9. Tag: Pausentag- Kilpisjärvi

27. Mai 2018:

An unserem ersten Pausentag hatten wir nichts Anstrengendes geplant. Nach einem gemütlichen Frühstück reinigten wir unsere Fahrräder vom Schmutz der letzten Tage, kontaktierten unsere Freunde und Familie und konnten endlich unsere Kleider waschen. Am Nachmittag halfen wir der Kommune den Rastplatz vom liegengebliebenen Abfall zu säubern.

Das Dorf Kilpisjärvi ist die westlichste Siedlung in Finnland und der kälteste Ort in Kontinentaleuropa zur Sommerzeit. Viele Touristen aus aller Welt bestaunen hier die Polarlichter, unternehmen Skitouren oder wandern in den lokalen Bergen. Aufgrund der speziellen Lage ist die Wahrscheinlichkeit hier besonders gross die Polarlichter zu sehen, da zwei Wetterfronten aufeinandertreffen und somit meistens auf der finnischen oder der norwegischen Seite klarer Himmel herrscht. Gareth der aus Neuseeland stammende Outdoor-Tour Guide kennt die Gegend bestens und organisiert über seine eigene Reiseagentur www.adventurebydesign.fi kundenspezifische Reisepakete im Grossraum Kilpisjärvi. Viele Forscher verweilen in dieser Gegend aufgrund der unberührten Landschaft und der nur hier existierenden Vegetation. Ausserdem sind die Seen hier gefüllt mit unverschmutztem Wasser und werden von sauberen Wasser aus den umliegenden Bergen gespiesen. Der Hausberg «Saana» ist in ganz Finnland bekannt und jeder Einheimische möchte den schön geformten Berg einmal bestiegen haben.

8. Tag: Skibotn-Kilpisjärvi

26. Mai 2018:

Das heutige Ziel war direkt nach der norwegisch-finnischen Grenze in einem kleinen Dorf auf über 600 m.ü.M. Durch die Organisation Warmshowers hatten wir eine Bleibe für zwei Nächte in Kilpisjärvi bei einem neuseeländisch-finnischen Paar gefunden. Der Weg dorthin führte uns durch ein märchenhaftes Tal immer weiter hoch in die Berge. Die Umgebung wechselte von Föhrenwälder zu vereinzelten Birken und schlussendlich zu einer kargen Landschaft mit Büschen und ausgetrockneten Wiesen. Kurz vor der Passhöhe fuhren wir an einem immer noch komplett zugefrorenen See vorbei, um danach die unspektakuläre Grenze nach Finnland zu überqueren. Während dem Überqueren der Grenze spielten wir die finnische Nationalhymne, eine Tradition die wir bis Südafrika aufrechterhalten möchten.

Von Gareth und Elina willkommen geheissen, bezogen wir unseren Campingwagen, den wir zur Verfügung gestellt bekamen. Zum Nachtessen kochte uns das sehr gesellige Paar ein typisch finnisches Gericht, Rentierfleisch mit Kartoffelstock, es schmeckte hervorragend. Am späteren Abend kuschelten wir uns im gemütlichen Wohnwagen ein und beobachteten den draussen vorherrschenden Schneefall.

7. Tag: Rotsund-Skibotn

25. Mai 2018:

Der siebte Tag auf dem Rad in Serie startete mit prächtigem Sonnenschein und einer lustigen Begegnung direkt nach dem Losfahren. Ein junggebliebener Deutscher aus Bayern, der vom Nordkapp bis nach Nürnberg läuft, ja – LÄUFT! lief am Strassenrand und wir tauschten unsere bisherigen Erfahrungen aus. Er hat eine Art Kinderwagen so präpariert, dass er bergab darauf stehen und somit Geschwindigkeiten bis zu 30 km/h erreichen kann. So meistert er um die 60 km pro Tag – eine sportliche Leistung.

