Eswatini

2. – 6. Mai 2024:

Beim Ausreisen aus Mosambik konnte man sich mit Gratiskondomen eindecken. Vermutlich liegt dies daran, dass die HIV-Rate in Eswatini die höchste der Welt ist. Im Jahr 2005 waren 42% mit dem Erreger der Immunschwächekrankheit infiziert. Ohne Kinder und alte Menschen waren es sogar 63%.  Danach konnte die Infektionsrate leicht gesenkt werden, aber lag 2019 bei den 15-49 jährigen noch bei 27%. Zeitweise war die Lebenserwartung im Jahr 2005 mit 42.5 Jahren die niedrigste weltweit.

Die Einreise ging nicht einmal fünf Minuten und sobald wir die Nationalhymne abspielten, kamen wir mit zwei Polizistinnen ins Gespräch. Stolz sangen sie zur Hymne und flirteten gleichzeitig mit uns. Nach ein paar Schnappschüssen mit den Frauen, fuhren wir noch ein paar Kilometer und fanden trotz dem abfallenden Gelände einen flachen Platz, direkt neben der Strasse.

Bereits in der Nacht zog Nebel auf und durch die Feuchtigkeit verwandelte sich unser Zelt in eine Tropfsteinhöhle. Morgens war alles feucht und es tropfte immer noch auf uns herab. Beim ersten Dorf trafen wir ein deutsches Paar, welches mit ihrem Auto im südlichen Afrika unterwegs ist. Es war eine nette Überraschung, da die beiden vor längerer Zeit ebenfalls mit dem Fahrrad die Welt bereisten. Wir genossen die lange Abfahrt in eine Ebene, wo überall Zuckerrohr angebaut wird. Riesige Felder bedeckten das Land und in der Ferne sahen wir die Fabrik für die Ethanol- und Zuckerproduktion.

Kurz darauf fuhren wir durch den Hlane-Royal-Nationalpark, einer von sechs Nationalparks im kleinen Land. Das Gebiet war ursprünglich ein privates Jagdgebiet der eswatinischen Könige. Aus der Distanz sahen wir sogar einen Giraffen.

Beim Mittagsstopp trockneten wir das klitschnasse Zelt und die restliche Ausrüstung. Uns fiel ein relevanter Unterschied zu unserer Zeit in Mosambik auf. Wir konnten wieder mit den meisten Leuten ein Gespräch führen und so unsere Fragen direkt an die Einheimischen richten. Fast alle Menschen in Eswatini, genannt Swazi, sprechen siSwati. Englisch ist die zweite Amtssprache und weit verbreitet.

Danach fuhren wir am internationalen Flughafen vorbei, welcher nach dem König Mswati III. benannt wurde. Eswatini ist das einzige Land in Afrika mit einer absoluten Monarchie. Das Land ist hoch verschuldet und steht wegen der Verschwendungssucht des Königs vor dem Staatsbankrott. Vom Flughafen zur grössten Stadt Manzini führt eine zweispurige Autobahn. Aufgrund des geringen Verkehrsaufkommens konnten wir die Autobahn benutzen und so die hüglige Hauptstrasse umgehen. Bei einer Tankstelle kauften wir unser Abendessen und wollten uns auf die Suche nach einem Übernachtungsplatz machen. Genau in diesem Moment wurde Fabian von Lee, einer älteren Frau angesprochen, welche eine Farm in der Nähe führt. Sie lud uns ein, bei ihr zu schlafen. Wir wurden sogar von ihrem Sohn Peter mit dem Pickup abgeholt. Die Familie quartierte uns in einem wunderschönen Haus ein. Nach einer Dusche und einem Bier am Pool, zeigte uns Lee die Rinder, die Hühnchenzucht und die Siedlung der über 100 Angestellten. In einer Kühlbox bekamen wir Lebensmittel, damit wir uns selbst versorgen konnten. Wir genossen die angenehme Überraschung und die Grosszügigkeit.

Nach einem kalorienreichen Frühstück mit viel Speck und Ei, verabschiedeten wir uns wieder von der Familie und wurden zurück zur Tankstelle gefahren. Von dort fuhren wir weiter auf der Autobahn.

Danach verliessen wir die Autobahn und die Region war plötzlich sehr landwirtschaftlich geprägt. Es wurden Ananas, Zuckerrohr und andere Nahrungsmittel angebaut. Bevor wir auf eine Kiesstrasse abbogen, kauften wir etwas Proviant ein. Wenige Minuten später, meldeten wir uns beim Sondzela Backpackers an. Diese Unterkunft mit Campingmöglichkeit war direkt am Rand vom Milwane Wildlife Sanctuary. Bereits bei der Zufahrt zur Unterkunft, sahen wir Wildschweine, ein Gnu und viele Buntböcke.

