Südafrika

Südafrika Teil I vom 6.– 19. Mai 2024:

Um offiziell nach Südafrika zu gelangen und damit unser vorletztes Land vor unserem Ziel zu erreichen, dauerte nicht lange. Wie immer spielten wir mit unserem Lautsprecher die Nationalhymne, bevor wir mit dem Radfahren begannen. Die Einwanderungsbeamten waren über diese Geste äusserst erfreut. Ein Mann sagte gerührt, dass es ihm leid tue, dass er nicht singen könne, da er während seiner Arbeit seinen Hut nicht abnehmen dürfe.

Bis zur ersten Stadt mussten wir etwas mehr als 20 km radeln und hatten zwei Optionen. Eine Straße war ohne Asphalt und die andere war teilweise asphaltiert, aber in keinem guten Zustand. Wir entschieden uns, die zweite Option zu probieren und stellten fest, dass die Strasse nur am Anfang und am Ende asphaltiert war. Die Straße führte uns durch riesige Kiefern- und Eukalyptuswälder, die als Monokulturen wieder aufgeforstet wurden. Von Zeit zu Zeit sahen wir große Bauernhöfe und landwirtschaftliche Felder mit Mais und anderen Pflanzen.

Am frühen Nachmittag erreichten wir Piet Retief. Für uns fühlte es sich an wie in Europa. Südafrika ist der am weitesten entwickelte Wirtschaftsraum in Afrika und hat eine der besten Infrastrukturen weltweit. Es gab mehrere Einkaufszentren, Ampeln und viele Fast-Food-Restaurants und wir sahen viele Menschen mit dem gleichen Hautton wie wir. Südafrika hat die grösste europäischstämmige Bevölkerung des Kontinents mit ungefähr 9%. Die Auswahl im Super Spar war anfangs überwältigend. Hier konnten wir fast alles kaufen, was wir von zu Hause gewohnt waren. Es fühlte sich nicht so afrikanisch an wie die meisten Länder, die wir bisher mit dem Fahrrad bereist haben.

Nach einer kalten Nacht brauchten wir eine Weile, um uns zu motivieren aus dem warmen Schlafsack zu kriechen. Der zweite Tag in Südafrika ging ähnlich weiter wie der vorherige aufgehört hatte. Irgendwie war es traurig zu sehen wie die Natur durch diese Monokulturen verschandelt wurde. Wir sahen fast keine Vögel oder andere Wildtiere.

In Paulpietersburg fanden wir nach längerer Suche ein Supermarkt, der Pommes verkaufte. Ansonsten fanden wir nur Restaurants die viel Fleisch mit wenig Beilagen verkauften. Währenddem wir die frittierten Kartoffeln assen, wurde kiloweise Fleisch verkauft und Schweinsköpfe geliefert. Die Südafrikaner lieben Fleisch.

Die Distanzen zwischen den Städten waren wieder grösser und wir mussten und daran gewöhnen zu schauen, wann der nächste Supermarkt kommt. Bei einem Bauernhof wollten wir die Besitzer fragen, ob wir das Zelt auf ihrer Wiese aufstellen konnten. Die Familie kam aus dem Haus, sahen uns, aber führten ihr Gespräch fort, ohne uns nur die winzigste Aufmerksamkeit zu schenken. Nach einer Weile fragte Adi, ob ihnen das Land gehört. Sie meinten ja und sagten wir können gerne unser Zelt aufstellen. Das war es bereits mit der Unterhaltung. Wir stellten unser Zelt auf und die Familie fuhr weg, da sie anscheinend an einem anderen Ort wohnten. Eine so komische Begegnung hatten wir in ganz Afrika noch nicht und wir waren ein bisschen schockiert. Immerhin war der (schwarze) Sicherheitsmann gewohnt freundlich und hilfsbereit.

Fabians Nacht war leider wenig erholsam, da er mehrere Male erbrechen musste und der Magen rumorte ebenfalls gewaltig. Am Morgen fühlte er sich zum Glück etwas besser. Der Appetit war noch nicht so gross, aber wir konnten weiterfahren.

Die Landschaft wurde tendenziell flacher, obwohl wir immer noch auf über 1200 Meter über Meer waren. Die aufgeforsteten Wälder verschwanden und Maisfelder und Trockenwiesen umgaben uns so weit das Auge reicht.

Bei einer Pause kamen wir mit einer Frau ins Gespräch. Bereits zum wiederholten Mal spürten wir die Spannung zwischen weiss und schwarz aus ihren Erzählungen heraus. Zum Teil waren die Aussagen auch klar rassistisch. Wir versuchen weiterhin dies nicht zu werten und uns einfach so zu benehmen, wie bisher in den vorherigen afrikanischen Ländern.

Während einer längeren Pause vor einem Einkaufszentrum, kamen wir mit mehreren Männern ins Gespräch. Sobald wir das Eis brechen und eine Unterhaltung starten ist der Austausch für uns wie gewohnt. Wir haben das Gefühl, dass die Leute offener und kommunikativer sind, sobald sie wissen, dass wir nicht aus Südafrika sind.

Das Zelt konnten wir nach einer nebligen und somit feuchten Nacht nicht gleich morgens einpacken. So trockneten wir es direkt am Strassenrand. Die vorbeifahrenden Leute staunten nicht schlecht, als sie die zwei Touristen im Busch mit einem Zelt sahen.

Fabian ging es schon wieder viel besser und so kamen wir im mehrheitlich flachen Gelände schnell vorwärts. Nach etwa zwei Stunden erreichten wir eine Hauptverkehrsachse mit viel Schwertransportern. Leider war der Pannenstreifen wegen einer Baustelle zum Ausbau der Strasse blockiert und es war zum Teil schon sehr eng, wenn die Lastwagen uns überholten und auf der Gegenseite ebenfalls ein Lastwagen mit Anhänge auf uns zu kam.

Trotzdem erreichten wir Ladysmith vor dem Mittag. Während dem Mittagessen sprachen wir mit dem Sicherheitsmann und fragten ihn, wo wir unsere Fahrräder für einen Tag sicher einstellen konnten. Zuerst meinte er, es sei möglich auf dem Areal des Einkaufszentrums, aber dies stellte sich später als zu umständlich heraus. Kurz darauf fanden wir ein Hotel, wo wir die Fahrräder in einem Raum deponieren konnten. Unser Ziel waren die Tugela-Fälle, etwa 100 km entfernt. Wir entschieden uns diesen Ausflug per Anhalten zu unternehmen.

Also kauften wir Proviant ein, schrieben auf ein Schild die nächste Stadt auf dem Weg und stellten uns an den Strassenrand. Bereits nach wenigen Minuten sagte uns ein Mann wir müssten an einem anderen Ort stehen, da uns hier niemand mitnimmt. Etwa 1 km weiter standen noch andere Männer und Frauen mit Schildern in der Hand und so wussten wir, dass wir richtig standen. Kurz darauf hielt ein Pickup und nahm uns und drei Frauen auf der Ladefläche für etwa eine Stunde mit. Nach vier weiteren Mitfahrgelegenheiten waren wir bereits am wunderschönen Campingplatz, direkt unterhalb der Bergkette angekommen. Für die letzten Kilometer nahm uns sogar ein Mitarbeiter des Campings mit, da es sonst fast keine Autos hatte die bis zum Ende der Strasse fuhren.

Nach einer ruhigen Nacht, liefen wir motiviert los in Richtung Tugela Falls. Der fünfstufige Wasserfall erreicht eine Höhe von 948 Metern. Somit ist er nach dem Salto Angel in Venezuela der höchste Wasserfall der Erde. Zusätzlich ist es der höchste mehrstufige Wasserfall der Erde. Die Berge um den Campingplatz inklusive Wasserfälle gehören zum Royal Natal Nationalpark. Dieser ist Teil des Ukhahlamba-Drakensberg Park, welcher zum UNESCO-Welterbe zählt. Die Drakensberge sind das höchste Gebirge im südlichen Afrika und erreichen maximal 3482 Meter.

Der Wanderweg stieg langsam an und führte uns mehr oder weniger parallel zum tiefer gelegenen Bach näher an die markante Bergkette. Nach einer Weile liefen wir durch dicken, dschungelartigen Wald, in welchem wir viele Paviane sahen und vor allem hörten. Nach etwa zwei Stunden erreichten wir das Bachbett, wo sich das Tal aufspaltete. Die eine Seite führte zu den Wasserfällen durch eine enge und mit Wasser gefüllte Schlucht. Die andere Option war eine offiziell geschlossene Leiter, die über einen Buschpfad weiter oben zurück zum Bachbett führte. Wir nahmen natürlich diesen Pfad und erreichten so etwa eine Stunde später einen Punkt, von welchem wir den oberen Teil der Fälle sehen konnten. Aufgrund des niedrigen Wasserstandes konnten wir den Wasserfall nur mit dem Feldstecher klar erkennen, darum ist er auf den Fotos nicht sichtbar.