Dank der kräftigen Sonne konnten wir die warmen Temperaturen geniessen und fuhren grösstenteils mit kurzen Hosen und T-Shirt. Die heutige Strecke führte uns um einen riesigen Fjord herum, was einen Schlenker von 45 km bedeutete. Falls es eine Fähre gehabt hätte, wären es gerade mal 4 km gewesen (siehe Bild). Am Wendepunkt angekommen, gönnten wir uns eine Mahlzeit und kamen mit einem Bus voller Norweger ins Gespräch, die unterwegs nach Tromsø waren, um an einem politischen Wahlkampf teilzunehmen. Die Gruppe war, dank reichlichem Bierkonsum, in bester Laune und sehr interessiert an unserem Vorhaben. Vom Beginn des Tages bis zum Ende des erwähnten Fjordes hatten wir ideale Bedingungen und keinen Wind. Während den letzten Kilometern an der norwegischen Küste rauschte uns wiedermal heftiger Gegenwind entgegen und raubte uns allen die letzten Reserven. Trotz allem erreichten wir Skibotn heil und fuhren zum ersten Mal über 100 km seit dem Projektstart.

6. Tag: Sekkemo-Rotsund

24. Mai 2018:

Nach ruhigem Auf und Ab entlang schöner Fjordküsten stand uns plötzlich wieder ein steiler, langer Anstieg bevor. Schon während dem Erklimmen des Passes wurden wir mit einer wunderschönen Aussicht auf die nahe erscheinenden Gipfeln und Inseln belohnt. Die Abfahrt wurde uns, wie schon oft, von kräftigem Gegenwind verdorben und liess uns nicht wirklich erholen.

Wie schon an Tagen zuvor präsentierten uns lokale Fischer ihre gefangenen Stockfische aufgehängt an den typischen Holzbauten. Die Fische werden für eine lange Zeit dem norwegischen Wetter ausgesetzt und so getrocknet.

Zum Zeitpunkt als wir alle schon müde waren, kam noch ein für Fahrräder verbotenes Tunnel auf uns zu. In diesem über 5 km langen Tunnel bemerkten wir unsere erste Panne an Fabians Fahrrad. Eine Speiche brach und machte ein nicht zu verachtendes Geräusch im sonst schon lauten Tunnel. Am Zeltplatz angekommen ersetzten wir die Speiche und legten uns zur Ruhe.

5. Tag: Talvik-Sekkemo

23. Mai 2018: 

  • Diejenigen die über Aktualisierungen im Blog oder der Webseite informiert werden wollen, empfehlen wir den Newsletter zu abonnieren.
  • Heute haben wir einen ersten, wenn auch kleinen Meilenstein zu verzeichnen. Wir erreichten 300km und somit 1% der Gesamtstrecke (30’000 km).

Schon zu Beginn des Tages wechselte das Wetter alle 15 Minuten und wir entschieden uns die Regenausrüstung von Beginn weg zu tragen. Die Strecke war für norwegische Verhältnisse anfangs flach und zog sich endlos den Küsten eines Fjordes entlang. Der plötzlich einsetzende Schneeregen überraschte uns dann doch ein wenig und gestaltete die Fahrt nicht wirklich angenehmer, denn der Wind war natürlich auch heute präsent. Die Wetterkapriolen zogen sich durch den ganzen Tag und es wurde nie langweilig. Auf der Suche nach unserer ersten Dusche seit Tromsø vor einer Woche fuhren wir, risikobereit wie wir sind, an einigen Campingplätzen vorbei, um einen noch besser gelegenen Übernachtungsplatz zu finden. Schlussendlich mussten wir einen nicht zu unterschätzenden Pass überqueren um den schön gelegen Campingplatz in Sekkemo zu finden. Die langersehnte Dusche motivierte uns für die kommenden Tage und gab uns ein Gefühl der Neugeburt.

4. Tag Sennalandet-Talvik

22. Mai 2018: 

Am Vortag leisteten wir grossartige Arbeit und fuhren fast die gesamten Höhenmeter des Sennalandet-Passes und hatten aus diesem Grund heute Morgen einen einfachen Start. Während der Abfahrt vom Pass hinunter zum Meer wechselte die Umgebung von karg, ohne jegliche Vegetation, zu einer grünen frühlingshaften Landschaft. Die schönen Wälder um uns herum stimmten uns zuversichtlich für die nächsten Tage. In Alta, der letztgrössten Stadt in Norwegen, deckten wir uns mit neuem Proviant ein und präsentierten der Kommune unsere Kochkünste in der regengeschützen Busstation. Nach der Zubereitung der Fischstäbchen und Fischburger hätte man meinen können wir arbeiten im Mc Donalds.

