaber verkaufen.

Trotz dem stürmischen Wind, schafften wir es am frühen Nachmittag nach Maputo. Die Fahrt in die Stadt war überraschenderweise entspannt. Eine neuere zweispurige Strasse in Kombination mit dem nichtexistenten Sonntagsverkehr, liess uns die Fahrt sogar geniessen. In den Vororten waren viele Quartiere immer noch komplett überschwemmt. Vor etwa einem Monat regnete es ungewohnt viel und aufgrund der momentan kälteren Temperaturen, konnte das Wasser nicht mehr verdunsten. Mosambik litt in den letzten Jahren leider viel unter Zyklonen und den daraus resultierenden Überschwemmungen.

Vor dem Zentrum setzten wir uns an einen Strand und genossen den Blick auf die ungewohnt hohen Gebäude der Millionenstadt. Interessanterweise ist nicht Maputo, sondern die Vorstadt Matola die grösste Stadt des Landes. Diese wuchs von 1950 bis 2017 von 9’000 auf 1.6 Millionen Einwohner.

Schon seit einigen Wochen sind wir mit Mariig in Kontakt. Mariig arbeitet an einer internationalen Schule als Biologielehrer und ist unser Gastgeber für die nächsten Tage. Fabians Freundin Fanny hat Mariig in Osteuropa auf einer Fahrradtour kennengelernt. Er wusste genau was wir brauchten nach den vergangenen Fahrradtagen und wir fühlten uns wie zuhause im Moment als wir die Wohnung betraten.

Nach 500 km in vier Tagen mit Gegenwind während dem letzten Tag, waren unsere Beine wiedermal müde. Wir genossen die geräumige Wohnung um uns zu entspannen und schätzten die Aussicht vom Balkon auf das Meer.

Seit langem fanden wir in Maputo einen Fahrradladen und brachten unsere Fahrräder für einen Service vorbei Zusätzlich wollten wir die Bremsbeläge und die Ketten wechseln. Nach einem Tag meinte der Mechaniker unsere Fahrräder wären bereit. Also liefen wir hin und wollten die Fahrräder abholen. Leider war nur die Kette montiert, aber die Bremsbeläge nicht und sogar die neuen zur Montage mitgebrachten Bremsbeläge waren spurlos verschwunden. Schlussendlich schauten wir dem Besitzer des Ladens über die Schultern und warteten etwa drei Stunden, bis die Fahrräder bereit waren. Diese Unzuverlässigkeit scheint anscheinend oft vorzukommen und viele Expats berichteten von ähnlichen Erfahrungen.

Am zweiten Tag in der Hauptstadt kamen mit Luca und Mike zwei weitere Radler an und wurden von Mariig einquartiert. Zu fünft besuchten wir ein Restaurant in der Nähe und assen ein lokales Gericht mit viel Hühnchen und Kokossauce, welches wir in den Dörfern bisher nicht fanden.

Nach zwei Tagen wollten wir noch nicht weiterfahren, da wir die Route für den nächsten Monat noch genauer besprechen und planen wollten. So verbrachten wir einen dritten Tag in Maputo und konnten gemütlich die Route und Aktivitäten bis nach Kapstadt planen.

Mosambik erreichte 1975 die Unabhängigkeit von Portugal. Im Jahr 1976 startete ein 16-jähriger Bürgerkrieg, welcher zu einem kompletten wirtschaftlichen Zusammenbruch führte und bis zu 900’000 Menschenleben forderte.

Interessanterweise gehört Mosambik zusammen mit Togo, Gabun und Ruanda zu den Commonwealth-Staaten. Diese Länder waren alle keine britischen Kolonien. Im Jahre 1994 fanden die ersten demokratischen Wahlen statt und bis ins Jahr 2017 herrschte im Land grösstenteils Frieden. Seit 2017 breitet sich leider eine Gruppierung, welche zum Islamischen Staat (IS) gehört, im Norden des Landes aus. Seit ein paar Jahren bekämpfen sich das Militär und die dschihadistische Gruppierung. Wie so oft geht es um Ressourcen bzw. Geld. In diesem Fall geht es um die ungleiche Verteilung der Gewinne aus den Gasvorkommen der Region.