Auf dem Rückweg kühlten wir uns in einem der Becken ab und genossen die fantastische Umgebung. Nicht viele Touristen waren auf diesem Pfad unterwegs. Von Paul und Anne erhielten wir nützliche Tipps und kamen so ins Gespräch. Wie es der Zufall wollte, studiert ihr Sohn Connor momentan in Luzern. Das nette südafrikanische Pärchen nahm uns mit zurück zum Camping und lud uns auf ein Bier ein. Aufgrund der unterhaltsamen Gespräche vergassen wir fast die Zeit. Denn unser Tagesziel war wieder zurück zu unseren Fahrrädern zu kommen.

Wir liefen zurück zur einzigen Strasse, welche aus dem Tal führt. Nach etwa einer Viertelstunde kam ein Pickup und holte alle Mitarbeiter des Campings und der umliegenden Lodges ab und wir durften ebenfalls mitfahren. Während der Fahrt äusserte der eine junge Mann bedenken, ob wir es wirklich noch am selben Tag zu unserem Gepäck schaffen. Er meinte es sei zu gefährlich für uns bei Dunkelheit per Anhalten zu reisen und lud uns in sein Haus ein für die Nacht. Wir wollten es zumindest bis es dunkel war versuchen. Eine Frau, die ebenfalls im Pickup war, half uns eine weitere Mitfahrgelegenheit in die nächste Stadt zu finden. Auch sie war besorgt um unsere Sicherheit und langsam sickerten diese Bedenken auch in unsere Köpfe. Glücklicherweise hielt kurz darauf John an und nahm uns ein grosses Stück mit. Interessanterweise war John aus Nigeria und sehr erstaunt Reisende «unserer Sorte» zu treffen. Er half uns sogar für das letzte Stück ein Fahrzeug zu finden und wurde mit einem Polizisten sehr schnell fündig. Dieser erzählte uns aus seiner Sicht wie viel Gewalt und Kriminalität in dieser Region und überall in Südafrika vorhanden ist. Südafrika hat einer der höchsten Tötungsrate der Welt. Es werden pro 100’000 Einwohner fast 70 Mal mehr Menschen getötet pro Jahr als in der Schweiz. Müde und hungrig erreichten wir unsere Fahrräder und fanden in der Nähe eine Unterkunft.

Nach einer unruhigen Nacht im mit Moskitos ausgestatteten Zimmer, fuhren wir weiter südlich. Bei einem Bauernladen legten wir eine Pause ein, genossen Bananenbrot und deckten uns mit verschiedenem Trockenfleisch ein. Nach einem langen Anstieg und einer kurzen Abfahrt erreichten wir die Stadt Estcourt.

John gab uns dort einen Kontakt bei einem Busunternehmen. Unser Ziel war wieder die Fahrräder zu deponieren und per Anhalter in ein anderes Bergtal zu gelangen. Schlussendlich konnten wir die Fahrräder und den grössten Teil unseres Gepäcks in einer Werkstatt deponieren. Der nette Besitzer beauftragte seinen Sohn uns zu einer Tankstelle zu fahren, um von dort ein Auto in die gewünschte Richtung zu finden. Schlussendlich fuhr uns der nette Man mit indischer Abstammung noch einiges weiter. Von dort fanden wir schnell einen Bus, der uns ein gutes Stück mitnahm. Im letzten grösseren Ort vor den Bergen, kauften wir Proviant für 2-3 Tage ein und fanden einen Imbiss mit leckeren Shawarmas und Pommes.

Anschliessend fanden wir einen anderen Bus, der uns bis zum letzten Haus im letzten Dorf fuhr. Auf dem Weg sahen wir viele Menschen auf dem Rückweg von der Kirche oder vom Besuch bei Freunden. Vor allem die Frauen waren farbenfroh gekleidet und einige hatten eine aus Erde und Wasser hergestellte Creme im Gesicht aufgetragen. Von dort fuhr kein Auto weiter bis zum Campingplatz, den wir als Ziel definierten. Darum verhandelten wir mit dem einzigen Taxifahrer um den Preis für die 13 km lange und hüglige Strecke. Nach etwa 30 Minuten konnten wir uns einigen und fuhren immer näher zur eindrucksvollen Bergkette, während wir den Klängen von südafrikanischer Musik lauschten. Der Fahrer Mzo und sein Freund hatten einen guten Humor und arbeiteten beide als Wanderführer oder Träger im Nationalpark. Nach etwa einer Stunde erreichten wir den Campingplatz bei Dunkelheit und bedankten uns für die holprige Fahrt.

Nach einer erholsamen, langen Nacht waren wir morgens überrascht über den Nebel und die Wolken in den umliegenden Bergen. Anscheinend zog eine Schlechtwetterfront über Nacht von der Küste in die Berge.

Bis zum Mittag genossen wir die Ruhe auf dem Campingplatz und tauschten uns mit anderen Gästen über die Wanderungen im Nationalpark aus. Danach liefen wir los in Richtung Centenery Hut, eine Berghütte, welche in etwa 11 km und 800 Höhenmeter Entfernung steht. Die Hütte ist in einem sehr schlechten Zustand und wir mussten alles ausser das Zelt mitnehmen.

Die Wanderung startete flach und führte durch eine Graslandschaft, bis plötzlich ein Fluss im Weg war. Es war ein Kabel über den Fluss gespannt und dies symbolisierte uns, dass wir wirklich durch das Wasser mussten. Es gab keine Stelle wo man über das Wasser hüpfen konnte. So mussten wir die Schuhe und sogar die Hosen ausziehen, um über den knietiefen Fluss zu gelangen. Danach führte uns der Weg durch hohes Gras. Manchmal sahen wir den Weg gar nicht mehr, da er so zugewuchert war. Vor einer kleineren Bachüberquerung legten wir eine Pause ein und genossen die felsige und schroffe Landschaft. Weiterhin folgten wir dem Wasser, bis uns der Weg nach etwa zwei Stunden steil hinauf führte. Wegen des Nebels sahen wir leider die ganz hohen Gipfel nicht. Nach dem steilen Anstieg erreichten wir die Hütte auf etwa 2300 m.

Die Hütte wurde zwar kürzlich renoviert, hatte aber weder einen Tisch, Stühle oder ein Klo. Es hatte vier Betten, aber die waren nicht in einem guten Zustand und Matratzen fehlten ebenfalls. Wir entschieden uns auf dem Boden unsere Isomatten auszubreiten und dort zu schlafen. Unsere Handytaschenlampen ermöglichten uns etwas zu sehen, denn nicht einmal eine Lampe war vorhanden.

Tagwache war um 5.45 Uhr, da ein langer Tag vor uns lag. Zuerst mussten wir etwa 900 Höhenmeter hochwandern, bevor wir die Grenze zwischen Südafrika und Lesotho erreichten. Vorher löste sich plötzlich der Nebel über uns auf und wir sahen einen imposanten Felsriegel. Darum waren die letzten 200 Höhenmeter bis zur Grenze ziemlich technisch und wir brauchten ab und zu unsere Hände, um die steilen Passagen zu überwinden. Ausserdem war die Wegfindung nicht immer ganz einfach.

Nach dem Steilstück erreichten wir eine Art Plateau, welche sich auf der Seite von Lesotho befand. Dort war die Landschaft wüstenartig und eher hüglig als felsig und steil. Bald sahen wir die ersten Pferde und Kühe, welche mutterseelenalleine die Ruhe in dieser einzigartigen Landschaft genossen. Nach einem Flachstück führte uns ein Schlussaufstieg zum Gipfel des Mafadi. Dieser Gipfel ist mit einer Höhe von 3450 m der höchste Berg in ganz Südafrika. Im Windschatten machten wir eine Pause und genossen die Aussicht auf das Nebelmeer und die steil abfallenden Felsen unter uns.

Um noch mehr dieser Gegend zu erkunden, entschieden wir uns, einen anderen Weg runter zum Campingplatz zu nehmen. So liefen wir fast zwei Stunden parallel zur Grenze und somit dem Felsriegel, bis zum Leslie’s Pass, wo es eine Unterbrechung der unüberwindbaren Felswand gab. Während einer kurzen Pause kam plötzlich ein junger Hirte auf uns zu. Er war in mehrere Tücher eingehüllt und trug Gummistiefel. Er fragte, ob wir Zigaretten haben. Sonst verstand er nicht viel englisch, aber ein Foto durften wir trotzdem machen.

Auf 3 km verloren wir etwa 1000 Höhenmeter und rutschten mehrfach auf dem lockeren Untergrund aus. Trotzdem schafften wir es durch dieses Steilstück und erreichten einen Biwakplatz. Von dort waren es nochmals mehrere Stunden entlang eines Baches und durch dickes Gebüsch. Mehrere Male verloren wir den Weg, bis wir ihn nach kurzer Suche wieder fanden. Wir fühlten uns wie in einem Miniurwald, da der Weg extrem überwuchert war. Nach über 10 Stunden, 31 km, 1500 m hoch und 2400 m runter, erreichten wir den Campinglatz müde, aber glücklich.

Mit starkem Muskelkater wachten wir auf und fragen an der Rezeption des Campings, ob es ein Fahrzeug gibt, das aus dem Bergtal fährt in den nächsten Stunden. Die nette Dame sagte uns, dass eine Frau aus der nächstgrösseren Stadt hochfährt und sie diese mit dem Pickup im letzten Dorf abholt. So konnten wir mit ihr bis dorthin mitfahren. Während der Wartezeit beobachteten wir die fallenden Blätter, denn der Winter wird in Kürze starten in Südafrika. Wir hatten in den Bergen meistens lange Hosen und eine Jacke getragen, da die Temperaturen teilweise nicht weit über dem Gefrierpunkt waren.

