Simbabwe

23. März – 16. April 2024:

Direkt nach der Grenze wurde es hügliger und seit langem konnten wir auch wiederholt Abfahrten geniessen. Die Strasse bis zu den Viktoriafällen ist von Wald umgeben und sehr wild. Es hatte kein Schild, Haus oder Abzweigung auf den nächsten 70 Kilometer.

Bevor wir den Ort Victoria Falls erreichten, fuhren wir etwa zwei Kilometer abwärts und merkten schon bald, dass dies einer der touristischsten Orte für die nächsten Wochen sein wird. Überall waren teure Unterkünfte, westliche Restaurants und Reisebüros, welche Touren in der Umgebung anboten.

Wir quartierten uns bei einem Camping im Zentrum ein und lernten gleich ein Österreichisch-Brasilianisches Paar kennen, welches seit etwa 1.5 Jahren im südlichen Afrika unterwegs sind. Bevor wir das Zelt aufstellten, tauschen wir uns intensiv aus und merkten schnell, dass die Wellenlängen zueinander passen. Wir bekamen viele Tipps für die nächsten Wochen und auch wertvolle Informationen über die Strassenzustände in Simbabwe und Mozambique.

Bei Live-Musik in der gegenüberliegenden Brauerei, tranken wir einheimisches Bier und verzehrten westliches Essen.

Endlich stand eines der Highlights unserer Reise auf dem Tagesprogramm. Etwa einen Kilometer von unserem Camping entfernt waren die Viktoriafälle. Diese sind UNESCO Weltnaturerbe. Das Wasser stürzt auf einer Breite von 1708 Metern über 110 Metern in die Tiefe. Die Gischt kann bei Hochwasser bis 300 Meter aufsteigen und aus 30 Kilometern Entfernung gesehen werden. Es ist ausserdem der breiteste zusammenhängende Wasserfall der Welt und doppelt so hoch wie die Niagarafälle.

Über die Höhe des Eintrittspreises (50 US Dollar) kann man sich streiten, aber schlussendlich besucht man die Fälle kaum ein zweites Mal. Der Wasserfall liegt in einem Nationalpark und ist dadurch geschützt von äusseren Einflüssen. Wie viele andere Touristen aus aller Welt, liefen wir die vorgegeben Wege entlang der tosenden Wassermassen. Es war beeindruckend das Ausmass dieser riesigen Wassermassen aus der Nähe zu beobachten. Bei den meisten Aussichtspunkten regnete es förmlich, da die Gischt je nach Windverhältnissen auf uns niederprasselte. So waren wir nach wenigen Minuten klitschnass.

Danach liefen wir zur Brücke, welche die beiden Länder Simbabwe und Sambia verbindet. Von der Brücke konnten wir den Sambesi, der unterdurch fliesst beobachten und nochmals einen Blick auf die Viktoriafälle werfen. Viele junge Männer versuchten uns Souvenirs zu verkaufen, aber gaben nach einem klaren «Nein!» auf und waren trotzdem interessiert an einem «Small Talk».

Auf dem Rückweg assen wir in einem kleinen einheimischen Restaurant, direkt neben der Strasse. Für zwei US Dollar bekamen wir Hühnchen, Gemüse und ein Kloss «Sadza». Dieses Grundnahrungsmittel im südlichen Afrika kennen wir bereits aus Namibia und Botswana. Dieses wird aus weissem Mais hergestellt. Ein Guide, der Touristen die Wasserfälle zeigt, war erstaunt, dass wir wie die Einheimischen ohne Besteck assen. Wir kamen ins Gespräch mit Mr. B. und tauschten uns über verschiedene Themen aus. Beispielsweise kannte er den Klimawandel, aber wusste nicht, wie dieser verursacht wird. Er war sehr interessiert und erstaunt über die verschiedenen Quellen der Treibhausgase.

Am Abend nahmen wir an einer Bootstour auf dem Sambesi teil und konnten so den Sonnenuntergang bestaunen. Während der etwa zweistündigen Fahrt, sahen wir Nilpferde, Elefanten, Krokodile und viele Vögel, währendem wir uns an der «all-inclusive» Bar bedienten.

Nach einem Pausentag verabschiedeten wir uns von Heidi und Paulo und verliessen den mit Touristen gefüllten Ort wieder. Von nun an hatten wir keine Informationen mehr von Adrians Eltern, da sie nicht weiter als die Fälle gefahren waren.

Es war von Anfang an hüglig und wir hatten immer wieder längere Anstiege und Abfahrten. Uns gefiel diese Abwechslung, da wir endlich ein bisschen Weitsicht geniessen konnten. Wir sahen viele Schulkinder auf dem Heimweg. Alle trugen Uniformen, welche sich in den Farben unterscheiden. Einzelne Kinder hatten sogar Fahrräder, um die teilweise sehr langen Schulwege zurückzulegen.

Bei einer Brücke über einen fast trockenen Fluss, versuchten einige Jungs uns einzuholen. Wir kamen ins Gespräch und machten auf ihren Wunsch ein Foto zusammen. Es war ein schöner Austausch und die aufgestellten und selbstbewussten Knaben freuten sich uns zu sehen.

Vor Hwange wurde die Strasse zuerst mit Löchern verziert, bevor sie total verschwand. Um die Stadt, welche dem naheliegenden Nationalpark den Namen gab, sahen wir viele Kohleminen und Koksöfen. Alle diese Minen werden von Chinesen betrieben. Vor einer Industriezone sprachen wir mit einigen Tagelöhner, welche auf Arbeit warteten. Sie trugen Arbeitskleidung inklusive Bauhelmen und Sicherheitsschuhen. Während dem Warten spielten sie Karten und einige versuchten Wildbeeren zu verkaufen. Leider haben wir von mehreren einheimischen Männern gehört, dass sie von den Chinesischen Vorgesetzten menschenunwürdig behandelt werden.

