Ladysmith – Grenze Lesotho

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11. – 19. Mai 2024:

Nach einer unruhigen Nacht im mit Moskitos ausgestatteten Zimmer, fuhren wir weiter südlich. Bei einem Bauernladen legten wir eine Pause ein, genossen Bananenbrot und deckten uns mit verschiedenem Trockenfleisch ein. Nach einem langen Anstieg und einer kurzen Abfahrt erreichten wir die Stadt Estcourt.

John gab uns dort einen Kontakt bei einem Busunternehmen. Unser Ziel war wieder die Fahrräder zu deponieren und per Anhalter in ein anderes Bergtal zu gelangen. Schlussendlich konnten wir die Fahrräder und den grössten Teil unseres Gepäcks in einer Werkstatt deponieren. Der nette Besitzer beauftragte seinen Sohn uns zu einer Tankstelle zu fahren, um von dort ein Auto in die gewünschte Richtung zu finden. Schlussendlich fuhr uns der nette Man mit indischer Abstammung noch einiges weiter. Von dort fanden wir schnell einen Bus, der uns ein gutes Stück mitnahm. Im letzten grösseren Ort vor den Bergen, kauften wir Proviant für 2-3 Tage ein und fanden einen Imbiss mit leckeren Shawarmas und Pommes.

Anschliessend fanden wir einen anderen Bus, der uns bis zum letzten Haus im letzten Dorf fuhr. Auf dem Weg sahen wir viele Menschen auf dem Rückweg von der Kirche oder vom Besuch bei Freunden. Vor allem die Frauen waren farbenfroh gekleidet und einige hatten eine aus Erde und Wasser hergestellte Creme im Gesicht aufgetragen. Von dort fuhr kein Auto weiter bis zum Campingplatz, den wir als Ziel definierten. Darum verhandelten wir mit dem einzigen Taxifahrer um den Preis für die 13 km lange und hüglige Strecke. Nach etwa 30 Minuten konnten wir uns einigen und fuhren immer näher zur eindrucksvollen Bergkette, während wir den Klängen von südafrikanischer Musik lauschten. Der Fahrer Mzo und sein Freund hatten einen guten Humor und arbeiteten beide als Wanderführer oder Träger im Nationalpark. Nach etwa einer Stunde erreichten wir den Campingplatz bei Dunkelheit und bedankten uns für die holprige Fahrt.

Nach einer erholsamen, langen Nacht waren wir morgens überrascht über den Nebel und die Wolken in den umliegenden Bergen. Anscheinend zog eine Schlechtwetterfront über Nacht von der Küste in die Berge.

Bis zum Mittag genossen wir die Ruhe auf dem Campingplatz und tauschten uns mit anderen Gästen über die Wanderungen im Nationalpark aus. Danach liefen wir los in Richtung Centenery Hut, eine Berghütte, welche in etwa 11 km und 800 Höhenmeter Entfernung steht. Die Hütte ist in einem sehr schlechten Zustand und wir mussten alles ausser das Zelt mitnehmen.

Die Wanderung startete flach und führte durch eine Graslandschaft, bis plötzlich ein Fluss im Weg war. Es war ein Kabel über den Fluss gespannt und dies symbolisierte uns, dass wir wirklich durch das Wasser mussten. Es gab keine Stelle wo man über das Wasser hüpfen konnte. So mussten wir die Schuhe und sogar die Hosen ausziehen, um über den knietiefen Fluss zu gelangen. Danach führte uns der Weg durch hohes Gras. Manchmal sahen wir den Weg gar nicht mehr, da er so zugewuchert war. Vor einer kleineren Bachüberquerung legten wir eine Pause ein und genossen die felsige und schroffe Landschaft. Weiterhin folgten wir dem Wasser, bis uns der Weg nach etwa zwei Stunden steil hinauf führte. Wegen des Nebels sahen wir leider die ganz hohen Gipfel nicht. Nach dem steilen Anstieg erreichten wir die Hütte auf etwa 2300 m.