Auf der Suche nach Strom und Internet liefen wir zielsicher in ein von aussen wie ein Restaurant aussehendes Gebäude, was sich kurze Zeit später als ein Altersheim entpuppte. Nach längerer Pause in einer Burgerbude, fuhren wir entlang einer schönen, windstillen Küstenstrasse zu einem «ruhigen» Grillplatz an der Küste. Dieser wurde uns von einer lokalen Familie empfohlen als Übernachtungsplatz.

3. Tag: Olderfjord-Sennlandet

21. Mai 2018:

Von der Sonne geweckt starteten wir ausnahmsweise vor 12 Uhr. Die ständige Helligkeit macht unserem Zeitgefühl bzw. Tag-Nacht-Rhythmus ziemlich zu schaffen. Schon ziemlich müde von den letzten beiden Tagen ging es gleich anfangs auf einen Pass hoch, um dann bei kräftigem Gegenwind (wie könnte es auch anders sein) wieder runterzufahrenstrampeln. Unten angekommen, verköstigt und ausgeruht, ging es gleich auf den nächsten Pass und der hatte es in sich. Landschaftlich sehr schön, mit einem sich durch das Tal schlängelnden Fluss und schneebedeckten Hängen, ging es gefühlte 100 km stetig bergauf. Der (Gegen)wind begleitete uns ständig und forderte unseren nicht mehr so frischen Beinen alles ab. Kurz nach der Passhöhe stellten wir unsere Zelte auf und genossen die Ruhe um uns herum.

2. Tag: Repvåg-Olderfjord

20. Mai 2018:

Mit Frühstück gestärkt stand unser tägliches Workout auf dem Programm. Das in der Nähe stehende Schneemobil diente dabei als Trainingsgerät. Nach einigen Minuten realisierten wir, dass der Wind anscheinend ein ständiger Begleiter sein wird. Mit kräftigen Tritten versuchten wir gegen den starken Wind anzukämpfen, später kam noch Regen dazu. Ein ebenfalls ständiger Begleiter sind die Rentiere die am Strassenrand weideten und immer wegrannten, wenn wir uns annäherten. An einigen Stellen in Küstennähe fliehen die wilden Tiere in suizidaler Art und Weise entweder quer über die Strasse oder knapp am Abgrund uns entgegen. In Olderfjord angekommen gönnten wir uns im einzigen Imbiss einen leckeren Burger mit Pommes, da die einzige Einkaufsmöglichkeit, ein Tankstellenshop, geschlossen war. Mit neuer Energie fuhren wir noch einige Kilometer weg vom Meer in Richtung hügeliges Landesinnere auf der Suche nach einem geeigneten Nachtlager. Im aufgestellten Zelt verfolgten wir gespannt das Finalspiel der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft gegen Schweden. Trotz verpasster Goldmedaille feierten wir den Finaleinzug mit einem kräftigen Schluck Whiskey aus dem Flachmann und legten uns schlafen.

1. Tag: Nordkapp-Repvåg

19. Mai 2018:

Aufgrund der Mitternachtssonne, die wir alle zum ersten Mal bestaunen konnten, schliefen wir heute auch ein wenig länger und starteten unseren offiziellen ersten Tag erst um die Mittagsstunden. Der erste Teil der Strecke kannten wir bereits vom Vortag und war aus diesem Grund wenig spektakulär. Im Supermarkt in Honningsvåg verpflegten wir uns, bevor wir Richtung Olderfjord abbogen. Nach kurzer Zeit kam schon der erste längere Tunnel des Tages. Mit etwas über 4km doch eher lang und staubig. Zum Glück hatte es bisher noch fast keinen Verkehr, was uns grösstenteils erlaubte zu dritt nebeneinander mit laute Musik zu fahren. Einige hundert Meter nach dem Tunnel wurde der Wind immer stärker und stärker. Zum Teil konnten wir kaum noch vorwärtsfahren und mussten kurz pausieren oder fuhren kreuz und quer, durch den Wind dirigiert, über den Asphalt. Diesen Kampf haben wir mit der GoPro festgehalten, jedoch zeigen die Szenen die Stärke des Windes nicht wirklichkeitsgetreu. Weitere starke Seiten- und Frontalwinde später, erreichten wir den Nordkapptunnel, der mit seinen 6.8km Länge unter dem Meer hindurchführt. Zeitweise ist der Tunnel über 212m unter dem Meeresspiegel und dementsprechend ist auch die Strasse sehr steil (10%) und fordert einem alles ab. Kaum froh die andere Seite erreicht zu haben, wurden wir an den immer noch herrschenden Wind erinnert. Ein Ire, man könnte meinen ein Irrer, kam uns kurz nach dem Tunnel entgegen und suchte nach einem Unterschlupf für die Nacht und fand sie in einem alten Container am Strassenrand. Nach weiteren 10 km mit zeitweiligem Rückenwind entschieden wir uns nach kurzer Debatte neben einem kleinen Häuschen abseits der Strasse unser Nachtlager aufzuschlagen. Der Wind war so stark, dass es fast unmöglich gewesen wäre, das Zelt auf einem offenen Feld aufzuschlagen. Vom Wind relativ gut geschützt erholten wir uns von einem anstrengenden ersten Tag Richtung Süden.