Zwei Stunden später war es soweit und wir durften mitfahren. Auf dem Weg klärte die Vize-Managerin des Campingplatzes sogar ab, ob bald ein Bus in Richtung Escourt, dem Einstellplatz unserer Fahrräder, fährt. Direkt nach unserer Ankunft im Dorf, kam tatsächlich ein Bus an, der uns ohne umzusteigen bis in diese Stadt brachte. So kamen wir für afrikanische Verhältnisse effizient vorwärts und erreichten in weniger als zwei Stunden den Zielort. Während der Fahrt bezahlt man in den Bussen die Fahrt, indem man der Person die vor einem sitzt, das Geld in die Hand drückt. Diese Person gibt es der nächsten Person, bis der Fahrer das Geld erhält. Das Rückgeld wandert auf derselben Weise wieder zurück zum Fahrgast. Dieses System funktioniert perfekt und man verliert nicht unnötig Zeit vor oder nach der Fahrt.

In Escourt packten wir unsere Taschen und bedankten uns bei J, für die sichere Lagerung unserer Transportmittel. Danach fuhren wir einen Hügel hoch und wieder runter. Unten merkten wir, dass wir unsere Abzweigung verpasst hatten, da es kein Schild hatte. Zu faul den Hügel wieder hochzufahren, entschieden wir uns auf die Autobahn auszuweichen. Es gab kein Verbotsschild für Fahrradfahrer und es hatte einen breiten Pannenstreifen. So sparten wir zwar keine Kilometer, aber viele Höhenmeter. Wahrscheinlich war die Autobahn eine der sichersten Strassen überhaupt, ausser auf einem Segment wo wir wegen eines Buschfeuers gar nichts mehr sahen und ein Lastwagen genau dort eine Panne hatte. In der übernächsten Ausfahrt verliessen wir die Autobahn wieder und setzten die Fahrt auf der Hauptstrasse fort.

Die Nacht neben einer Strasse auf der einen Seite und dem Gleis einer Zugstrecke auf der Anderen, war mit etwa 5°C eine der kältesten bisher. Aufgrund des wenigen Verkehrs und nur etwa drei Zügen in der Nacht, hatten wir trotzdem unsere Ruhe. Nach 5 km erreichten wir das kleine Dorf Nottingham Road. Dort fanden wir zu unserem Erstaunen ein topmodernes Café, welches man sonst nur in einer Grossstadt finden würde. Das Café war stark frequentiert und mehrere Einheimische fragten uns, wohin wir fahren. Wir genossen den Austausch und das Interesse der Südafrikaner/innen.

Nachdem wir im Spar Proviant für den Tag einkauften, starteten wir eine relativ spontane Abkürzung, welche uns nahe an die Grenze zu Lesotho brachte. Ursprünglich wollten wir die längere Route via Hauptstrasse fahren, aber schlussendlich entschieden wir uns für die ruhigere und kürzere Schotterstrasse.

Überraschenderweise waren trotzdem noch die ersten 30 km asphaltiert. Die Landschaft wurde immer eindrücklicher, wilder und hügliger. Bei einem Bauernbetrieb füllten wir unsere Wasserflaschen und kamen mit dem Manager der Kartoffelproduktion ins Gespräch. Der Hof produziert mehrheitlich Kartoffeln für die Aussaat. Pro Tag werden 40 Tonnen Kartoffeln produziert und das für ganze vier Monate pro Jahr.

Die Qualität der Schotterstrasse war mittelmässig und wir wurden immer wieder heftig durchgeschüttelt. Es folgte eine lange Abfahrt und vor dem nächsten längeren Anstieg fanden wir einen Platz für unser Zelt auf einer Weide mit toller Aussicht in die umliegenden Berge.

Es folgte ein längerer Anstieg mit einer tollen Aussicht als wir auf dem Pass ankamen. Nach einer holprigen Abfahrt erreichten wir das einzige Dorf auf der 100 km langen Schotterstrasse. Für weitere 30 km folgte die Strasse der Grenze des Maloti-Drakensberg-Nationalparks. Ausser einem Reh, sahen wir jedoch keine Wildtiere. Trotzdem genossen wir die Sicht auf die hohen Berge und die wilden Bäche, welche aus den Bergtälern abfliessen. Einmal kam uns sogar ein etwa 5-jähriger Junge auf einem Pferd entgegen, ohne Sattel oder Helm.

Um die Mittagszeit erreichten wir die Kreuzung, bei welcher eine Strasse nach Lesotho führt. Weil wir dringend Ruhetage benötigten, fuhren wir jedoch geradeaus nach Himeville. Dort fanden wir einen kleinen Imbiss, bei welchem wir einen leckeren Burger verdrückten. Ein paar Minuten später erreichten wir Underberg. Seit Maputo waren wir in Kontakt mit Cynthia und Jelle, welche hier wohnen und ein Profil auf der Plattform Warmshowers betreiben. Wir wurden herzlich im wunderschön gelegenen Haus empfangen und uns wurde gleich das Radlerzimmer gezeigt. Die beiden mögen den Austausch mit Reisenden und waren früher selbst mit dem Fahrrad unterwegs. Auch heute ist das ältere Pärchen noch mit Zelt und auf Offroad-Pisten unterwegs, jedoch mit dem Auto.

Während den zwei Pausentagen mit Sicht auf die Drakensberge, welche die Grenze mit Lesotho bilden, wurden wir kulinarisch verwöhnt. Zusätzlich genossen wir die interessanten Gespräche über Südafrika, Reisen und unsere kommende Route. Nachdem wir erzählt hatten, dass wir noch keinen traditionellen Grillplausch, genannt «Braai» erlebt haben, wurde der Grill eingefeuert und wir genossen südafrikanisches Rindfleisch und Boerewors (Bauernwurst mit Koriander). Ausserdem probierten wir verschiedene Biere aus Südafrika und durften Rotwein verkosten.

Am ersten Tag fuhren wir mit Jelle in den Maloti-Drakensberg-Nationalpark und spazierten entlang eines Baches, um die Berge und die Ruhe zu geniessen. Wir sprangen sogar kurz ins kalte Wasser, in der Hoffnung unsere vom Wandermuskelkater geplagten Oberschenkel zu regenerieren.

Nach der Verabschiedung von Jelle und Cynthia, fuhren wir in Richtung Lesotho. Zuerst gewannen wir nicht wirklich an Höhe, da es immer wieder runter ging. Doch nach einigen Kilometern wurde die Strasse steiler und wir gewannen fleissig an Höhe. Bald erreichten wir den südafrikanischen Grenzposten. Kurz vorher war die qualitativ gute Asphaltstrasse fertig und es folgte eine schlechte Schotterstrasse.

Wir hatten eine nette Unterhaltung mit dem Grenzbeamten, bekamen unseren Ausreisestempel und füllten unsere Wasserflaschen. Ausserdem reduzierten wir den Reifendruck, damit wir mehr Reibung hatten.

Es waren zwar nur noch etwas mehr als 7 km, aber mehr als 800 Höhenmeter bis zur Grenze und dem Sanipass. Schon bald mussten wir die Fahrräder das erste Mal schieben, da grosse Steine auf der Strasse lagen. Immer wieder legten wir kurze Pausen ein, um durchzuatmen, einen Schluck aus unserer Wasserflasche zu nehmen und die phänomenale Tiefsicht zu geniessen. Es gab immer wieder kurze Abschnitte, welche wir fahrend zurücklegen konnten. Die steilen Abschnitte mussten wir jedoch schieben. Vor allem die letzten 300 Höhenmeter waren sehr steil und die Serpentinen verunmöglichten das Fahren.

Nach etwas mehr als drei Stunden erreichten wir die Passhöhe auf 2876 Meter über Meer. Der Sanipass ist einer der steilsten Passstrassen der Welt und landschaftlich definitiv ein Highlight auf unserer Reise. Mit der Passhöhe erreichten wir die Grenze zwischen Lesotho und Südafrika.

–>Weiter mit Lesotho

Südafrika Teil II vom 28. Mai – 22. Juni 2024:

Der südafrikanische Grenzposten war viel grösser als der in Lesotho. Die offensichtlich gelangweilten Beamten stellten viele Fragen und glaubten kaum, dass wir nach Kapstadt unterwegs waren. Wahrscheinlich ist es besser sie kennen nicht die gesamte Route.

Direkt nach der Grenze waren wieder ununterbrochen Zäune am Strassenrand. Dies war in Lesotho nicht der Fall und wir bevorzugen diese Freiheit. Zuerst war die Schotterstrasse in einem top-Zustand, bis sie immer schlechter und holpriger wurde. Nach 20 km erreichten wir eine Kreuzung, wo eine Asphaltstrasse auf uns wartete.

Von dort waren es noch 50 km bis zum nächsten Ort. Wieder in Südafrika, mussten wir uns an die grossen Distanzen zwischen den Orten gewöhnen. Bei einem Rastplatz assen wir unsere Portion Chakalaka aus der Dose, bevor wir die restliche Distanz bis Rouxville unter die Räder nahmen. In dieser Kleinstadt kauften wir Proviant ein und fanden wenig später einen Platz für die Nacht zwischen einer Nebenstrasse und Stacheldraht.