Die Konsequenz dieser Auseinandersetzungen, den Naturkatastrophen und tiefer wirtschaftlicher Leistung ist eine weitreichende Armut. Gemäss UNICEF gibt es 1.6 Millionen Weisen und nur 6% der unter fünfjährigen Kindern haben eine Geburtsurkunde. Aufgrund der fehlenden Dokumente und der Armut sind die Kinder Missbrauch, Kinderarbeit und Zwangsverheiratung ausgesetzt. In Mosambik können fast 40% der Erwachsenen nicht lesen und schreiben. Nur 30% der Kinder, welche zur Schule gehen, erreichen das 6. oder 7. Schuljahr. Darum sprechen viele Leute auf dem Land nicht Portugiesisch, da in der Familie regionale Sprachen gesprochen werden.

Nach dem Verabschieden von Mariig, seiner Mitbewohnerin Anne und den beiden Radreisenden Mike und Luca, nahmen wir den Lift vom 11. Stock ins Erdgeschoss. Dieser Lift war der Erste, den wir benutzten, seit wir in Frankfurt am Flughafen waren.

Beim Durchqueren der Stadt, besuchten wir unter anderem den Bahnhof, der zu den schönsten der Welt gehört. Es fahren zwar nicht mehr viele Züge auf den Gleisen, aber das Gebäude macht trotz seines Alters einen guten Eindruck. Nur die Uhr ging etwa vier Stunden vor, aber das fällt wahrscheinlich nur Schweizer auf. Beim Verlassen der Stadt erblickten wir eine riesige Brücke auf die andere Seite eines Flusses. Diese ist die längste Hängebrücke des afrikanischen Kontinents, nach der Matadi-Brücke in der Demokratischen Republik Kongo, welche wir auf dem ersten Teil unserer Reise überquerten.

Es dauerte noch ungefähr eine Stunde und wir waren aus dem Stadtverkehr raus. Nur noch wenige Fahrzeuge waren unterwegs und die Umgebung war wieder landwirtschaftlich geprägt.

Beim Mittagessen kamen wir mit einem Polizisten ins Gespräch. Dank seiner Englischkenntnisse konnten wir ihm einige Fragen zu seinem Job stellen. Er meinte alle Polizisten sind korrupt, weil die Löhne sehr tief sind. Er verdient über 1000 Euro pro Monat, ohne Bestechungsgelder die nochmals bis zu 500 Euro betragen können. Vorher war er Gymnasiallehrer und verdiente etwa 350 Euro pro Monat. Dies ist ein grosser Unterschied und viele Polizisten verdienen viel weniger, da er für die Zollbehörde arbeitet. Wir fanden es spannend, dass er so ehrlich war und sogar zugab, lieber nicht korrupt zu sein. Jedoch wäre er mit 1000 Euro pro Monat in Mosambik finanziell definitiv gut abgesichert.

Danach überquerten wir zuerst einen kleinen Hügelzug, bis es über 15 km stetig hoch ging zur letzten Kleinstadt vor der Grenze mit Eswatini. Wir gönnten uns ein Eis aus einer chinesischen Maschine und kauften Brot ein. Wir fragten einen jungen Mann, der Samosas gefüllt mit Fisch verkaufte, ob er weiss, wo wir Samosas gefüllt mit Kartoffeln finden können. Er war so nett und ging selbst auf die Suche. Als er zurück kam, hatte er einen Sack Kartoffeln in der Hand. Wir mussten laut lachen und erklärten ihm das Missverständnis. Er nahm es mit Humor und brachte die Kartoffeln wieder zurück. Danach wechselten wir die restlichen Meticais in südafrikanische Rand und fuhren bis zur Grenze. Die Ausreise ging zackig und bald hatten wir den Stempel in unseren Pässen.

Mosambik war für uns ein spezielles Land, da es das einzige Land im südlichen Afrika ist, welches nicht Englisch als offizielle Landessprache hat. Zum Teil war es schwierig uns im portugiesisch sprechenden Land zu verständigen. Trotzdem genossen wir die lockere und offene Art der Leute. Ausserdem war es ein Highlight die vielen tropischen Früchte zu kosten und im Meer zu schwimmen.

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