Grenze Eswatini – Ladysmith


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6.– 10. Mai 2024:

Um offiziell nach Südafrika zu gelangen und damit unser vorletztes Land vor unserem Ziel zu erreichen, dauerte nicht lange. Wie immer spielten wir mit unserem Lautsprecher die Nationalhymne, bevor wir mit dem Radfahren begannen. Die Einwanderungsbeamten waren über diese Geste äusserst erfreut. Ein Mann sagte gerührt, dass es ihm leid tue, dass er nicht singen könne, da er während seiner Arbeit seinen Hut nicht abnehmen dürfe.

Bis zur ersten Stadt mussten wir etwas mehr als 20 km radeln und hatten zwei Optionen. Eine Straße war ohne Asphalt und die andere war teilweise asphaltiert, aber in keinem guten Zustand. Wir entschieden uns, die zweite Option zu probieren und stellten fest, dass die Strasse nur am Anfang und am Ende asphaltiert war. Die Straße führte uns durch riesige Kiefern- und Eukalyptuswälder, die als Monokulturen wieder aufgeforstet wurden. Von Zeit zu Zeit sahen wir große Bauernhöfe und landwirtschaftliche Felder mit Mais und anderen Pflanzen.

Am frühen Nachmittag erreichten wir Piet Retief. Für uns fühlte es sich an wie in Europa. Südafrika ist der am weitesten entwickelte Wirtschaftsraum in Afrika und hat eine der besten Infrastrukturen weltweit. Es gab mehrere Einkaufszentren, Ampeln und viele Fast-Food-Restaurants und wir sahen viele Menschen mit dem gleichen Hautton wie wir. Südafrika hat die grösste europäischstämmige Bevölkerung des Kontinents mit ungefähr 9%. Die Auswahl im Super Spar war anfangs überwältigend. Hier konnten wir fast alles kaufen, was wir von zu Hause gewohnt waren. Es fühlte sich nicht so afrikanisch an wie die meisten Länder, die wir bisher mit dem Fahrrad bereist haben.

Nach einer kalten Nacht brauchten wir eine Weile, um uns zu motivieren aus dem warmen Schlafsack zu kriechen. Der zweite Tag in Südafrika ging ähnlich weiter wie der vorherige aufgehört hatte. Irgendwie war es traurig zu sehen wie die Natur durch diese Monokulturen verschandelt wurde. Wir sahen fast keine Vögel oder andere Wildtiere.

In Paulpietersburg fanden wir nach längerer Suche ein Supermarkt, der Pommes verkaufte. Ansonsten fanden wir nur Restaurants die viel Fleisch mit wenig Beilagen verkauften. Währenddem wir die frittierten Kartoffeln assen, wurde kiloweise Fleisch verkauft und Schweinsköpfe geliefert. Die Südafrikaner lieben Fleisch.

Die Distanzen zwischen den Städten waren wieder grösser und wir mussten und daran gewöhnen zu schauen, wann der nächste Supermarkt kommt. Bei einem Bauernhof wollten wir die Besitzer fragen, ob wir das Zelt auf ihrer Wiese aufstellen konnten. Die Familie kam aus dem Haus, sahen uns, aber führten ihr Gespräch fort, ohne uns nur die winzigste Aufmerksamkeit zu schenken. Nach einer Weile fragte Adi, ob ihnen das Land gehört. Sie meinten ja und sagten wir können gerne unser Zelt aufstellen. Das war es bereits mit der Unterhaltung. Wir stellten unser Zelt auf und die Familie fuhr weg, da sie anscheinend an einem anderen Ort wohnten. Eine so komische Begegnung hatten wir in ganz Afrika noch nicht und wir waren ein bisschen schockiert. Immerhin war der (schwarze) Sicherheitsmann gewohnt freundlich und hilfsbereit.

Fabians Nacht war leider wenig erholsam, da er mehrere Male erbrechen musste und der Magen rumorte ebenfalls gewaltig. Am Morgen fühlte er sich zum Glück etwas besser. Der Appetit war noch nicht so gross, aber wir konnten weiterfahren.

Die Landschaft wurde tendenziell flacher, obwohl wir immer noch auf über 1200 Meter über Meer waren. Die aufgeforsteten Wälder verschwanden und Maisfelder und Trockenwiesen umgaben uns so weit das Auge reicht.

Bei einer Pause kamen wir mit einer Frau ins Gespräch. Bereits zum wiederholten Mal spürten wir die Spannung zwischen weiss und schwarz aus ihren Erzählungen heraus. Zum Teil waren die Aussagen auch klar rassistisch. Wir versuchen weiterhin dies nicht zu werten und uns einfach so zu benehmen, wie bisher in den vorherigen afrikanischen Ländern.

Während einer längeren Pause vor einem Einkaufszentrum, kamen wir mit mehreren Männern ins Gespräch. Sobald wir das Eis brechen und eine Unterhaltung starten ist der Austausch für uns wie gewohnt. Wir haben das Gefühl, dass die Leute offener und kommunikativer sind, sobald sie wissen, dass wir nicht aus Südafrika sind.

Das Zelt konnten wir nach einer nebligen und somit feuchten Nacht nicht gleich morgens einpacken. So trockneten wir es direkt am Strassenrand. Die vorbeifahrenden Leute staunten nicht schlecht, als sie die zwei Touristen im Busch mit einem Zelt sahen.

Fabian ging es schon wieder viel besser und so kamen wir im mehrheitlich flachen Gelände schnell vorwärts. Nach etwa zwei Stunden erreichten wir eine Hauptverkehrsachse mit viel Schwertransportern. Leider war der Pannenstreifen wegen einer Baustelle zum Ausbau der Strasse blockiert und es war zum Teil schon sehr eng, wenn die Lastwagen uns überholten und auf der Gegenseite ebenfalls ein Lastwagen mit Anhänge auf uns zu kam.