Zürich-Nordkapp

18.05.2018 (Honningsvag- Nordkapp)

Nach einer, durch den starken Wellengang erstaunlich erholsamen Nacht, stiegen wir in Honningsvag auf unsere Fahrräder und starteten die Reise zum Nordkapp. Auf den sehr hügeligen Strassen sahen wir die ersten wilden Rentiere und wurden Zeugen des nördlichen Windes. Alle drei waren froh, als wir die grosse weisse Kugel des Besucherzentrums am Nordkapp aus der Ferne zu Auge bekamen. Der letzte Teil der Anreise zum nördlichsten Punkt Europas war doch anstrengender als erwartet. Trotz des starken Windes und der kalten Aussentemperatur machten wir einige Schnappschüsse mit dem Globus aus dem Jahre 1977. Die Zelte waren anschliessend schnell aufgestellt.

 

17.05.2018 (Tromsø- Honningsvag)

Am Nationalfeiertag Norwegens sahen wir uns den bunten Umzug im Stadtzentrum mit seinen traditionell gekleideten Besuchern an und wurden Zeugen des norwegischen Patriotismus. Es gab fast keine Einheimischen ohne Flagge oder Tracht bzw. Anzug für die männlichen Besucher.

Joggend oder per Fahrrad fanden wir uns nach überqueren der imposanten Brücke die das Festland mit Tromsø verbindet am Fusse des Fjellheisens wieder. Anstatt die Seilbahn zu benutzen, wanderten wir zur Bergstation um die wunderbare Aussicht auf Tromsø und die Umgebung zu geniessen. Zurück beim Appartement packten wir unsere Sachen zusammen und bestiegen das Schiff welches die Hurtigruten abfährt. Das luxuriös ausgestattete Schiff, inklusive Jacuzzi und Panoramabar, war jedenfalls grösser als erwartet. Nachdem die anderen Gäste, die eine Kabine gebucht haben, sich zur Ruhe setzten, ergatterten wir die Sofas um zu schlafen.

 

16.05.2018 (Tromsø)

Die erste Nacht in unserem stilvollen und angenehmen Appartement brachten wir gut hinter uns. Mit den Fahrrädern erkundeten wir Tromsø mit seinen 75’000 Einwohnern und besuchten das Polarmuseum, welches interessante Fakten und Requisiten präsentiert. Danach erkundeten wir den lokalen Supermarkt und wurden Zeugen der hohen norwegischen Preise. Die Tickets für die Schifffahrt ergatterten wir uns im Infozentrum.

 

15.05.2018 (Flug Zürich- Tromsø)

Familie und Freunde waren mit uns am Flughafen um uns zu verabschieden. Nach dem Abschied machten wir uns auf den Weg durch die Sicherheitskontrolle und bestiegen das Flugzeug nach Tromsø.  Wir landeten pünktlich in Tromsø und schon bald konnten wir unsere Räder entgegennehmen. Die Freude war von kurzer Dauer, da unser Gepäck aus unerklärlichen Gründen nicht ankam. Während uns versichert wurde, dass die Taschen am nächsten Tag direkt zu unserem Appartement geliefert werden, machten wir unsere Räder kurzerhand wieder fahrtauglich und fuhren zur Unterkunft.