Die Strassenqualität veränderte sich konstant und sorgte definitiv für Abwechslung. In einem grösseren Dorf assen wir wie am Tag zuvor Sadza (Maisfladen) mit Fleischsosse. Viele Leute kamen auf einen Schwatz vorbei und fragten uns wie gewohnt woher wir kommen und ob wir von der Schweizer Regierung bezahlt werden für diese Reise. Es kamen Schulkinder vorbei, welche mit schmerzverzerrten Gesichtern ihre erste Impfung verdauten. Oder eine Frau, welche sich Fabian anbot als zukünftige Ehefrau. Direkt neben uns war ein fast 70 jähriger Mann, welcher alle Arten von Schuhen flickte. Er machte dies mit viel Fleiss und minimaler Ausrüstung, so dass wir ihm am liebsten neue Nadeln und Fäden schenken wollten. Die Köchin war sehr aufgestellt und freute sich, dass wir ihr Menu assen, auch wenn sie nicht verstand, wieso wir kein Fleisch wollten.

Am Ende des Tages summierten sich die Höhenmeter das erste Mal auf über 1000, bei 130 Kilometern Strecke. Simbabwe sorgt in vielen Aspekten für eine ersehnte Abwechslung und wir sind glücklich, dass endlich mehr Leute um uns herum sind.

Zum ersten Mal wurden wir vom Gesang einiger Frauen geweckt. Anscheinend musste ein Dorf in der Nähe von unserem Plätzchen im Busch sein. Bei einer Pause kauften wir bei einem überfreundlichen Mann eine Wassermelone für 50 Cent und assen diese gleich vor Ort. Wie viele Kleinbauern in den letzten Wochen, beschwerte auch er sich über die vorherrschende Dürre. Von November bis März wäre in diesen Breitengraden eigentlich Regenzeit.

Bei einer Tankstelle lernten wir einen jungen Künstler kennen, welcher aus Holz wunderschöne Skulpturen schnitzte. Für eine Skulptur braucht er 1-3 Tage und verkauft die grössten Exemplare für nur 25 US Dollar.

In Lupane angekommen, fanden wir ein grösseres Restaurant, welches verschiedene Köstlichkeiten anbot. Wiedermal zur Überraschung aller, stellten wir uns ein nicht existentes vegetarisches Menu zusammen. Während unserer Pause fragten uns mehrere Männer und Frauen was wir in Simbabwe machen mit den Fahrrädern. Es waren wiedermal sehr spannende Austausche und wir genossen die Offenheit und das Interesse der Menschen. Die Hauptstrasse war weiterhin häufig mit riesigen Schlaglöchern übersät und wir mussten diesen mit Zickzack-Bewegungen ausweichen.

Die Strasse hatte zum Glück weniger Schlaglöcher, aber dafür Rinnen, welche vermutlich durch das abfliessende Wasser entstanden sind. Die Konsequenz daraus war, dass wir etwa alle zwei Meter einen ziemlichen Schlag bekamen und ordentlich durchgeschüttelt wurden. Das Schlimmste an dieser Strasse ist die Mautgebühr, welche alle motorisierten Fahrzeuge bezahlen und eigentlich für den Erhalt der Strasse gedacht wäre. Leider versandet dieses Geld in den Händen der korrupten Verantwortlichen. Nach vier Tagen und 440 Kilometern erreichten wir die zweitgrösste Stadt in Simbabwe.

In einem neueren, stetig wachsenden Vorort der Millionenstadt Bulawayo, fanden wir nach einem Telefonat unsere Gastfamilie zügig. Wie abgemacht, durften wir bei der Familie von Mr. B, den wir bei den Viktoriafällen kennengelernt haben, übernachten. Wir wurden herzlich von der Frau, dem Sohn, zwei weiteren Kindern und einer Freundin begrüsst. Wir bekamen unser eigenes Zimmer und wurden mit einem einheimischen Gericht verwöhnt. Danach nahm uns der Sohn mit auf einen Spaziergang durch das Viertel und wir wurden an jeder Ecke begrüsst und bewundert. Anscheinend ist es sehr selten, dass Weisse dieses Viertel besuchen.

Während unserem Ruhetag wurden wir stetig kulinarisch verwöhnt. Wir hatten interessante Gespräche und tauschten uns über verschiedenste Themen aus. Am Nachmittag kam der älteste Sohn, Xolani, vorbei und wollte uns den Stadtteil zeigen. Zuerst suchten wir jemanden der Adrian einen Haarschnitt verpassen konnte. Dies war relativ einfach, da eine Strasse viele kleine Friseurläden hatte. Der Friseur schnitt das erste Mal nicht afrikanische Haare und hatte zum Teil keine Ahnung wie er vorgehen sollte. Das Endresultat war nicht perfekt, aber für einen US Dollar und einer Spielzeugschere als Werkzeug konnte sich Adrian nicht beschweren.

Danach kauften wir uns lokales Bier, welches aus Hirse und Mais hergestellt wird und „Chibuku Super“ heisst. Dieses tranken wir auf der Ladefläche eines Transporters auf einem grösseren Platz, wo viele Männer das Osterfest mit Bier feierten. Wir kamen mit vielen Freunden der Jungs ins Gespräch und lernten viel über die Nachbarschaft und das Leben in Simbabwe. Wir erfuhren beispielweise, dass regelmässig die Wasser- und Stromversorgung für mehrere Tage, ohne Vorwarnung ausfällt.

Bei Einbruch der Dunkelheit, wollte uns Xolani noch einen anderen Ort zeigen. So fuhren wir mit einem Kleintransporter in eine andere Ecke des Quartiers und durften Snooker spielen. Natürlich hatten wir keine Chance gegen die geübten einheimischen Jungs. Es war eine spezielle Erfahrung draussen unter freiem Himmel Snooker zu spielen. Zum Schluss fuhren wir aus dem Quartier, um in einer grossen Bar nochmals ein Bier zu trinken. Es waren etwa 300 jüngere Partygänger anwesend und als wir zur Ausschenke liefen, waren wir sofort im Mittelpunkt des Geschehens. Von allen Seiten grüssten uns die Leute und wollten wissen wieso wir genau an diesem Ort sind. Dies war eine aussergewöhnliche Erfahrung. Wenig später fuhren wir zurück zum Haus, da sich die Frauen bereits Sorgen machten um uns Jungs. Natürlich gab es nochmals eine leckere Mahlzeit, bevor wir uns gute Nacht wünschten.