Zu Beginn der Reise überlegten wir uns am Abend, wo die Sonne aufgehen wird und stellten das Zelt in den Morgenschatten. Nun, im südafrikanischen Winter stellen wir das Zelt so auf, damit wir möglichst früh Sonne haben.

Bis zur ersten Kleinstadt mussten wir trotz Sonne noch mit Jacke und Handschuhen fahren, bis sich die Lufttemperatur genug warm anfühlte. Bevor wir Aliwal North erreichten, überquerten wir zum zweiten Mal den Orange River. Dieser ist der zweitlängste Fluss im südlichen Afrika, entspringt in Lesotho und mündet an der Grenze zwischen Namibia und Südafrika ins Meer.

Wegen den Wahlen im ganzen Land war es ein Feiertag und viele Geschäfte waren geschlossen. Trotzdem konnten wir Lebensmittel einkaufen und sahen einige Leute vor den Wahllokalen. Nachdem man hier gewählt hat, bekommt man einen farbigen Daumen, damit man nicht mehrfach wählen kann.

Zur nächsten Stadt waren es nochmals fast 60 km. Diese Strecke legten wir dank flachem Terrain und gutem Strassenbelag zügig zurück. Burgersdorp wirkte wie ausgestorben und knapp konnten wir noch ein paar Burger ergattern und fanden einen kleinen Laden für das Nötigste. Meistens fragen uns Bettler vor den Einkaufsläden nach Kleingeld oder Brot. Vielfach werden wir zuerst in Afrikaans angesprochen, da die meisten weissen Südafrikaner/innen nur diese Sprache oder Englisch beherrschen. Englisch ist die Verkehrssprache, aber isiZulu ist die meistgesprochenste Sprache im Land. Südafrika hat nach Bolivien und Indien am meisten offizielle Sprachen der Welt. Im Jahr 2023 wurde die südafrikanische Gebärdensprache sogar zur zwölften Amtssprache.

Seit langem war es wiedermal windig. Zu Beginn kam er von der für uns richtigen Seite und wir kamen schnell vorwärts. Nach einer Abzweigung auf eine andere Strasse kam der Wind plötzlich von einer anderen Seite und wurde zudem stärker. So mussten wir uns den Burger mit Pommes hart verdienen, denn der nächste Ort mit Windschatten kam erst nach total 65 km. Unterwegs sahen wir plötzlich einen Autofahrer, der alleine sein Auto anschob, reinsprang und den Motor startete. Ein unterhaltsames Schauspiel mitten im Nirgendwo.

Einheimische sagten uns, dass eine Kaltfront bzw. der Winter im Anmarsch sei und dies den Wind erkläre. So mussten wir uns in den nächsten Tagen auf kältere Tagestemperaturen und seit langem wieder auf Regen einstellen.

Nach einer langen Pause fuhren wir weiter in Richtung Middelburg. Bis zu dieser Stadt waren es noch knapp 90 km und unterwegs kam gar nichts, ausser verlassene Bahnhöfe und ab zu eine Abzweigung ins Juhee. Für uns sind solche Distanzen zwischen Orten ungewöhnlich und wir sind uns ein ganz anderes Level an Bevölkerungsdichte gewohnt. Südafrika ist etwa 3.5-mal so gross wie Deutschland und zählt jedoch «nur» 62 Millionen Einwohner.

Tatsächlich kühlte es ab und wir fuhren während der dreistündigen Fahrt bis nach Middelburg mit Windjacke. Beim Einkaufen des Mittagessens wurden wir von Susan und ihrem Sohn Will angesprochen. Unsere Gastgeber, welche wir über Warmshowers kontaktiert hatten, waren zufälligerweise gleichzeitig im Spar. Der fahrradbegeisterte Willie kam uns kurz darauf abholen und zeigte uns das schöne Haus mit Innenhof.

Willie hat selber unzählige Fahrradtouren in der Gegend unternommen und reiste mit dem Motorrad durch Ostafrika und den mittleren Osten. Die Familie wusste genau was wir brauchten und verwöhnten uns von A bis Z. Zum Mittagessen gab es Kaffee und Hotdogs. Zum Abendessen wurde ein grosses Feuer gemacht und Potjiekos zubereitet. Dieses traditionelle südafrikanische Eintopfgericht wird stundenlang über dem Feuer gekocht. Während dem Kochen unternahmen wir Männer eine kurze Bar-Tour und lernten so einige Einheimische kennen. Brandy und Cola ist populär und so mussten wir dieses Mischgetränk probieren. Nach dieser Tour waren wir froh etwas zu Essen, da wir den Alkohol nicht mehr gewohnt sind. Zum Dessert gab es Melktert, eine weitere südafrikanische Spezialität. Mit Will und seinem Freund standen wir ums Feuer und tranken Brandy mit Cola. Nicht einmal der einsetzende Regen hielt uns davon ab und wir lernten viel über die Region und das Leben der Bauern.

Nach einer verdauungsintensiven Nacht brachte uns Susan morgens Kaffee und Kekse ans Bett. Unglaublich wie sich die freundliche Familie ins Zeug setzte, um uns eine erholsame Pause zu ermöglichen.

Dank der leckeren Gerichte und den bereichernden Gespräche konnten wir uns erholen und ausserdem bekamen wir wertvolle Tipps für die kommende Route.

Zum Abendessen wurde nochmals ein Feuer entfacht und viel Fleisch gegrillt. In Südafrika ist eine Mahlzeit ohne Fleisch keine echte Mahlzeit. So genossen wir den Grillplausch (genannt braai) und konnten Kalorien tanken für die nächsten intensiven Tage im Sattel.

Nach dem Abendessen besuchten wir eine Bar, in welcher wir am Vorabend noch nicht waren und Live-Musik spielte. Eigentlich wollten wir nur kurz bleiben, aber schlussendlich wurde es trotzdem später. In der Bar herrschte eine feuchtfröhliche Stimmung, da viele Studenten aus dem ganzen Land vor Ort waren, welche am nahegelegenen College Landwirtschaft studieren. Diese trugen alle kurze Hosen, eine Tarnjacke und einen Hut. Willie und Will erzählten einigen Bekannten stolz von unserem Projekt und so kamen wir mit einigen jungen Barbesuchern ins Gespräch. Wir bekamen sogar eine Spontaneinladung auf ein Weingut in der Nähe von Kapstadt.

Wir taten uns schwer aus den bequemen Betten zu steigen mit den mittlerweile doch eher kalten Temperaturen draussen. Der Kaffee mit Keksen im Bett belebte unsere Lebensgeister und wir machten uns bereit für die nächste Etappe. Nach einem zünftigen Frühstück verabschiedeten wir uns von Susan und Will. Willie begleitete uns noch ein paar Kilometer, bevor wir uns auch bei ihm bedankten und verabschiedeten. Wir hoffen er kann sein Traumprojekt verwirklichen. Willie möchte von Middelburg in Südafrika nach Middelburg in den Niederlanden per Fahrrad reisen und das mit bald 70 Jahren.

Nachdem wir einen Pass überquert hatten, unterstützte uns plötzlich der Wind, um vorwärts zu kommen. Wir mussten kaum Kraft aufwenden und düsten mit fast 50 km/h im eher flachen Gelände über den Asphalt. Bei den Abfahrten wurden wir schon fast zu schnell und mussten uns konzentrieren wo wir hinsteuerten.

So erreichten wir trotz eher spätem Start den nächsten Ort, genannt Graaff-Reinet nach über 100 km am frühen Nachmittag. Nach einer Oraldosis Zucker wollten wir unweit der Stadt einen Platz für die Nacht suchen. Doch wenige Kilometer nach dem Verlasen des Ortes, hielt ein Auto an und die freundliche Frau meinte, wir sollen doch bei ihr zu Hause schlafen, anstatt im Zelt neben der Hauptstrasse. Sie rief ihren Mann Tony an und informierte ihn über unsere Ankunft. Der Haken war nur, dass das Haus noch über 50 km entfernt war. Wir entschieden uns trotzdem die Herausforderung anzunehmen, da der Rückenwind nach wie vor präsent war.

Zwei Stunden später erreichten wir Aberdeen im Dunkeln. Tony empfing uns herzlich und zeigte uns unser Zimmer. Der etwas hibbelige Ex-Radprofi servierte uns Kaffee, schaltete den Boiler ein und erzählte uns aus seiner Zeit als Arbeiter in einer Goldmine. Die Förderung der Bodenschätze (Chrom, Platin, Mangan, Vanadium, Gold, Diamanten, Kohle, Eisenerz und weitere Metalle) sind  immer noch für 40-50% der Exporterlöse verantwortlich.

Nach einer nassen und gewitterhaften Nacht waren wir froh, dass wir drinnen schlafen durften. Tony bereitete ein südafrikanisches Radlerfrühstück mit Eier, Wurst und Toast zu. Nach einem Gebet für die sichere Fortsetzung unserer Reise und einer Führung durch seine Apotheke, machten wir uns auf die schnurgerade Strecke nach Willowmore.