Trotzdem erreichten wir Ladysmith vor dem Mittag. Während dem Mittagessen sprachen wir mit dem Sicherheitsmann und fragten ihn, wo wir unsere Fahrräder für einen Tag sicher einstellen konnten. Zuerst meinte er, es sei möglich auf dem Areal des Einkaufszentrums, aber dies stellte sich später als zu umständlich heraus. Kurz darauf fanden wir ein Hotel, wo wir die Fahrräder in einem Raum deponieren konnten. Unser Ziel waren die Tugela-Fälle, etwa 100 km entfernt. Wir entschieden uns diesen Ausflug per Anhalten zu unternehmen.

Also kauften wir Proviant ein, schrieben auf ein Schild die nächste Stadt auf dem Weg und stellten uns an den Strassenrand. Bereits nach wenigen Minuten sagte uns ein Mann wir müssten an einem anderen Ort stehen, da uns hier niemand mitnimmt. Etwa 1 km weiter standen noch andere Männer und Frauen mit Schildern in der Hand und so wussten wir, dass wir richtig standen. Kurz darauf hielt ein Pickup und nahm uns und drei Frauen auf der Ladefläche für etwa eine Stunde mit. Nach vier weiteren Mitfahrgelegenheiten waren wir bereits am wunderschönen Campingplatz, direkt unterhalb der Bergkette angekommen. Für die letzten Kilometer nahm uns sogar ein Mitarbeiter des Campings mit, da es sonst fast keine Autos hatte die bis zum Ende der Strasse fuhren.

Nach einer ruhigen Nacht, liefen wir motiviert los in Richtung Tugela Falls. Der fünfstufige Wasserfall erreicht eine Höhe von 948 Metern. Somit ist er nach dem Salto Angel in Venezuela der höchste Wasserfall der Erde. Zusätzlich ist es der höchste mehrstufige Wasserfall der Erde. Die Berge um den Campingplatz inklusive Wasserfälle gehören zum Royal Natal Nationalpark. Dieser ist Teil des Ukhahlamba-Drakensberg Park, welcher zum UNESCO-Welterbe zählt. Die Drakensberge sind das höchste Gebirge im südlichen Afrika und erreichen maximal 3482 Meter.

Der Wanderweg stieg langsam an und führte uns mehr oder weniger parallel zum tiefer gelegenen Bach näher an die markante Bergkette. Nach einer Weile liefen wir durch dicken, dschungelartigen Wald, in welchem wir viele Paviane sahen und vor allem hörten. Nach etwa zwei Stunden erreichten wir das Bachbett, wo sich das Tal aufspaltete. Die eine Seite führte zu den Wasserfällen durch eine enge und mit Wasser gefüllte Schlucht. Die andere Option war eine offiziell geschlossene Leiter, die über einen Buschpfad weiter oben zurück zum Bachbett führte. Wir nahmen natürlich diesen Pfad und erreichten so etwa eine Stunde später einen Punkt, von welchem wir den oberen Teil der Fälle sehen konnten. Aufgrund des niedrigen Wasserstandes konnten wir den Wasserfall nur mit dem Feldstecher klar erkennen, darum ist er auf den Fotos nicht sichtbar.

Auf dem Rückweg kühlten wir uns in einem der Becken ab und genossen die fantastische Umgebung. Nicht viele Touristen waren auf diesem Pfad unterwegs. Von Paul und Anne erhielten wir nützliche Tipps und kamen so ins Gespräch. Wie es der Zufall wollte, studiert ihr Sohn Connor momentan in Luzern. Das nette südafrikanische Pärchen nahm uns mit zurück zum Camping und lud uns auf ein Bier ein. Aufgrund der unterhaltsamen Gespräche vergassen wir fast die Zeit. Denn unser Tagesziel war wieder zurück zu unseren Fahrrädern zu kommen.

Wir liefen zurück zur einzigen Strasse, welche aus dem Tal führt. Nach etwa einer Viertelstunde kam ein Pickup und holte alle Mitarbeiter des Campings und der umliegenden Lodges ab und wir durften ebenfalls mitfahren. Während der Fahrt äusserte der eine junge Mann bedenken, ob wir es wirklich noch am selben Tag zu unserem Gepäck schaffen. Er meinte es sei zu gefährlich für uns bei Dunkelheit per Anhalten zu reisen und lud uns in sein Haus ein für die Nacht. Wir wollten es zumindest bis es dunkel war versuchen. Eine Frau, die ebenfalls im Pickup war, half uns eine weitere Mitfahrgelegenheit in die nächste Stadt zu finden. Auch sie war besorgt um unsere Sicherheit und langsam sickerten diese Bedenken auch in unsere Köpfe. Glücklicherweise hielt kurz darauf John an und nahm uns ein grosses Stück mit. Interessanterweise war John aus Nigeria und sehr erstaunt Reisende «unserer Sorte» zu treffen. Er half uns sogar für das letzte Stück ein Fahrzeug zu finden und wurde mit einem Polizisten sehr schnell fündig. Dieser erzählte uns aus seiner Sicht wie viel Gewalt und Kriminalität in dieser Region und überall in Südafrika vorhanden ist. Südafrika hat einer der höchsten Tötungsrate der Welt. Es werden pro 100’000 Einwohner fast 70 Mal mehr Menschen getötet pro Jahr als in der Schweiz. Müde und hungrig erreichten wir unsere Fahrräder und fanden in der Nähe eine Unterkunft.

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