Nachdem wir von den beiden Frauen nochmals mit doppeltem Frühstück verwöhnt wurden, packten wir unsere Taschen. Als wir gehen wollten, war in der Küche wieder Betrieb und es stellte sich heraus, dass dies unser Mittagessen war. Schlussendlich durften wir sogar unsere Tupperware mit dem Menu füllen, damit wir es später unterwegs essen konnten. Wir verabschiedeten uns von der herzlichen Familie und sind uns sicher, dass wir viele Male an diese schöne Begegnung zurückdenken werden.

Die Strasse durch die Grossstadt war wenig befahren und auch später nahm der Verkehr nicht merklich zu. Wahrscheinlich hatte dies mit den Ostertagen zu tun. Zuerst gewannen wir an Höhe, bis wir später wieder einige hundert Höhenmeter hinunterfuhren. Nachdem wir die Hauptverkehrsachse nach Südafrika verliessen, sahen wir immer wieder glatte, riesige Felsblöcke. Beim Ankommen bei unserem Übernachtungsplatz im Busch, realisierten wir, wie stark es abgekühlt hatte.

Nach der kältesten Nacht bisher, war der Himmel bereits morgens bedeckt und es war viel kälter als die letzten Wochen. Als wir losfahren wollten, merkte Adrian, dass er einen platten Hinterreifen hatte. Wahrscheinlich war wieder ein Dorn in den Reifen eingedrungen, als wir am Vorabend unseren Schlafplatz im Halbdunkeln suchten.

Nach einigen Kilometern fing es an leicht zu regnen und somit war unsere Trockenperiode auf dem Fahrrad offiziell beendet. Und dies in der Regenzeit! Doch die Dusche hielt nicht lange an und wir waren bald wieder trocken.

In der Stadt Zvishavane deckten wir uns mit einem Nachtessen und einem Frühstück ein und fuhren noch eine Weile, bevor wir einen geeigneten Platz unweit der Strasse fanden.

Wegen des kräftigen Gegenwindes und den vielen Kilometern der letzten Tage ohne einen Pausentag, merkten wir, dass wir eine Pause brauchten. Ausserdem wurde die Landschaft wieder hügliger und die Höhenmeter summierten sich immer mehr, welche wir in Simbabwe bereits zurückgelegt haben.

In der grösseren Stadt Masvingo wollten wir etwas essen und einige Lebensmittel einkaufen. Auch nach längerer Suche fanden wir kein Restaurant, welches etwas anderes servierte ausser den Maisbrei «sadza» mit Fleisch. Schlussendlich fanden wir einen Burger mit Beilagen in einem riesigen Supermarkt. Leider war das Prozedere für das Take-Away-Buffet sehr kompliziert und wir mussten so lange an der Kasse anstehen, dass unser Essen bereits wieder kalt war und wir fast die Nerven verloren.

Ein wenig später erreichten wir eines der Highlights in Simbabwe. Gross-Simbabwe ist eine Ruinenstadt aus dem 11.-15. Jahrhundert. Direkt neben diesem UNESCO Weltkulturerbe fanden wir einen Campingplatz.

Der Campingplatz wurde leider sehr vernachlässigt in den letzten Jahren. So hatte es keinen Strom, nur kaltes Wasser und kein Internet. Für das Angebot war der Preis von 7 US-Dollar pro Person sehr hoch. Die Alternative war mit 15 US-Dollar noch teurer.

Beim teureren Campingplatz nutzten wir das Internet und gönnten uns ein kühles Getränk. Adrian nutzte zusätzlich den Pool, um ein Loch in seiner Luftmatratze zu suchen und Fabian rasierte sich auf dem Klo, da es bei unserem Camping keinen Spiegel hatte.

Die Umgebung vom Campingplatz war grün und immer wieder liefen ganze Rudel von Pavianen und südlichen Grünmeerkatzen bei unserem Zelt vorbei. Natürlich bedienten sich die Primaten an den Abfällen der wenigen Gäste, da die Abfalleimer nicht geschlossen waren.

Nach einem Ruhetag, besuchten wir die Festung auf dem Hügel und die eindrückliche, 11 Meter hohe und bis zu 6 Meter breite, Mauer. Ausserdem hatte es traditionelle Häuser und ein Museum. In den Häusern sassen Einheimische, welche ein Feuer entfachten und sich dort die Zeit vertrieben. Einige verkauften Souvenirs oder boten Tänze als Darbietung an. Eine Frau gab uns geröstete Erdnüsse und eine andere bot uns ein Holz zum Kauen an, welches eine ähnliche Wirkung wie Viagra haben soll.

Gross-Simbabwe ist eine der ältesten und grössten steinernen Bauanlagen vor der Kolonialisierung südlich der Sahara. Die Ruinen und ein Vogel aus Stein, welcher auch hier gefunden wurde, befinden sich beide auf dem Wappen Simbabwes.

Da es, ausser das überteuerte Restaurant der Lodge, kein Restaurant in der Nähe hatte, mussten wir mit den Fahrrädern in das vier Kilometer entfernte Dorf fahren. Dort waren die Leute inklusive der Köchin eines winzigen Restaurants erstaunt, dass wir ihr Menu assen. In den vielen Lebensmittelläden deckten wir uns mit Bohnen aus der Dose, Toastbrot, Porridge und einheimischen Milchgetränken ein.

Am geplanten dritten Pausentag funktionierte nicht einmal mehr das Wasser und so entschieden wir uns weiterzufahren. Wir hatten noch einen anderen Campingplatz in etwa 50 Kilometern Entfernung auf dem Radar.