Ausser ein paar Antilopen und einem Schakal, war die Landschaft sehr monoton und das Wetter extrem wechselhaft. Überall sahen wir kleinere und grössere Pfützen vom Regen, da der Boden das Regenwasser nicht aufnehmen konnte.

Seit ein paar Tagen sind wir in der sogenannten Karoo, welche eine Halbwüstenlandschaft in den Hochebenen Südafrikas und Namibias ist. Mit einer Ausdehnung von fast 500’000 km2 umfasst die Karoo fast ein Drittel des Territoriums Südafrikas.

Während einer Pinkelpause hielt ein sportlich aussehender Mann mittleren Alters und brachte uns eine Banane und einen Apfel. Wir hielten einen kurzen Schwatz und bevor er weiterfuhr, fragte er uns, ob er für uns beten kann. Offensichtlich sind die Menschen in Südafrika sehr religiös.

In einem Restaurant konnten wir dem kalten Wind entfliehen und etwas warmes Essen und Trinken. Im Laden konnte man viele regionale Produkte kaufen und er war lieblich eingerichtet. Irgendwann schloss der Laden und wir fuhren noch etwa eine Stunde weiter. Bei einem Hof fragten wir ein älteres Pärchen, ob wir unser Zelt auf ihrem Grundstück aufstellen konnten. Trotz dem Überraschungsbesuch bekamen wir die Erlaubnis und durften unser Zelt im Windschatten aufstellen. Ein wenig später brachte uns der Mann eine Art Hot Dog, was wir sehr schätzten.

Nach einer Nacht mit Dauerregen lud uns das nette Pärchen ins Haus ein zum Frühstück. Sie erzählten uns von ihrer Familie und der 84-jährige Mann zeigte uns sein Logbuch, in welchem alle Niederschläge seit 1923 eingetragen sind. Spätestens da merkten wir, wie speziell der viele Regen für die Einheimischen ist. Sogar im hohen Alter geht er noch auf die Jagd und zeigte uns stolz Fotos davon. Jagen ist ein Nationalsport und Kinder werden früh in die wichtigsten Kniffs eingeführt.

Der Regen stoppte und wir nutzen diesen Moment. Wir packten das klitschnasse Zelt zusammen und setzten unsere Fahrt fort. Leider ging es nicht lange und der Regen setzte wieder ein. Wir unterschätzten die Stärke des Niederschlags und kamen ziemlich nass in Willowmore an. In einem schicken Café konnten wir unsere nassen Klamotten an einem offenen Feuer trocknen und genossen warme Getränke und Mahlzeiten.

Trotz dem intensiven Dauerregen entschieden wir uns weiterzufahren. Der nächste Ort war etwas mehr als 60 km entfernt und wir hofften diesen noch vor dem Eintreffen der Dunkelheit zu erreichen. Bei einem Zwischenstopp trafen wir eine Gruppe aus Kapstadt, welche meinte gewisse Strassen seien unpassierbar wegen des Regens. Anscheinend hatte es in den letzten 60 Jahren noch nie so viel geregnet.

Bereits im Dunkeln erreichten wir die Kleinstadt Uniondale und entschieden uns eine Unterkunft zu suchen, da unser Zelt noch nass war und viele Flächen unter Wasser standen. Wir fanden ein Appartement und waren froh, endlich im Trockenen zu sein.

In der Nacht trockneten wir das Zelt und anderes Material mit Hilfe von zwei Ventilatoren, da es in der Unterkunft so kalt war, dass man den eigenen Atem sehen konnte. Wir verwendeten sogar die Herdplatten, um die nassen Kleider zu trocknen.

Nach einer weiteren Nacht mit viel Wind und Regen sah es am nächsten Morgen einiges freundlicher aus. Leider war unsere geplante Strecke über eine Schotterpassstrasse aufgrund der heftigen Regenfälle gesperrt und wir mussten die einzige Alternative nehmen. Seit einiger Zeit haben wir auf diesen Tag vorausgeschaut, denn Fabians Eltern sind seit einigen Tagen ebenfalls in Südafrika. Der Plan ist Peter und Lilo an der Küste zu treffen und die letzten zwei Wochen zusammen nach Kapstadt zu reisen.

Uns trennten jedoch noch über 100 km von den Beiden. Mit Sonnenschein und starkem Gegenwind überquerten wir einen Pass mit schöner Aussicht auf die umliegenden Bauernhöfe und Berge. Die Umgebung war im Vergleich zu den letzten Tagen viel grüner und man merkte wie sich das Klima änderte. Wochenlang waren wir nun auf über 1000 Meter und jetzt knapp darunter.

Nach der Mittagspause folgte ein Abschnitt mit etwa 30 km, wo man die nächste Kurve nicht sah, da es keine gab. Die felsigen Berge und das grüne Tal entschädigte jedoch für die monotone Strasse. Wir fuhren an einigen Straussenfarmen vorbei. Einmal fingen plötzlich etwa 200 dieser agilen Tiere parallel zu uns an zu rennen. Sie folgten uns bis zum Ende ihres Zauns, ein spezielles Erlebnis.

Nach dem langen Stück folgte der Outeniqua Pass, von welchem man bis zum Meer sehen konnte. Das Panorama mit Bergen, der Passstrasse, der Stadt George und dem endlos scheinenden Ozean im Hintergrund, war eine ungewohnte Abwechslung. Seit Mosambik sahen wir das Meer nicht mehr.

Wir schafften es knapp vor Einbruch der Dunkelheit runter in die Stadt und fanden nach mehreren Versuchen ein Depot für unsere Fahrräder. Denn auf Grund der gesperrten Strasse kamen uns Peter und Lilo aus dem fast 80 km entfernten Knysna mit ihrem Mietauto abholen. Wir freuten uns auf das Wiedersehen und die kommenden Pausentage zusammen. Auf dem Weg hielten wir in einem Steakhouse, um uns zu stärken und hatten Zeit unsere Erlebnisse der vergangenen Tage auszutauschen. Danach fielen wir in der Wohnung in Knysna müde ins Bett.

Nach einer erholsamen Nacht im eigenen Bett genossen wir ein tolles Frühstück in der Nähe der Unterkunft. Danach fuhren wir ins Robberg Naturreservat und wanderten einmal um die gesamte Halbinsel. Der Wanderweg «The Point» war ungefähr 9 km lang und führte durch verschiedene, wilde Landschaften. Zuerst ging es über einige felsige Stufen ein wenig hinunter zum Meer, bevor wir die ersten südafrikanischen Seebären sahen. Die flinken Tiere sprangen spielerisch aus dem Wasser und freuten sich über die grossen Wellen. Nach einem Anstieg kam uns ein unangenehmer Geruch in Nase und kurz danach hörten wir die Seebären, welche etwa 100 Meter unter uns auf einem Felsen entspannten.

Nachdem wir den hintersten Punkt der Halbinsel erreichten, änderte das Wetter innerhalb einer halben Stunde von Sonnenschein zu dicken Wolken und stürmischem Wind. Zwischenzeitlich setzte Regen ein, aber es reichte zum Glück nicht aus um nass zu werden. Nach dem Überqueren einer Sandbank und dem letzten Anstieg zurück zum Parkplatz, bemerkten wir spätestens die müden Beine.

Als nächstes besuchten wir «Birds of Eden». Dieser Vogelpark ist mit einer Grundfläche von 23’000 m2 die weltweit grösste Vogelfreiflughalle. Unter dem gigantischen Drahtnetz leben etwa 3’500 Vögel von ca. 220 verschiedenen Arten. Ein Gehweg führt durch die diverse Landschaft, welche eine Flusslandschaft, tropischer Regenwald und heimischen Wald beinhalten. Das Areal wird durch in der Kuppel eingebaute Wasserleitungen sogar künstlich bewässert. Wir sahen dutzende Arten von Vögel während dem Besuch. Einige waren so farbenfroh, dass man es kaum glauben konnte.

Nach dem intensiven Tag waren wir alle hungrig und etwas müde. Wir fanden ein ausgezeichnetes Restaurant in Plettenberg Bay direkt am Meer, wo wir verschiedene Meeresfrüchte und ein leckeres Dessert genossen.

Am zweiten Tag in Knysna besuchten wir den Stadtteil «The Heads», welcher an und auf einem steilen Hügel liegt. Von den Aussichtspunkten hatten wir einen wunderbaren Blick auf den wilden Indischen Ozean und die steil abfallenden Felsen auf beiden Seiten der Meerenge. Vom Knysna Beach sahen wir die schäumenden Wellen und die zum Teil riesigen Villen oberhalb der Klippen.

In einer Mikrobrauerei probierten wir einige Gläser verschiedener Biere und liessen uns die Brauerei, welche gerade im Umbau ist, zeigen. Auf der Thesen’s Island besuchten wir eine Bäckerei, in welcher wir uns leckeren Kaffee und Kuchen gönnten.

Dank der warmen Sonne konnten wir einige Kleider auswaschen und im Garten der Unterkunft entspannen. Für das Abendessen besuchten wir ein Fischrestaurant, in welchem wir exzellenten Fisch vom Tagesfang genossen und dem Gesang der Mitarbeiter/innen aus der Küche lauschten.