Die Hütte wurde zwar kürzlich renoviert, hatte aber weder einen Tisch, Stühle oder ein Klo. Es hatte vier Betten, aber die waren nicht in einem guten Zustand und Matratzen fehlten ebenfalls. Wir entschieden uns auf dem Boden unsere Isomatten auszubreiten und dort zu schlafen. Unsere Handytaschenlampen ermöglichten uns etwas zu sehen, denn nicht einmal eine Lampe war vorhanden.

Tagwache war um 5.45 Uhr, da ein langer Tag vor uns lag. Zuerst mussten wir etwa 900 Höhenmeter hochwandern, bevor wir die Grenze zwischen Südafrika und Lesotho erreichten. Vorher löste sich plötzlich der Nebel über uns auf und wir sahen einen imposanten Felsriegel. Darum waren die letzten 200 Höhenmeter bis zur Grenze ziemlich technisch und wir brauchten ab und zu unsere Hände, um die steilen Passagen zu überwinden. Ausserdem war die Wegfindung nicht immer ganz einfach.

Nach dem Steilstück erreichten wir eine Art Plateau, welche sich auf der Seite von Lesotho befand. Dort war die Landschaft wüstenartig und eher hüglig als felsig und steil. Bald sahen wir die ersten Pferde und Kühe, welche mutterseelenalleine die Ruhe in dieser einzigartigen Landschaft genossen. Nach einem Flachstück führte uns ein Schlussaufstieg zum Gipfel des Mafadi. Dieser Gipfel ist mit einer Höhe von 3450 m der höchste Berg in ganz Südafrika. Im Windschatten machten wir eine Pause und genossen die Aussicht auf das Nebelmeer und die steil abfallenden Felsen unter uns.

Um noch mehr dieser Gegend zu erkunden, entschieden wir uns, einen anderen Weg runter zum Campingplatz zu nehmen. So liefen wir fast zwei Stunden parallel zur Grenze und somit dem Felsriegel, bis zum Leslie’s Pass, wo es eine Unterbrechung der unüberwindbaren Felswand gab. Während einer kurzen Pause kam plötzlich ein junger Hirte auf uns zu. Er war in mehrere Tücher eingehüllt und trug Gummistiefel. Er fragte, ob wir Zigaretten haben. Sonst verstand er nicht viel englisch, aber ein Foto durften wir trotzdem machen.

Auf 3 km verloren wir etwa 1000 Höhenmeter und rutschten mehrfach auf dem lockeren Untergrund aus. Trotzdem schafften wir es durch dieses Steilstück und erreichten einen Biwakplatz. Von dort waren es nochmals mehrere Stunden entlang eines Baches und durch dickes Gebüsch. Mehrere Male verloren wir den Weg, bis wir ihn nach kurzer Suche wieder fanden. Wir fühlten uns wie in einem Miniurwald, da der Weg extrem überwuchert war. Nach über 10 Stunden, 31 km, 1500 m hoch und 2400 m runter, erreichten wir den Campinglatz müde, aber glücklich.

Mit starkem Muskelkater wachten wir auf und fragen an der Rezeption des Campings, ob es ein Fahrzeug gibt, das aus dem Bergtal fährt in den nächsten Stunden. Die nette Dame sagte uns, dass eine Frau aus der nächstgrösseren Stadt hochfährt und sie diese mit dem Pickup im letzten Dorf abholt. So konnten wir mit ihr bis dorthin mitfahren. Während der Wartezeit beobachteten wir die fallenden Blätter, denn der Winter wird in Kürze starten in Südafrika. Wir hatten in den Bergen meistens lange Hosen und eine Jacke getragen, da die Temperaturen teilweise nicht weit über dem Gefrierpunkt waren.