Bald erreichten wir den Mutirikwe Stausee. Der See hat eine Grösse von 90 km2 und wurde primär für die Bewässerung der umliegenden Landwirtschaft gebaut. Beim Damm angekommen, sahen wir die Bauarbeiten für die Nutzung der Wasserkraft. Direkt vor der Staumauer sahen wir gut erhaltene Felsmalereien.

Die schmale, asphaltierte Strasse führte uns hoch und runter. Dadurch sahen wir immer wieder den wunderschönen See, die glatten Felsoberflächen in den umliegenden Hügeln und authentische Behausungen von denen immer wieder Kinder zuwinkten.

Auf der Suche nach einem Restaurant lernten wir Jeff, einen 23-jähringen Bauern mit Fahrrad kennen. Er führte uns in ein Dorf mit Restaurant und Lebensmittelladen, das wir ohne ihn niemals gefunden hätten. Im Dorf waren alle erstaunt und überglücklich als sie uns sahen. Sofort waren wir von mehreren Frauen, Kindern und einem angetrunkenen Mann umzingelt. Wir wurden mit Fragen durchlöchert und durften für viele Fotos posieren. Eine Frau röstete ein paar Erdnüsse für uns und eine andere schenkte uns zwei Avocados.

Nach den schönen Begegnungen im kleinen Dorf, fuhren wir weiter um den Stausee. Jeff begleitete uns weiterhin mit seinem Fahrrad. Das Fahrrad hatte nur eine komplette Pedale und die Bremsen und Schaltung funktionierte nicht mehr. Ab und zu hielt er an, um manuell einen anderen Gang einzustellen. Der interessierte Jeff fuhr mit uns bis zum Campingplatz direkt am See und machte sich danach auf den etwa 20 Kilometer langen Heimweg.

Wir genossen am Morgen noch die schöne Anlage mit Sicht auf den See und nutzten das verfügbare Internet für Telefongespräche. Ausserdem hatte Adrian schon wieder einen platten Reifen und suchte aufgrund der Häufigkeit der Pannen nochmals den Reifen an der Stelle des Loches ab. Tatsächlich nach mehrmaligem Abtasten und genauem Hinschauen, fand er einen Draht, der sich durch den Gummi gebohrt hatte. Hoffentlich war dies der Übeltäter der vielen Platten.

Nach ein paar Kilometern verliessen wir die Schotterstrasse und somit den See wieder und fuhren auf der Hauptstrasse weiter. Nach der täglichen Portion «Sadza» und einer Mautstelle, bogen wir ab und kamen dank starkem Rückenwind perfekt vorwärts, trotz hügliger Gegend. Die Landschaft mit den kleinen Siedlungen mit Maisfeldern und den vielen Granitblöcken im Hintergrund war wunderschön.

Mit Gutu erreichten wir eine grössere Stadt und wollten aufgrund der einsetzenden Dunkelheit möglichst effizient Frühstück kaufen und in einem Restaurant etwas essen. Überraschenderweise waren sich die Bewohner der Stadt den Besuch von (weissen) Touristen nicht gewohnt und von allen Seiten wurde uns zugerufen, gepfiffen und gewunken. So hatten wir aufgrund von vielen Fragen keine Zeit mehr etwas zu essen und kauften stattdessen Lebensmittel in einem Laden. Für die Begrüssung, Verabschiedung oder einfach als Reaktion auf eine Aussage sagen die Leute in dieser Region «sharp», was anfangs sehr ungewohnt und amüsant war. Schlussendlich fanden wir auf einer Wiese einen Platz, bevor es richtig dunkel wurde.

Am späteren Abend besuchte uns Walter, der Besitzer des Landes und sein Vater. Sie wollten überprüfen wer auf ihrem Land ein Zelt aufstellte. Zu Beginn waren sie ein wenig angespannt, aber als wir unsere Geschichte erzählten, waren sie sehr freundlich. Am nächsten Morgen beim Verabschieden, erzählte uns Walter, dass vor einigen Tagen jemand in ihr Haus einbrechen wollte. Aus diesem Grund ist ihre Unsicherheit sehr zu verstehen.

Nach wenigen Kilometern wechselte die Asphaltstrasse in eine Schotterpiste. Schon Tage zuvor fragten wir immer wieder verschiedene Leute, wie die Strasse auf diesem Abschnitt ist. Wir ahnten, dass sie nicht sonderlich gut sein wird, aber wie viel Sand wir angetroffen haben, war trotzdem eine Überraschung. Wir kämpften uns durch die Sandpassagen, auch wenn wir ab zu die Fahrräder schieben mussten. Das Reduzieren des Reifendrucks half enorm und so kamen wir besser vorwärts. Nach etwa 50 Kilometern erreichten wir wieder eine asphaltierte Hauptstrasse.

Kurz danach merkte Adrian, dass er zwischen den drei vorderen Gängen nicht mehr hin- und her schalten konnte. Es stellte sich heraus, dass wie bei Fabian in Botswana die Hülle des Schaltkabels kaputt war. Zusammen mit einem Mechaniker konnten wir die Hülle ersetzen, damit wieder alle Gänge verfügbar waren. Jeden Tag sind wir froh über die englische Sprache, welche die meisten Leute in Simbabwe beherrschen, nebst den über zehn gesprochenen Lokalsprachen. Vor der Kolonialisierung der Briten hiess diese Region Rhodesien.

Zum ersten Mal fanden wir einen Bach mit Wasser und konnten uns so vom Staub und Schweiss des anstrengenden Tages befreien, bevor wir das Zelt vor Ort aufstellten.

In der Nacht zog ein Gewitter an uns vorbei, aber ausser ein wenig Wind bekamen wir nichts ab. Morgens war jedoch der Himmel bedeckt und während dem Frühstück fing es an leicht zu regnen. Wenig später stoppte der Regen wieder und nach dem Mittag kam die Sonne wieder zum Vorschein.