Vom Manager der Unterkunft wussten wir vom Samstagsmarkt in Sedgefield. Nach dem Frühstück fuhren wir direkt dorthin, um die verschiedenen Stände anzuschauen. Das Angebot war Querbeet von selbst genähten Kleidungsstücken über Smoothies bis Statuen. Wir führten interessante Gespräche mit verschiedenen Künstlern und schlenderten durch den gut besuchten Markt. Nach einer Weile realisierten wir, dass der eigentliche Bauernmarkt nebenan ist und wir den gar noch nicht besucht hatten. Zum Glück hatten wir vor der Schliessung noch genügend Zeit verschiedene Spezialitäten zu probieren. Zum Abschluss gönnten wir uns einen leckeren Kaffee und lernten eine deutschsprechende Dame kennen.

Sie empfahl uns einen nahegelegenen Strand, der angeblich der schönste der Welt sein sollte. Nicht das erste Mal hören wir diese Wortwahl der Superlative. Der Strand war schön, aber wir waren uns einig, dass es nicht der Schönste der Welt ist. Danach fuhren wir nach Wilderness, wo wir zu einem Aussichtspunkt navigierten. Dort kann man angeblich (mit viel Fantasie) in einem Flusstal, welches von einem Hügel umgeben ist, die Form Afrikas erkennen. Uns gefiel der imposante Tiefblick ins Tal, der Panoramablick auf den Ozean und die Berge hinter der Schlucht.

Unweit liegt Victoria Bay. Die dortigen Wellen ziehen viele Surfer an und wir schauten den fortgeschrittenen Männern zu, wie diese gekonnt auf den doch einige Meter hohen Wellen ritten. Nachdem die wärmende Sonnen hinter den steilen Hügeln verschwand, machten wir uns auf den Weg nach George. Dort kauften wir einen 5 kg Sack Maismehl für die Familie, welche unsere Fahrräder gehütet hatte während der letzten Tage.

Nach drei Tagen Radelpause und dem Luxus von kalorienreichen und leckeren Mahlzeiten, setzten wir unsere Fahrt ans Südkap bzw. Kapstadt fort. Dank erholten Beinen und der Begleitung einheimischer Fahrradfahrern, kamen wir effizient vorwärts. Während der Fahrt hatten wir nette Gespräche mit einem Pärchen und einem älteren Mann aus der Gegend.

Immer wieder sahen wir Siedlungen mit fast identischen Häusern, welche von hohen Zäunen und Mauern umgeben sind. Dieses isolierte Wohnen ist für uns ungewohnt und hilft in Südafrika keineswegs die Segregation der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen zu verkleinern. Die meisten Bewohner dieser Häuser sind weiss und die schwarze Bevölkerung wohnt fast ausschliesslich in Blechhütten ausserhalb der Zentren der Städte. Vor allem in den ländlichen Städten sahen wir leider vielfach, dass es immer noch Schulen gibt mit mehrheitlich weissen bzw. schwarzen Kindern. Trotz dem Ende der Apartheid seit über 30 Jahren, ist die wirtschaftliche Benachteiligung der nicht-weissen Bevölkerung besorgniserregend. Die Arbeitslosigkeit wird auf etwa 40% geschätzt. Viele junge Menschen finden keinen Job oder bezahlen sogar jemanden, der ihnen einen Tagesjob besorgt.

Bis zum Mittag mussten wir uns entscheiden, ob wir 100 km bis Albertinia oder fast 140 km bis Riversdale fahren wollten. Der Grund dafür war, dass wir für uns und Fabians Eltern eine Unterkunft finden mussten in einer der beiden Orte. Dieser Verlust der Flexibilität ist ein Nachteil, wenn man nicht im Zelt schläft und mit ein Grund wieso wir das Campieren in der Wildnis so lieben. Natürlich überwiegt in diesem Fall die positive Seite mit einer warmen Dusche, einem bequemen Bett und der Gesellschaft von Fabians Eltern.

Grüne Wiesen, ab und zu ein Anstieg und nur eine breite Hauptstrasse als Routenwahl, definierte unseren Tag. Den grössten Teil des Tages hatten wir zwar keine Sicht auf das Meer, dafür auf die Bergkette, welche das Hochland und die Küste voneinander trennen. Nach zwei saftigen Anstiegen erreichten wir am späteren Nachmittag das unbelebte Riversdale.

Nach einem ausgiebigen Frühstück radelten wir in etwa 1.5 Stunden nach Heidelberg, wo wir eine kurze Pause einlegten. Ein paar Stunden später erreichten wir Swellendam mit knapp 20’000 Einwohnern. Dort kauften wir in einem kleinen Supermarkt etwas zum Essen und setzten uns draussen hin. Nach einer Weile fragte uns eine nette Dame, ob wir einen Kaffee möchten. Wir nahmen das Angebot dankend an. Kurz darauf kam ein grosser Mann aus demselben Gebäude und grüsste uns ebenfalls freundlich. Er wurde uns als Bürgermeister von Swellendam vorgestellt und wir durften ein Foto mit ihm machen.

Bis jetzt hörten wir immer wieder Räubergeschichten von der weissen Bevölkerung bezüglich der schwarzen Mehrheit. Die Angestellte der Lokalregierung erzählte uns nun für einmal eine andere Sichtweise. Anscheinend kommen viele Arbeiter aus Simbabwe illegal nach Südafrika. Weisse Bauern stellen diese zu einem Minimallohn an und brechen somit das Gesetz. Die Regierung weiss Bescheid, aber kann nichts dagegen machen, da ihr die nötigen Mittel für die Umsetzung des Gesetztes fehlen.

13 km nach der Stadt bogen wir ab in Richtung Südkap, genannt Kap Agulhas. Zum Ziel unseres inzwischen 6-jährigen Unterfangens waren es nun nicht einmal mehr 100 km. Nach einer weiteren halben Stunde und vielen weiteren Hügeln, hielten wir Ausschau nach einem Ort, um unsere Fahrräder für einen Tag zu deponieren für einen weiteren Pausentag. Peter und Lilo gingen voraus und fragten einen Bauern. Dieser willigte ein und wir durften die Fahrräder in seiner Garage einstellen. Danach fuhren wir im Dunkeln über holprige und zum Teil überschwemmte Schotterstrassen in das de Hoop Naturreservat.

Bereits auf dem Weg zum Frühstück sahen wir viele Wildtiere, so dass wir uns auf den restlichen Tag freuten. Durch eine mit Büschen durchzogene Landschaft fuhren wir an weissen Sanddünen vorbei, direkt an den Indischen Ozean. Von den etwa 50 m hohen, aus feinstem Sand bestehenden Dünen, konnten wir weite Teile der Küste sehen. Schon bald sichteten wir die ersten Wale im Wasser. Mit Hilfe des Feldstechers sahen wir sogar einige Male die Schwanzflossen der Südlichen Glattwale (Südkaper).

Dank der Ebbe konnten wir den felsigen und mit vielen Muscheln gespickten Untergrund inspizieren. Wir fanden viele faszinierende Objekte, welche die Vielfalt der Natur wundervoll zeigen. Nachdem zwei von uns die Füsse badeten oder sogar ganz im Wasser waren, verliessen wir die Küste wieder. Auf dem Rückweg sahen wir sogar noch Bergzebras, direkt neben unserer Unterkunft inmitten von Pavianen, Buntböcken und Elenantilopen. 500-1000 kg wiegen Elenantilopen und können aus dem Stand einen 2 Meter hohen Zaun überspringen.

Am Abend erlebten wir einen wunderschönen Sonnenuntergang und sahen dutzende Antilopen aus dem Fenster der Unterkunft. Während dem leckeren Abendessen, neben dem Feuer, mussten wir seit längerem keine Daunenjacke anziehen. In vielen Innenräumen im südafrikanischen Winter sind die Temperaturen sehr tief.

Nach dem Frühstück fuhren wir in etwas mehr als einer Stunde zurück zu unseren Fahrrädern, welche wir auf einem Bauernhof deponiert hatten. Der Bauer erzählte uns, dass er insgesamt 1500 Schafe besitzt und unter anderem Raps anbaut. Zuerst pedalierten wir etwa zwei Kilometer zurück zur asphaltierten Hauptstrasse und danach weiter in Richtung Süden. Bei starkem Seitenwind mussten wir die Fahrradlenker bei vorbeifahrenden Lastwagen gut halten, damit wir nicht von der Strasse kamen.

Zum ersten Mal sahen wir einen grösseren Windpark und überall riesige Bauernbetriebe mit gelb leuchtenden Rapsfeldern. In Bedardsdorp legten wir eine Pause ein, bevor es auf einer schnurgeraden und viel flacheren Strasse weiter ging. Bereits 30 km vor der Küste hatten wir die Meeresbrise in den Nasen.

Unterdessen bekamen Lilo und Peter einen Anruf der Autovermietung, dass sie ihr Auto zum Flughafen in Kapstadt (über 300 km entfernt) bringen sollten. Die Autovermietung hatte anscheinend ihr Auto verkauft. Sie weigerten sich logischerweise und sagten der Autovermietung sie sollten das Auto an ihrem aktuellen Standort austauschen. Ein paar Minuten später stellte sich die ganze Aktion als Irrtum heraus, da es sich um ein anderes Auto handelte.