Zwei Stunden später war es soweit und wir durften mitfahren. Auf dem Weg klärte die Vize-Managerin des Campingplatzes sogar ab, ob bald ein Bus in Richtung Escourt, dem Einstellplatz unserer Fahrräder, fährt. Direkt nach unserer Ankunft im Dorf, kam tatsächlich ein Bus an, der uns ohne umzusteigen bis in diese Stadt brachte. So kamen wir für afrikanische Verhältnisse effizient vorwärts und erreichten in weniger als zwei Stunden den Zielort. Während der Fahrt bezahlt man in den Bussen die Fahrt, indem man der Person die vor einem sitzt, das Geld in die Hand drückt. Diese Person gibt es der nächsten Person, bis der Fahrer das Geld erhält. Das Rückgeld wandert auf derselben Weise wieder zurück zum Fahrgast. Dieses System funktioniert perfekt und man verliert nicht unnötig Zeit vor oder nach der Fahrt.

In Escourt packten wir unsere Taschen und bedankten uns bei J, für die sichere Lagerung unserer Transportmittel. Danach fuhren wir einen Hügel hoch und wieder runter. Unten merkten wir, dass wir unsere Abzweigung verpasst hatten, da es kein Schild hatte. Zu faul den Hügel wieder hochzufahren, entschieden wir uns auf die Autobahn auszuweichen. Es gab kein Verbotsschild für Fahrradfahrer und es hatte einen breiten Pannenstreifen. So sparten wir zwar keine Kilometer, aber viele Höhenmeter. Wahrscheinlich war die Autobahn eine der sichersten Strassen überhaupt, ausser auf einem Segment wo wir wegen eines Buschfeuers gar nichts mehr sahen und ein Lastwagen genau dort eine Panne hatte. In der übernächsten Ausfahrt verliessen wir die Autobahn wieder und setzten die Fahrt auf der Hauptstrasse fort.

Die Nacht neben einer Strasse auf der einen Seite und dem Gleis einer Zugstrecke auf der Anderen, war mit etwa 5°C eine der kältesten bisher. Aufgrund des wenigen Verkehrs und nur etwa drei Zügen in der Nacht, hatten wir trotzdem unsere Ruhe. Nach 5 km erreichten wir das kleine Dorf Nottingham Road. Dort fanden wir zu unserem Erstaunen ein topmodernes Café, welches man sonst nur in einer Grossstadt finden würde. Das Café war stark frequentiert und mehrere Einheimische fragten uns, wohin wir fahren. Wir genossen den Austausch und das Interesse der Südafrikaner/innen.

Nachdem wir im Spar Proviant für den Tag einkauften, starteten wir eine relativ spontane Abkürzung, welche uns nahe an die Grenze zu Lesotho brachte. Ursprünglich wollten wir die längere Route via Hauptstrasse fahren, aber schlussendlich entschieden wir uns für die ruhigere und kürzere Schotterstrasse.

Überraschenderweise waren trotzdem noch die ersten 30 km asphaltiert. Die Landschaft wurde immer eindrücklicher, wilder und hügliger. Bei einem Bauernbetrieb füllten wir unsere Wasserflaschen und kamen mit dem Manager der Kartoffelproduktion ins Gespräch. Der Hof produziert mehrheitlich Kartoffeln für die Aussaat. Pro Tag werden 40 Tonnen Kartoffeln produziert und das für ganze vier Monate pro Jahr.

Die Qualität der Schotterstrasse war mittelmässig und wir wurden immer wieder heftig durchgeschüttelt. Es folgte eine lange Abfahrt und vor dem nächsten längeren Anstieg fanden wir einen Platz für unser Zelt auf einer Weide mit toller Aussicht in die umliegenden Berge.

Es folgte ein längerer Anstieg mit einer tollen Aussicht als wir auf dem Pass ankamen. Nach einer holprigen Abfahrt erreichten wir das einzige Dorf auf der 100 km langen Schotterstrasse. Für weitere 30 km folgte die Strasse der Grenze des Maloti-Drakensberg-Nationalparks. Ausser einem Reh, sahen wir jedoch keine Wildtiere. Trotzdem genossen wir die Sicht auf die hohen Berge und die wilden Bäche, welche aus den Bergtälern abfliessen. Einmal kam uns sogar ein etwa 5-jähriger Junge auf einem Pferd entgegen, ohne Sattel oder Helm.