Überall liefen Männer, Frauen und Kinder mit ihren schönsten Kleidern zur nächsten Kirche. Religion ist in Simbabwe wichtig und immer wieder sahen wir Gottesdienste. Diejenigen, welche nicht in die Kirche gingen oder bereits zurück waren, tranken fleissig Bier in einer der vielen Bars in den Dörfern. Vielfach werden wir von angetrunkenen Männern angesprochen, da sie sich genug Mut angetrunken haben.

Leider glich die Strasse stellenweise einem Flickenteppich und dies war für uns sehr unpraktisch, da wir heftig durchgeschüttelt wurden. Die Landschaft wurde stetig grüner und hügliger. So gewannen wir kontinuierlich an Höhe und befanden uns nun definitiv im Hochland. Zum Abendessen bereitete eine junge Frau zwei Portionen frische Pommes Frites für uns zu, obwohl sie eigentlich gar nicht kochen wollte.

Wir gewannen weiterhin an Höhe und immer wieder hatten wir eine wunderbare Aussicht auf die Umgebung, da sich die Strasse auf einer Art Rücken befand. Nach jeder Kurve sahen wir neue Hügel, Felsformationen und Wälder in der näheren Umgebung.

Bei einer Pause verpflegten wir uns bei einem kleinen Kiosk. Während dem Essen fragte uns ein 11-jähriger Junge woher wir kommen, wie wir heissen und viele weitere Fragen. Er war extrem selbstbewusst und intelligent. Es war beeindruckend wie aufgeweckt und neugierig dieser Junge den Austausch mit uns, zwei wildfremden Touristen, suchte.

Kurz vor unserem geplanten Tagesziel auf fast 2000 Meter über Meer, fuhren wir durch eine Art Allee mit Flachdachakazien, welche ihren Schatten fast über die gesamte Strasse warfen. Bei einem Bauernhof mit Laden und Restaurant, kamen wir mit einer Familie aus Harare, der Hauptstadt Simbabwes, ins Gespräch. Patrick und Tracy verbrachten zwei Wochen ihres Urlaubs in der kühlen Bergregion im Osten des Landes. Nach einem kurzen Gespräch, lud uns das Paar in das Ferienhaus ein, in welchem sie hausten.

So fuhren wir die restlichen sechs Kilometer auf einer hügligen Schotterstrasse bis zum Haus in einem wunderschönen Wald mit einem kleinen Bach. Die Luft war frisch und roch stark nach den Eukalyptusbäumen in der Gegend.

Von Anfang an wurden wir in die vierköpfige Familie integriert und mit leckerem Essen verwöhnt. Wir kamen in den Genuss einer heissen Dusche und bekamen sogar unser eigenes Zimmer in einer separater Hütte.

Wie bereits beim Abendessen, genossen wir auch beim Frühstück wieder die gemütliche Atmosphäre und den interessanten Austausch mit dem Lehrerpaar. Trotz Familienzeit mit dem Baby und dem 4-jährigen Sohn Elijah, nahmen sich Patrick und Tracy Zeit, sich mit uns den Mutarazi Wasserfall anzuschauen. Die Fahrt dauerte über eine Stunde, da ein Teil der Strecke über eine hüglige Schotterstrasse führte. Dies mit dem Fahrrad zu meistern, hätte uns und unseren Fahrrädern alles abverlangt. Darum schätzten wir die Geste umso mehr. Nach einer Fahrt durch viele grössere Pfützen und einem dichten Regenwald, erreichten wir den Wanderweg, welcher zum 762 Meter hohen Wasserfall führt. Wir bezahlten die Gebühr für den Nationalpark und liefen dem schönen Pfad entlang. In den letzten Jahren wurde ein Skywalk und eine Zip Line oberhalb des zweitgrössten Wasserfalls Afrikas und dem sechstgrössten der Welt installiert. Die beiden Adrenalinoptionen waren uns zu teuer, aber vom Beginn der Brücke sahen wir den kompletten Wasserfall direkt von der Abflusskante. Auf dem Weg zum Aussichtspunkt, von welchem man den Wasserfall und das darunterliegende Honde-Tal sehen kann, zog Nebel auf und wir konnten nicht mehr weiter als 50 Meter sehen. Trotz längerem Warten verzog sich der Nebel nicht mehr und wir liefen zurück zum Auto. Zum Glück sahen wir zu Beginn den Wasserfall von oben und konnten einen Blick ins Tal ergattern.

Auf dem Rückweg stoppten wir bei einem Restaurant mit dazugehöriger Forellenfarm für ein Getränk. Dort entschieden wir uns am gleichen Tag noch den Versuch zu starten, den höchsten Berg Simbabwes zu besteigen. Das Unterfangen war zeitlich sehr mutig, aber wir wollten es zumindest versuchen, da es am Folgetag mit den Fahrrädern und dem Gepäck viel mühsamer gewesen wäre zum Ausgangspunkt zu gelangen. So hielten wir am Strassenrand die Daumen hoch, um eine Mitfahrgelegenheit bis zum Eingang in den Nationalpark, etwa 30 km entfernt zu bekommen. Nach wenigen Minuten kam ein Minibus mit Anhänger, welcher noch zwei Plätze frei hatte. Trotz einem längeren Halt und langsamem Tempo bergwärts, erreichten wir das Ziel relativ zügig.

Beim Eingang in den Nationalpark fragen wir, ob viele Autos zum Start des Wanderwegs (13 km entfernt) fahren. Leider meinte die freundliche Frau, dass unter der Woche fast keine Touristen hochfahren. Ausserdem ist ein Guide für die kurze Wanderung zum Gipfel (3.5 km & 350 Hm) obligatorisch, weil sich viele Leute aufgrund des häufig vorherrschenden Nebels verlaufen. Ausserdem gibt es viele mystische Geschichten über den Berg. Sogar der Besuch beim zuständigen Chef des Nationalparks ergab keine preiswerte Transportmöglichkeit. So entschieden wir uns diesen Berg nicht zu besteigen, da es uns zu mühsam und zu teuer war.