Nach einem Teller Spaghetti, welche wir in der Gemeinschaftsküche zubereiteten, liefen wir den «Hippo Trail» im Game Reserve. Zu Beginn waren wir noch der Sonne ausgesetzt. Doch danach führte der Wanderweg einem Bach entlang und in eine Schlucht. Am Schluss der etwa 7 km langen Wanderung, kamen wir an einem See vorbei. Plötzlich sahen wir mehrere Krokodile im Wasser. Von oben konnte man die teilweise über 3 Meter langen Reptilien perfekt erkennen. Ausserdem lag ein totes Rind im Wasser und es hatte grosse Schildkröten.

Vor dem Frühstück kamen wir mit den Tourenleitern einer Reisegruppe ins Gespräch. Die Männer führten eine Gruppe bestehend aus 20 Touristen mit Behinderungen durch das südliche Afrika. Total bieten sie Touren in zwölf verschiedenen Ländern an und ermöglichen ihnen zu reisen. Es gab sogar eine wissenschaftliche Studie basierend auf dem Non-Profit-Projekt, welche positive und langfristige Effekte nachweisen für die Teilnehmenden. Trotzdem ist es für den Besitzer schwierig Geld für dieses tolle Projekt aufzutreiben. Nach diesem interessanten Austausch, wurden wir von der netten Truppe sogar noch zum Frühstück eingeladen.

Morgens genossen wir noch die entspannte Atmosphäre im Hostel. Am frühen Nachmittag fuhren wir weiter in die Berge des kleinen Landes. Eswatini ist etwa halb so gross wie die Schweiz, nach Gambia das zweitkleinste Land auf dem afrikanischen Kontinent und hat nur 1.2 Millionen Einwohner. Etwa ein Viertel der Menschen leben in Städten.

Aufgrund der Grösse des Landes und den vielen Höhenmetern bis an die südafrikanische Grenze, fuhren wir bewusst erst am Nachmittag los. Nach ein paar Kilometern wurde die Gegend hügliger. Nach einem langen Anstieg auf über 1000 Meter, folgte eine lange Abfahrt. So hatten wir nach 30 km schon fast 900 Höhenmeter zurückgelegt. In einem kleinen Dorf waren wir überrascht über die vielen Geschäfte und den für uns ungewohnt grossen Supermarkt. In den vorherigen Ländern hätte die Auswahl an Lebensmitteln komplett anders ausgesehen.

Unsere letzte Nacht in Eswatini oder Swasiland, war eine der kältesten bisher. Eswatini hiess bis 2018 noch Swasiland. Der Name wurde unter anderem geändert, wegen der Verwechslungsgefahr mit der Schweiz (Englisch: Switzerland). In der Nähe unseres Übernachtungsplatzes, trafen sich frühmorgens Bauern der Umgebung, um Zecken von ihren Tieren zu entfernen. Auf dem Rückweg kamen einige Bauern bei uns vorbei. Sie waren interessiert was wir hier machten und wunderten sich, dass wir nicht Angst hatten so alleine in der Wildnis.

Die Landschaft blieb hüglig bis zur Grenze und so sammelten wir weiterhin fleissig Höhenmeter. Die Grenze war praktisch ausgestorben. Zum Glück verkaufte eine Frau gekochte Süsskartoffeln, Erdnüsse und Bananen. So konnten wir unsere letzten lokalen Münzen loswerden. Die Währung in Eswatini heisst Lilangeni. Eswatini bildet mit der Republik Südafrika, Namibia und Lesotho die Common Monetary Area. Alle Währungen dieser Länder sind 1:1 aneinander gekoppelt. Ausserdem wird der Südafrikanische Rand in Eswatini akzeptiert, jedoch Lilangeni nicht in Südafrika.

Während dem Verzehr der Snacks, hatten wir eine nette Unterhaltung mit der Frau, einem Taxifahrer und seinem Freund. Danach bekamen wir in Rekordzeit den Ausreisestempel. Die Grenzbeamten waren sehr freundlich und interessiert an unserer Reise.

Vor der Einreise nach Eswatini haben wir gelesen, dass Eswatini zu den ärmsten Ländern weltweit gehört und anscheinend viele Leute auf internationale Lebensmittelhilfe angewiesen sind. In den knapp vier Tagen, in denen wir durch das Land reisten, hatten wir ein komplett anderes Bild. Im Vergleich zu Mosambik war die Infrastruktur um Längen besser und die Bildung scheint auf einem guten Niveau zu sein. Die Leute waren interessiert, freundlich und gut gelaunt. Aus diesem Grund behalten wir den kurzen Aufenthalt in sehr guter Erinnerung.

–>Weiter mit Südafrika

<–Zurück zu Mosambik