Während der letzten Stunde zum Südkap fuhren wir permanent an überfluteten Wiesen vorbei, welche immer noch vom Starkregen der letzten Woche überschwemmt waren. Plötzlich kam ein Schild, welches uns symbolisierte, dass es nur noch etwa 10 km bis zu unserem offiziellen Ziel des Projekts war. Wir genossen die letzten Kilometer entlang der Küste und trotz des starken Windes reflektieren wir einige der herausragendsten Momente der langen Reise. In L’Agulhas, dem südlichsten Dorf Afrikas, trafen wir Fabians Eltern und fuhren gemeinsam zum südlichsten Punkt, wo sich der indische und der atlantische Ozean treffen. Es war ein spezielles Gefühl nach etwa 2.5 Jahren, 38’000 km und 38 Ländern an diesem Punkt anzukommen und auf das Geleistete anzustossen. Natürlich waren wir stolz auf unsere Leistung, doch wirklich realisieren werden wir das Ganze wohl erst in ein paar Tagen oder sogar Wochen.

Unser Projektziel war zwar erreicht, doch wir wollten trotzdem noch bis Kapstadt weiterradeln. Auf den restlichen ca. 350 km erwarteten uns noch einige landschaftliche und animalische Highlights, bevor wir die Fahrräder definitiv planen einzupacken.

So verliessen wir das Südkap wieder in Richtung Norden. Aufgrund der grossflächigen Überschwemmungen war unsere ursprünglich geplante Strasse gesperrt. So mussten wir etwas mehr als 30 km zurückfahren, bevor wir in Richtung Westen abzweigen konnten.

Der Wind hatte nachgelassen und so kamen wir bei strahlendem Sonnenschein gut vorwärts. Die Strasse wies sehr wenig Verkehr auf, aber war in einem guten Zustand. Wir waren froh, nicht mehr auf der Nationalstrasse N2 unterwegs zu sein, da dort das Verkehrsaufkommen viel höher war. Die Garden Route führt auf dieser N2 von Port Elizabeth nach Mossel Bay. Wir hatten viel Positives über diese Strecke gehört, aber fanden die Landschaft überhaupt nicht spektakulär. Vermutlich gefallen vielen Touristen die moderne Infrastruktur und die möglichen Aktivitäten in der näheren Umgebung.

Etwa 15 km vor dem Erreichen unseres Tageszieles, riss das Schaltkabel an Fabians Fahrrad. Bereits in George musste er das andere Schaltkabel ersetzen und nun konnte er schon wieder nicht schalten. Leider hatten wir kein Ersatzkabel mehr und er musste sich für einen Gang entscheiden. So fixierte er einen Gang in der Mitte der Kassette, um wenigstens noch den verbleibenden Anstieg einigermassen fahren zu können. Somit erreichten wir Gaansbai und fanden mit einer kurzen Google-Suche einen Fahrradmechaniker in der Nähe unserer Unterkunft. Der Laden war bereits geschlossen, aber immerhin sah es durch die Fenster nach einem Glückstreffer aus.

Fabian brachte sein Fahrrad vor dem Frühstück zum Mechaniker und dieser konnte prompt das gerissene Schaltkabel ersetzen. Nach dem Frühstück mit leckerem Brot war das Rad fahrbereit. Zu Beginn war der Himmel bedeckt bzw. die Gegend nebelverhangen. Nach einer 20 km langen Baustelle und einer moderaten Steigung, setzte sich die Sonne durch und wir konnten uns der Jacke entledigen.

In der zweiten Tageshälfte wechselte die Landschaft und die Strasse war plötzlich zwischen einer relativ hohen Bergkette und dem Ozean. Ab und zu kamen kleine Orte und diese spannende Landschaft war eine schöne Abwechslung. Eigentlich hatten wir uns die Garden Route so vorgestellt.

Hermanus ist bekannt für Bootstouren, um Wale zu sehen. Die beste Zeit ist im August, wenn die Wale sogar von der Küste zu sehen sind. Diese Stadt ist voller Ferienhäuser. Dieses Ausmass an Kapital der Oberschicht hatten wir bisher nirgends in Afrika gesehen. Die Schere zwischen arm und reich ist in Südafrika besonders gross und von der grosser Wirtschaftsleistung profitieren leider nur wenige. Südafrika hat die zweitgrösste Volkswirtschaft Afrikas nach Nigeria. Südafrika gehört als einziger afrikanischer Staat zu den G20-Wirtschaftsmächten und wird zu den BRICS-Staaten gezählt.

In Betty’s Bay duschten wir uns in der gebuchten Unterkunft und besuchten direkt danach die Brillenpinguine am Stony Point. An diesem Strand sahen wir aus nächster Nähe Dutzende dieser 60-70 cm grossen Vögel, welche aus dem Meer zu ihren Nestern watschelten. Es war amüsant diesen exzellenten Schwimmern zuzusehen, wie schwer sie sich taten an Land vorwärts zu kommen. Die Brillenpinguine sind durch die Fischerei stark gefährdet und sind die einzigen in freier Wildbahn lebenden Pinguine Afrikas.

Die kurvige und hüglige Küstenstrasse, welche am nächsten Morgen während den ersten 30 km folgte,  war definitiv eines unserer Highlights in Südafrika. Wir hatten einen stetigen Blick auf den schäumenden Ozean, das Kap der Guten Hoffnung war weit weg zu sehen und steile Flanken umgaben uns auf der Landseite. Nicht einmal wiederkehrende Baustellen und ein grosses Verkehrsaufkommen konnten uns diesen Anblick verderben.

Danach wurde die Landschaft flacher und wir kamen immer näher an die Agglomeration von Kapstadt. Es folgten mehrspurige Hauptstrassen und dicht besiedelte Quartiere. Der Wind war stets präsent und stark. Einmal von vorne, von der Seite oder von hinten beeinflusste er unser Vorwärtskommen.

Kurz bevor wir die sandige Küste erreichten, fuhren wir entlang des riesigen Townships Khayelitsha. Als Township bezeichnet man im südlichen Afrika eine stadtplanerische Territorialeinheit, die abseits der von europäischen Einwanderern errichteten und dominierten Kernstädte von diesen geplant und entwickelt wurden. In Khayelitsha leben momentan etwa 1’000’000 Menschen, davon fast alles Schwarze. Ironischerweise war neben dem Township eine Kläranlage und so roch es auch. Dieser Teil der Bevölkerung wohnt in Blechhütten, zum Teil ohne Strom und richtige sanitäre Anlagen.

Mit starkem Seitenwind fuhren wir am False Bay vorbei und genossen die Aussicht auf die schöne Küstenlinie. Vor Muizenberg überholten uns Peter und Lilo und kurz darauf stärkten wir uns gemeinsam in einem Restaurant. Immer wieder fällt uns auf, wie der grosse Teil der Gäste in den meisten «gehobenen» Restaurants Weisse sind und die Angestellten Schwarze. Für Südafrikaner/innen ist dies wahrscheinlich völlig normal, aber für uns ist dies ungewohnt und beschäftigt uns täglich.

Anstatt mit den Fahrrädern zum Kap der Guten Hoffnung zu radeln, entschieden wir uns einen Pausentag einzuziehen und mit dem Auto einen Tagesausflug zu unternehmen. Schliesslich waren wir in den letzten Tagen und Wochen genügend auf dem Zweirad unterwegs.

Zuerst fuhren wir entlang der wilden Steilküste, bis wir den Eingang des Nationalparks erreichten. Die Region um das Kap der Guten Hoffnung gehört zum Tafelberg Nationalpark und ist UNESCO-Welterbe. Ausländer müssen umgerechnet 20 CHF pro Person abdrücken. Zuerst fuhren wir zu unserem zweiten Kap auf dieser Reise und schossen ein obligates Bild mit dem Schild. Viele Touristen meinen dieser Punkt sei der südlichste des Kontinents, allerdings ist es der südwestlichste Punkt. Danach fuhren wir entlang einer typischen Fynbos-Landschaft bis zum Cape Point, wo es sogar eine Standseilbahn für einen winzigen Aufstieg gibt. Am Südende der Kap-Halbinsel stehen ein alter Leuchtturm und ein tiefer gelegener neuerer Leuchtturm. Vom Aussichtspunkt am Ende der Standseilbahn genossen wir den Panoramablick auf das Meer und die Halbinsel.

Von dort fuhren wir nach Simons Town, wo wir uns etwas Süsses, einen Kaffee und später Craft-Biere mit Tacos einverleibten. Gesättigt und erschöpft entspannten wir am Nachmittag in unserer Unterkunft mit perfektem Meeresblick.

Die letzte, wenn auch kurze Etappe erwartete uns. Das Ziel war Kapstadt. Wahrscheinlich haben wir mehreren hundert Leuten seit dem Beginn der Reise diese Stadt als Ziel genannt, da praktisch alle Afrikaner/innen Kapstadt kennen.