Auf dem Rückweg zur Hauptstrasse kühlten wir uns in einem wunderschönen natürlichen Pool ab und fuhren mit zwei weiteren Mitfahrgelegenheiten zurück zur Kreuzung. Von dort liefen wir im halbdunkeln die etwa 6 km zurück zum Ferienhaus. Dort wartete die Familie bereits mit dem Abendessen auf uns. Wir genossen erneut die netten Gespräche und lernten sogar noch den Vater von Patrick mit seiner Frau kennen.

Beim Frühstück meinte Gael, die Frau von Patricks Vater Nick, dass wir von hier in 100 km ihren Bruder und seine Frau erreichen würden. Die beiden sagten schnell zu und so hatten wir ein Tagesziel, welches uns natürlich umso mehr motivierte. Wir verabschiedeten uns, bedankten uns bei allen für die tolle Gastfreundschaft und fuhren wieder zurück auf die Asphaltstrasse. Patrick, ein angefressener Mountainbiker, begleitete uns sogar noch ein Stück.

Den grössten Teil des Tages konnten wir lange Abfahrten geniessen wie nie zuvor auf dieser Reise. Währenddessen bestaunten wir die hüglige und felsige Umgebung. Leider war viel Wald bereits abgeholzt und man kann nur hoffen, dass dies nicht noch weiter zunimmt, da sonst das Mikroklima im Hochland sich permanent verändern könnte.

Neben der Holzindustrie wird in dieser Region dank dem speziellen Klima Tee, Kaffee und sogar Tabak angebaut. Simbabwe war früher der drittgrösste Tabakexporteur weltweit.

In den vorbeifahrenden Autos sahen wir in dieser Region auch vermehrt weisse Einheimische, welche das angenehme Klima als Abwechslung zu den lauten und staubigen Städten genossen.

Seit ein paar Tagen haben wir die geplante Route verlassen und eine Zusatzschlaufe in den nördlichen Teil des Hochlandes unternommen. Diese Schlaufe ist etwa 415 km mehr als ursprünglich geplant. Da wir motiviert und gut im Zeitplan sind, nahmen wir zusätzliche Höhenmeter und Distanz gerne in Kauf.

Trotz den fast 2’000 Metern, die wir abwärts fuhren, summierten sich die Höhenmeter aufwärts ebenfalls auf über 1’000. Nach einem weiteren Pass erreichten wir mit Mutare, die drittgrösste Stadt des Landes direkt an der Grenze zu Mozambique. Wir kämpften uns durch das Chaos der Stadt und wenige Kilometer später erreichten wir das Grundstück von Gaels Bruder uns seiner Frau.

Herzlich wurden wir vom älteren Pärchen empfangen und gleich einquartiert. Wir konnten eine warme Dusche geniessen, trotz der ausgefallenen Wasserversorgung infolge eines heftigen Sturms vom Vortag. Ein Blitz hat den Motor der Pumpe des Bohrlochs zerstört. Wir bekamen je ein eigenes Bett und durften das köstliche Hühnchen-Curry und den tropischen Fruchtsalat aus dem eigenen Garten zum Abendessen geniessen.

Wir genossen während den zwei Tagen die Beine zu entspannen und einfach nichts zu tun. Genau eine solche Pause brauchten wir nach den intensiven Tagen auf dem Sattel. Durch die Gespräche mit unseren Gastgebern lernten wir viel über das Leben in Simbabwe und die Geschichte des Landes. Für uns war es spannend die Ansicht der weissen Bevölkerung zu hören, da sich unser Austausch bisher auf die schwarze Bevölkerung beschränkte. Beide möchten nicht im Internet erscheinen. Darum haben wir keine Bilder vom Haus oder den Beiden im Blog veröffentlicht.

Zum ersten Mal seit der Ankunft in Namibia konnten wir unsere Kleider in einer Waschmaschine waschen. Immer wieder wird uns bewusst, wie glücklich wir uns in der Schweiz schätzen dürfen. Fast jede Wohnung oder sicher jedes Haus besitzt eine Waschmaschine. In Afrika ist dies ein Luxusgut und aufgrund fehlender Stromversorgung fehlt bereits die Grundvoraussetzung.

Vor der Landreform war das Geschäft unserer Gastgeber um ein Vielfaches grösser. Glücklicherweise konnten sie in letzter Zeit wieder wachsen. Die Landreform begann 1980 und der Zweck war die Rückverteilung des Landes, welches seit der Kolonialzeit ungleichmässig zwischen der weissen und schwarzen Bevölkerung verteilt wurde. Damals nahmen sich 4’400 Weisse 51% des fruchtbarsten Landes und die 4.3 Millionen Schwarze bekamen 42% des trockenen und unproduktiven Landes. Durch die gewaltvolle Rückverteilung des Landes ging viel nützliches Wissen verloren, da weisse Bauern das Land verliessen. So wurde Simbabwe von einem grossen Exporteur zu einem Importeur von Lebensmitteln. Viele Leute sind seither sogar auf internationale Nahrungsmittellieferungen angewiesen. Der einzige Vorteil dieser durch Robert Mugabe angetriebenen Reform war die soziale und wirtschaftliche Aufbesserung des Lebensstandards für einen Teil der nicht-weissen Bevölkerung.

Robert Mugabe war von 1987-2017 Präsident von Simbabwe. Zu Beginn seiner politischen Karriere war er Marxist-Leninist und danach Sozialist. Mugabe wurde in eine arme Familie geboren und überraschte in seinen vielen Jahren als Präsident durch Geldgier, Gewalt und Unterdrückung. Er ging als Diktator und Tyrann in die Geschichtsbücher ein. Leider hat sich bezüglich Korruption nicht viel bewegt seit seinem Abgang. Immerhin ist die Gewalt weg und es herrscht relativer Frieden.