Um die Mittagszeit erreichten wir die Kreuzung, bei welcher eine Strasse nach Lesotho führt. Weil wir dringend Ruhetage benötigten, fuhren wir jedoch geradeaus nach Himeville. Dort fanden wir einen kleinen Imbiss, bei welchem wir einen leckeren Burger verdrückten. Ein paar Minuten später erreichten wir Underberg. Seit Maputo waren wir in Kontakt mit Cynthia und Jelle, welche hier wohnen und ein Profil auf der Plattform Warmshowers betreiben. Wir wurden herzlich im wunderschön gelegenen Haus empfangen und uns wurde gleich das Radlerzimmer gezeigt. Die beiden mögen den Austausch mit Reisenden und waren früher selbst mit dem Fahrrad unterwegs. Auch heute ist das ältere Pärchen noch mit Zelt und auf Offroad-Pisten unterwegs, jedoch mit dem Auto.

Während den zwei Pausentagen mit Sicht auf die Drakensberge, welche die Grenze mit Lesotho bilden, wurden wir kulinarisch verwöhnt. Zusätzlich genossen wir die interessanten Gespräche über Südafrika, Reisen und unsere kommende Route. Nachdem wir erzählt hatten, dass wir noch keinen traditionellen Grillplausch, genannt «Braai» erlebt haben, wurde der Grill eingefeuert und wir genossen südafrikanisches Rindfleisch und Boerewors (Bauernwurst mit Koriander). Ausserdem probierten wir verschiedene Biere aus Südafrika und durften Rotwein verkosten.

Am ersten Tag fuhren wir mit Jelle in den Maloti-Drakensberg-Nationalpark und spazierten entlang eines Baches, um die Berge und die Ruhe zu geniessen. Wir sprangen sogar kurz ins kalte Wasser, in der Hoffnung unsere vom Wandermuskelkater geplagten Oberschenkel zu regenerieren.

Nach der Verabschiedung von Jelle und Cynthia, fuhren wir in Richtung Lesotho. Zuerst gewannen wir nicht wirklich an Höhe, da es immer wieder runter ging. Doch nach einigen Kilometern wurde die Strasse steiler und wir gewannen fleissig an Höhe. Bald erreichten wir den südafrikanischen Grenzposten. Kurz vorher war die qualitativ gute Asphaltstrasse fertig und es folgte eine schlechte Schotterstrasse.

Wir hatten eine nette Unterhaltung mit dem Grenzbeamten, bekamen unseren Ausreisestempel und füllten unsere Wasserflaschen. Ausserdem reduzierten wir den Reifendruck, damit wir mehr Reibung hatten.

Es waren zwar nur noch etwas mehr als 7 km, aber mehr als 800 Höhenmeter bis zur Grenze und dem Sanipass. Schon bald mussten wir die Fahrräder das erste Mal schieben, da grosse Steine auf der Strasse lagen. Immer wieder legten wir kurze Pausen ein, um durchzuatmen, einen Schluck aus unserer Wasserflasche zu nehmen und die phänomenale Tiefsicht zu geniessen. Es gab immer wieder kurze Abschnitte, welche wir fahrend zurücklegen konnten. Die steilen Abschnitte mussten wir jedoch schieben. Vor allem die letzten 300 Höhenmeter waren sehr steil und die Serpentinen verunmöglichten das Fahren.

Nach etwas mehr als drei Stunden erreichten wir die Passhöhe auf 2876 Meter über Meer. Der Sanipass ist einer der steilsten Passstrassen der Welt und landschaftlich definitiv ein Highlight auf unserer Reise. Mit der Passhöhe erreichten wir die Grenze zwischen Lesotho und Südafrika.

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