Gleich zu Beginn ging es über 100 Höhenmeter hoch, bevor die Strasse zum Chapman’s Peak Drive begann. Diese 9 km lange Küstenstrasse schlängelt sich in 114 Kurven unmittelbar zwischen Meer und steilen Felswänden entlang in Richtung Kapstadt. Aufgrund der hohen Sanierungskosten des Streckenabschnitts, müssen motorisierte Verkehrsteilnehmer eine kleine Gebühr zahlen.

Trotz des zeitweise extrem starken Windes, konnten wir die imposante Küstenkulisse geniessen und näherten uns der zweitgrössten Metropolregion Südafrikas. Nach zwei weiteren Anstiegen folgte bereits die Abfahrt ins Zentrum des 430’000 Einwohner zählenden Stadtkerns. Leider blieb uns der Blick auf die imposanten Bergkette der Zwölf Apostel aufgrund aufziehender, dunkler Wolken verwehrt. Mit viel Geschwindigkeit erreichten wir unsere Unterkunft für die nächsten Nächte, bis wir Afrika wieder verlassen werden. Somit hatten wir die gesamte geplante Strecke mit dem Fahrrad zurückgelegt und konnten unsere volle Aufmerksamkeit der Besichtigung von Kapstadt widmen. Auf den unfallfreien und erfolgreichen Abschluss unseres riesigen Projektes haben wir zusammen an der Waterfront angestossen.

Während unserer Zeit in Kapstadt liefen wir viel durch die verschiedenen und sehr unterschiedlichen Quartiere der Stadt. Die Waterfront ist sehr touristisch mit vielen Souvenirs, Restaurants und luxuriösen Unterkünften. Uns war dieser Teil der Stadt zu wenig authentisch und zu steril. Die Long Street in der Innenstadt hingegen repräsentierte den bunten Mix aus Leuten aus der ganzen Welt viel besser.

Per Zufall fanden wir an dieser Strasse an einem Abend ein Restaurant mit dem Namen «Mama Africa». Das Interior war schön mit afrikanischen Sujets dekoriert, es gab Live-Musik und sogar die Angestellten trugen traditionelle Kleidung. Das Essensangebot enthielt Gerichte aus Westafrika, Ostafrika und dem südlichen Afrika. Wir probierten die Mopane-Würmer, welche für unseren Gaumen nicht besonders lecker waren, jedoch in vielen Ländern für Millionen von Menschen eine wichtige Eiweissquelle darstellen. Uns gefiel die Atmosphäre im Restaurant und die Vielfalt der angebotenen Gerichte. Leider trübte die ungefragte Verrechnung von 10% Trinkgeld und die von uns nicht gesehene, kleingedruckte Information auf der Speisekarte über die kostenpflichtige Musik ein wenig die positive Erfahrung.

Trotz der immer noch präsenten Trennung der während der Apartheid eingeführten vier Rassen (Schwarze, Weisse, Asiaten und Coloureds), sieht man heutzutage die Armut auch im Stadtzentrum. Immer wieder sieht man Zelte, wo Leute direkt neben der vierspurigen Hauptstrasse leben. Ausserdem wurden wir viel angesprochen von Bettlern. Aufgrund der wenigen Touristen in der Stadt war wenig los an den Abenden und das Stadtzentrum war generell eher ruhig für eine Stadt dieser Grösse. Aus diesem Grund fielen wir teilweise mehr auf in den Strassen und wurden tendenziell mehr angesprochen.

Kapstadt ist weder die einzige Hauptstadt Südafrikas noch die grösste Stadt. Es gibt drei Hauptstädte: Die Regierung ist in Pretoria, das Parlament in Kapstadt und das oberste Berufungsgericht in Bloemfontein.

Es fällt uns weiterhin schwer den Abschluss dieser gigantischen Reise zu verarbeiten, da wir jeden Tag seit der Ankunft am Südkap unterwegs waren und weiterreisten. Nach ein wenig Reflexion realisierten wir allerdings, dass wir in jedem besuchten Land während der Reise im Durchschnitt etwa 1’000 km gefahren sind. Ausserdem interessierte es uns, was die kürzeste mögliche Strecke vom Nordkap bis zum Südkap wäre, wenn man über Westafrika fährt. In Europa kommt man auf ca. 5’500 km und in Afrika auf etwa 13’000 km. Das heisst ohne die vielen Umwege wäre die Verknüpfung der beiden Punkte sogar mit der Hälfte der von uns zurückgelegten Distanz möglich.

Am ersten Tag in Kapstadt buchten wir einen Ausflug für die Besichtigung von Robben Island, dem einstigen Inhaftierungsort von Nelson Mandela. Leider wurde die Tour am Tag vorher abgesagt, aufgrund von Defekten am Boot. Somit hatten wir mehr Zeit für die Erkundung der Wanderwege um die Stadt.

Vom 14. Stock unseres Hotels hatten wir einen sensationellen Blick auf die ganze Stadt inklusive Bergkette. Bevor wir den Tag planten, nahmen wir den Lift nach oben, um das Wetter in den Bergen und der Stadt zu kontrollieren.

Der Tafelberg, mit über 1’000 Metern Höhe die höchste Erhebung um Kapstadt, war schon lange fix auf unserem Plan während unserem Besuch. Wir versuchten den Tag auszuwählen mit dem besten Wetter. Leider ist dies im eher nassen und windigen südafrikanischen Winter nicht ganz einfach. Am ausgewählten Tag fing es auf dem Weg zum Startpunkt an zu regnen und wir entschieden uns spontan für den Lions Head. Dieser Berg gehört ebenfalls zum Tafelberg-Massiv, war jedoch nicht in dichten Wolken eingehüllt und weniger hoch als der Tafelberg. Der Schlussaufstieg war sogar so anspruchsvoll, dass man beide Hände brauchte, um die Leitern und steilen Abschnitte zu überwinden. Am Abend wurde die Bewölkung vom Wind weggeblasen und vom Signal Hill genossen wir den wunderschönen Blick auf den Tafelberg und das Meer inklusive Sonnenuntergang, während wir einen leckeren Apero zu uns nahmen.

Unser letzter ganzer Tag war ganz im Zeichen des Tafelbergs. Zum Glück hatten wir auf gutes Wetter gepokert, denn wir wurden belohnt! Bereits am Morgen war die Sicht auf die markante Felswand frei und wir fuhren an den Fuss des Wanderwegs. Der Weg ging von Anfang an steil nach oben und bevor man die Ebene erreichte, führte der Weg in unzähligen Kurven durch einen Einschnitt in der imposanten Felswand. Oben angekommen genossen wir die Aussicht auf alle Seiten und freuten uns über das Wetterglück. Auf dem Tafelberg herrscht eine grosse Pflanzenvielfalt mit etwa 1400 Arten. Das bedeutet mehr Diversität als in ganz Grossbritannien. Die Jungmannschaft wählte einen anderen, viel anspruchsvolleren Weg zurück nach unten, während Lilo und Peter denselben Weg nach unten nahmen. Am Abend liessen wir den tollen Tag und die gemeinsame Zeit Revue passieren und genossen nochmals ein leckeres Abendessen mit lokalem Wein.

Einen Tag vor dem Heimflug durften wir in einem Fahrradgeschäft unweit unseres Hotels die Fahrräder in bereitgestellte Kartons verpacken. So konnten wir direkt mit dem restlichen Gepäck zum Fahrradladen laufen und dort mit den Fahrradkartons mit einem Taxi zum Flughafen fahren. Mit Uber wollten wir ein grosses Taxi bestellen. Das Erste war viel zu klein und die doch 180 cm langen Kartons passten niemals in das Auto. Der zweite Fahrer kam wenige Minuten später, aber sein Fahrzeug war auch nicht viel grösser. Mit seiner afrikanischen Gelassenheit meinte der aus dem Kongo ausgewanderte Mann wir sollen es doch mal versuchen. Tatsächlich konnten wir alle Rücksitze runterklappen und die Kartons passten knapp rein. Das Problem war nun, dass es nur noch 2 Sitzplätze hatte für drei Personen. Somit mussten wir uns den einen Vordersitz teilen und die etwa 20 km so zurücklegen.

Am Flughafen trafen wir Fabians Eltern wieder und gingen zum Schalter der Qatar Airways. Die Abfertigung klappte ideal und wir konnten die Kartons bei einem separaten Schalter zwei Stöcke tiefer abgeben. Danach waren wir erleichtert und konnten uns entspannt auf die lange Heimreise einstellen.

Kurz vor Mitternacht erreichten wir Doha und liefen bei 34 Grad in die riesige Transithalle. Wir verabschiedeten uns von Fabians Eltern, da ihr Weiterflug früher war als unserer. Wir bedankten uns bei Peter und Lilo für die grossartige Unterstützung in den letzten zwei Wochen, die gemeinsame Zeit und die unglaubliche Grosszügigkeit.

Wir suchten uns ein ruhiges Plätzchen, installierten unsere Luftmatratzen und legten uns bis kurz nach sieben hin. Nach einem weiteren Flug, kamen wir mit etwas Verspätung in Zürich an. Auf das Gepäck und die Fahrräder mussten wir zum Glück nicht lange warten und liefen zum Ausgang. Dort wurden wir überraschenderweise von Familie und Freunden mit selbstgebastelten Plakaten und einem Apero empfangen. Es war ein schönes Ankommen in der Heimat und wir schätzten und genossen den organisierten Empfang sehr.

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