Das ältere Pärchen unterhält hobbymässig einen Bonsaigarten und einen gepflegten Gemüse- und Kräutergarten. Sie kocht mit Leidenschaft und findet fast alle Zutaten im grossen Garten neben dem Haus. Ausserdem bekamen wir sogar Malariaprophylaxe und ein Medikament, falls wir krank werden.

Es folgt ein Realbeispiel der Hyperinflation aus dem Jahr 2008 in Simbabwe, damit man sich das Ausmass vorstellen kann. Eine Frau ruft eine Verkäuferin auf dem Markt in der Stadt an, ob es noch Kohl im Angebot hat. Es wird ihr bestätigt, dass der Kohl 1 US Dollar kostet. Also macht sich die Frau mit dem Bus auf den Weg in die Stadt. Nach 30 Minuten erreicht die Frau den Markt und will den Kohl kaufen. Leider kostet der Kohl mittlerweile bereits 10 Dollar. Die Frau kauft den Kohl und will sich auf den Heimweg machen. Doch als sie in den Bus einsteigen will, erfährt sie, dass die Busfahrt inzwischen ebenfalls 10 Mal teurer ist und sie den Bus nicht mehr bezahlen kann. So hat die Hyperinflation den Leute in Simbabwe ihr Erspartes in wenigen Stunden wertlos gemacht.

Der Rekordwert der monatlichen Inflation lag bei fast 80 Milliarden Prozent. Das heisst innerhalb eines Jahres wurden Noten zwischen 10 Dollar und 100 Milliarden Dollar gedruckt. Die höchste je gedruckte Note war 100’000’000’000’000 (Billionen) Dollar. Insgesamt wurden 4 Mal neue Noten gedruckt, aber immer wieder folgte eine extreme Entwertung. Zwischenzeitlich wurden fast 10! ausländische Währungen gleichzeitig akzeptiert, bis der US Dollar als offizielle Währung eingeführt wurde. Vor etwa einer Woche wurde erneut eine neue Währung eingeführt, welche aber physisch noch nicht existiert. Schlussendlich bereichert sich die Elite mit jeder Neueinführung und die Bevölkerung verliert ihr Erspartes, aufgrund unvorteilhafter Umrechnungen und dem zeitnahen Verbot der alten Währungen.

Ungern verliessen wir das kleine Paradies wieder. Wir genossen die Pause, das gute Essen und die netten Gespräche extrem. Bestimmt werden wir noch viele Male an diesen Aufenthalt und die Gastfreundschaft zurückdenken.

Der Himmel war immer noch bedeckt und ab und zu nieselte es. Auf den ersten 60 km ging es mehrheitlich bergab und wir kamen gut vorwärts. Danach stärkten wir uns in einem kleinen Restaurant, bevor wir die Abzweigung in die Berge nahmen.

Die verkehrsarme Strasse führte uns entlang eines Tales. Überall waren Leute auf den Feldern und arbeiteten. Die meisten Leute winkten uns zu und schrien etwas in unsere Richtung. Nach einem Pass folgten wir einem kleinen Fluss. Uns gefiel diese Gegend, da immer mehr Berge zum Vorschein kamen. Zum Schluss ging es nochmals steil hoch über mehrere Kilometer. Schlussendlich hatten wir über 120 km und fast 2’000 Höhenmeter abgespult, was neuer Cape2Cape Rekord bedeutete!

Der Tag war jedoch noch nicht vorbei, da wir die Fahrräder bei einem kleinen Laden deponierten und je eine Tasche und den Rucksack packten. Kurz darauf nahm uns ein Auto nach Chimanimani mit. Der Plan war dort am Folgetag eine Wanderung zum höchsten Berg von Mozambik zu unternehmen. In diesem Bergdorf assen wir das mitgegebene Abendessen und kauften Proviant für den Wandertag ein. Wir fragten den Ladenbesitzer, ob wir im Laden übernachten durften. Timothe meinte das würde gehen, aber wir sollen doch besser bei ihm zuhause schlafen. Also fuhren wir mit ihm und seiner Frau mit dem Auto zu seinem Haus und bekamen sogar ein eigenes Zimmer. Unglaublich wie viel Gastfreundschaft wir in den letzten Tagen erleben durften.

Um 6:30 klingelte der Wecker und wir machten uns bereit für einen Wandertag. Timothe wollte um 7 Uhr seinen Laden öffnen und wir durften gleich mit ihm mitfahren. Natürlich dauerte alles ein bisschen länger, da er sich für die Kirche schön anzog und den einen Pneu des Autos pumpen musste. So deponierten wir einen Teil des Gepäcks in seinem Laden und suchten ein Auto, welches uns bis zum Nationalpark brachte. Schnell fanden wir Paul, der uns für 20 US Dollar hin- und zurück fuhr. Paul tankte 10 Liter Benzin und es konnte losgehen. Der erste Teil der Strasse war noch asphaltiert, aber danach wurde die Strasse schmaler, steiler und führte letztendlich sogar noch durch einen Bach.

Am Ziel liefen wir los in Richtung Parkeingang. Dort bezahlten wir den Parkeintritt und den obligatorischen Guide. Simba, der Manager, war über unser Vorhaben den Mount Binga (2435m) in einem Tag zu erwandern mehr als erstaunt. Normalerweise wird der Berg von ganz unten in zwei Tagen bestiegen. Nach einer kurzen Diskussion fanden wir einen Guide, der anscheinend fit genug war mit uns die 1500 Höhenmeter und über 10 km hoch und wieder runter zu gehen. Gift, (ja er heisst wirklich so) war unser Guide und kam nur mit einer Kalaschnikow (AK-47) bewaffnet auf die Wanderung. Der Grund für die Waffe sind Migranten aus Mozambik und illegale Goldgräber.

Wegen unserem sportlichen Plan, legte Gift von Anfang an ein hohes Tempo vor und wir erreichten die Berghütte nach etwa einer Stunde. Das Wetter wurde immer besser und wir sahen die wunderschöne Hochebene mit Wiesen, verschiedenen Felsformationen und glasklaren Bächen. Mit nur kurzen Pausen kamen wir zügig voran. Ab und zu meinte Gift, dass es vielleicht nicht zum Gipfel reichen würde. Wir versuchten ihm immer gut zuzureden, da er uns auf halbem Weg erzählte, dass er den Gipfel noch nie in einem Tag bestiegen hatte.

Kurz vom dem Gipfel wurde Gift immer langsamer und meinte wir sollen schon vorgehen. So legten wir die letzten Höhenmeter alleine zurück und erreichten den Gipfel vor 14 Uhr. Leider war die Sicht bescheiden und wir sahen nicht auf die andere Seite nach Mozambik. Gift schaffte es nicht auf den Gipfel und wir starteten den Abstieg. Unterwegs gaben wir ihm ein paar Kekse, da er nichts Essbares dabeihatte. Die Wolken verzogen sich und plötzlich hatten wir eine tolle Aussicht auf die andere Seite der Grenze.

Nach fast 8 Stunden waren wir zurück beim Parkeingang und schon bald nach dem Anruf kam unser Fahrer. Leider schaffte er es nicht ganz hoch, da sein Auto auf der schlechten Piste immer wieder am Boden anhängte. Wir schoben ihn heraus und fuhren zurück nach Chimanimani. Dort suchten wir Timothe auf und durften nochmals bei ihm übernachten. Der lange Tag endete mit einem gemeinsamen Abendessen und Tee.

Nach einem Tee mit frischem Zitronensaft und der Verabschiedung von Timothe und seiner Frau, fanden wir schnell ein Taxi, welches uns für 1 US Dollar zurück zu unseren Fahrrädern brachte. Unser Material war noch im kleinen Laden und wir wurden einmal mehr in unserem Gefühl bestätigt, dass man den Leuten in Simbabwe zu 100% vertrauen kann. Nie wurden wir übers Ohr gehauen.

Nachdem wir unsere Taschen wieder gepackt hatten, fuhren wir weiter in Richtung Süden. Zuerst ging es noch einige Kilometer bergauf, bevor wir lange Abfahrten geniessen konnten. Dank dem sonnigen Wetter konnten wir die grünen, meistens noch bewaldeten Hügel und die kleinen Siedlungen in den steilen Hängen bestaunen. In dieser Region wachsen viele Bananenstauden und es werden überall Avocados und Süsskartoffeln am Strassenrand verkauft.

Aufgrund des anstrengenden Fahrradtages und der anspruchsvollen Wanderung vom Vortag, merkten wir unsere müden Beine. Aufgrund der Beanspruchung unterschiedlicher Muskelpartien, hatten wir sogar Muskelkater.

In Chipinge, der letzten Stadt vor der 40 km entfernten Grenze, wollten wir in einem grossen Supermarkt unser Mittagessen einkaufen. Leider funktionierte das Gerät für unsere Karte nicht und wir wollten nicht unsere letzten US Dollar, welche wir aus der Schweiz importierten, für den Einkauf ausgeben. Wir machten uns Sorgen, ob diese für den Grenzübertritt und auf der anderen Seite der Grenze bis zum ersten Bankomaten reichen würden. Seit längerem wissen wir, dass seit 2024 Schweizer und andere Nationalitäten kein Visum mehr für Mozambik beantragen müssen. Nun kriegt man dieses direkt an der Grenze. Leider fanden wir keine Informationen über den Preis, da diese Regelung noch neu ist. Schlussendlich assen wir wieder «sadza» in einem kleinen Restaurant für den Bruchteil des Geldes, welches wir im Supermarkt bezahlt hätten.

Kurz vor dem Verlassen der Stadt trafen wir «Jeans», eine kanadische Fahrradfahrerin, die ebenfalls durch Westafrika und das südliche Afrika geradelt ist. Wir tauschten uns aus, bis wir weiter mussten, da die Sonne bereits am Horizont unterging. Plötzlich verschwand die qualitativ gute Asphaltstrasse und eine rote, viel schmalere Piste folgte. Kurz darauf konnten wir unser Zelt zwischen einem Restaurant und einem kleinen Laden aufstellen.

Nach der ersten Nacht im Zelt seit einer Woche war morgens schon wieder früh Betrieb um uns herum. Dank des Feuers vom Restaurant und dem Laden neben unserem Schlafplatz, konnten wir sogar Rührei zum Frühstück zubereiten. Beim Bezahlen mussten wir wieder mal unfreiwillig Süsses kaufen, da die Summe nicht auf einen ganzen Dollar kam. US Dollar ist zwar die offizielle Währung, aber der 1-Dollar Schein ist die kleinste Einheit und Münzen gibt es in Simbabwe nicht. Das Gute ist, dass man die Süssigkeiten auch wieder zurück geben kann, um einen Betrag abzurunden. Vor dem Start gab es noch ein Fotoshooting mit allen Anwesenden und wir merkten wiedermal wie speziell es für die Leute in Simbabwe ist, Weisse zu sehen. Insgesamt wohnen nur ein paar Tausend im Land und machen somit eine kleine Minderheit aus.

Jedes vorbeifahrende Auto wirbelte Staub auf und wir wurden regelrecht paniert. Vor der Grenze wurde die Strasse immer schmaler und nach dem letzten Anstieg waren wir plötzlich von einem Regenwald umgeben. Am Schluss verschwand der Asphalt komplett und wir mussten uns wie in Liberia in der Regenzeit durch den Schlamm kämpfen. Die Ausreise war unkompliziert und effizient.

Mit Simbabwe verliessen wir ein Land mit extrovertierten, freundlichen und hilfsbereiten Menschen. Dank den unzähligen Gesprächen und Begegnungen fiel uns das Reisen sehr einfach und Simbabwe ist definitiv eines der interessanteren Ländern auf unserer Reise.

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