Nordghana – Zentralghana

(Last Updated On: September 1, 2019)

23. August – 31. August 2019:

Die Überquerung vom «Black Volta», einem der Zuflüsse für den 8500 km2 grossen Volta-Stausee war eher uninteressant und nach der Brücke folgte wieder eine schnurgerade Strasse. 1961 wurden mit den Arbeiten am Volta-Staudamm begonnen. Mithilfe des drittgrössten Stausees der Welt wurde anfangs zu viel Strom produziert und dadurch konnte ein grosser Teil in die Nachbarländer exportiert werden. Aufgrund des extremen Bevölkerungswachstums und dem dadurch erhöhten Strombedarf, ist heute die Energieproduktion zu gering und es gibt vermehrt Stromausfälle.

Die Gegend ist allmählich wieder dichter besiedelt und die Abstände zwischen zwei Dörfern werden wieder kleiner. Am Strassenrand verkauften Kinder in einem kleinen Verkaufstand riesige Yamswurzeln. Dutzende dieser Stände kamen direkt nacheinander und keiner bot etwas anderes als diese Wurzeln an.

Endlich änderte sich das Relief wieder und bald beschwerten wir uns auch schon wieder über die langen Anstiege. Besonders beim vorherrschenden Gegenwind zogen sich die Hügel lange hin. Beim Reparieren eines Platten Reifens, konnten wir im Haus einer Familie ebenfalls unseren Laptop laden und das extrem nasse Zelt trocknen. In der Nacht zuvor regnete es fast ununterbrochen und somit mussten wir das Zelt klitschnass versorgen.

Als wir weiterfahren wollten, meinte die Frau die seit über einer Stunde nebenan kochte, wir sollten wenigstens warten bis sie uns etwas zu essen anbieten könnte. Natürlich lehnten wir dieses Angebot nicht ab. Nach der leckeren Mahlzeit fing es stark an zu Regnen und der Ehemann meinte, wir sollten doch bei ihnen übernachten. Ihm passte es sowieso nicht, wenn wir im Busch übernachten würden, da es dort zu gefährlich sei. Eine Ansicht die interessanterweise bisher alle Afrikaner teilen.

Um acht Uhr früh verabschiedeten sich die Eltern, da sie die Kirche besuchten. Sie meinten das Frühstück sei bereit und wir meinten nur: «OK», da wir uns noch im Halbschlaf befanden.

Weiterhin meisterten wir die vielen Hügel tapfer und in Techiman stärkten wir uns für die nächsten Höhenmeter. Plötzlich, als wir hintereinander auf einem übersichtlichen Strassenstück fuhren, streifte ein Motorradfahrer Adrian von hinten, kam aus dem Gleichgewicht und stürzte seitlich auf den Asphalt. Während dem Sturz fiel er vom Motorrad und landete auf der anderen Strassenseite. Glücklicherweise konnte sich Adrian auf dem Fahrrad halten und sofort zu Hilfe eilen. Der Motorradfahrer trug zum Glück einen Helm und hatte darum nur offene Lippen und eine Schürfwunde im Gesicht. Ausserdem hatte er einen offenen Arm, kaputte Hosen und das Motorrad war definitiv in einem miserablen Zustand. Wenigstens war das Motorrad noch fahrbar und der Einheimische konnte weiterfahren. Schlussendlich waren wir alle froh, dass nichts Schlimmeres passierte.

Im Nachhinein erinnerten wir uns sogar daran, dass der in den Unfall verwickelte Motorradfahrer uns ziemlich sicher bereits vorher begegnet war. Es überholte uns nämlich ein Motorradfahrer zweimal und wies uns zurecht wie und wo wir mit unseren Zweirädern zu fahren haben. Wir ignorierten ihn, da wir das Gefühl hatten alles richtig gemacht zu haben. Letztendlich wissen wir nicht was seine Absicht war oder ob ein Hintergedanke vorhanden war zum Zeitpunkt des Vorfalls.

Auf jeden Fall erreichten wir mit Kumasi, die erste Grossstadt Ghanas und mussten uns somit wiedermal durch den stinkenden, staubigen und lauten Verkehr kämpfen. Auf dem Weg zu unserem Gastgeber Enoch, den wir über Warmshowers kontaktierten, schauten wir uns den Kejetia Markt an, der als grösster Markt Westafrikas zählt. Das lebendige Treiben in den engen Gassen war beeindruckend und wir konnten fast nicht wegschauen. Besonders imponierten uns einmal mehr die unglaublich starken Frauen, die ultraschweren Dinge von A nach B für ein Taschengeld transportieren. Später erreichten wir das grosse Haus des Ghanaers und er lud uns grosszügigerweise auf ein Einheimisches Nachtessen inklusive Bier ein.

Kumasi ist die Hauptstadt des ehemaligen Königreiches der Ashanti mit seiner grossartigen Zivilisation. Ashanti ist das Herz Ghanas in der südlichen Mitte. Die Goldproduktion ist seit Jahren ein wichtiges Standbein der Region.

Enoch lebte selber schon einige Monate in Skandinavien und berichtete wenig enthusiastisch von dieser Zeit. Er musste über zwölf Stunden in einem Fast Food Restaurant als Reinigungskraft arbeiten und war geschockt von der Kälte der Leute und der Region. Er wurde traurigerweise oft mit Rassismus konfrontiert und ist deswegen glücklich wieder in Ghana zu sein.

Anstatt im Zelt zu schlafen, erhielten wir Enochs Bett und er wollte unbedingt in unserem Zelt schlafen. Allerdings nicht draussen, da er sich schrittweise an das Zelt gewöhnen wollte. Somit stellten wir das Zelt im Gang des Hauses auf und er war hellbegeistert von dieser speziellen Erfahrung.

Auf der Strasse werden wir speziell in Ghana viel nach Geld gefragt, obwohl die Leute einen viel höheren Lebensstandard haben als in den vorherigen Ländern. Vermutlich liegt dies einmal mehr an den Touristen die hier leider Geld oder irgendwelche Geschenke an die Einheimischen verteilen. Ausserdem wurde Adrian mehrfach als Jesus bezeichnet, da er mit seinem Bart und den eher längeren Haaren genauso aussieht wie sie sich ihn vorstellen. Auch unser Vorschlag Jesus sei doch Afrikaner und somit nicht weiss, stiess auf taube Ohren. Nach dem Besuch beim Friseur, der mit seiner Spielzeugschere zwei Stunden ahnungslos an den für ihn unbekannten Haaren herumschnipselte, nahmen die Jesusrufe definitiv ab.

Eine Freundin Enochs kochte uns jeweils das Abendessen und wir genossen den Luxus alle möglichen Gerichte auszuprobieren. Die Leute in Ghana sind immer wieder erstaunt, wenn wir ihnen sagen, dass wir bereits alle einheimischen Spezialitäten versucht haben und auch sehr mögen.

Nach einem gemeinsamen Frühstück mit unseren neuen Freunden, machten wir uns auf den Weg zurück ins Stadtzentrum. Dort wechselten wir mit der Hilfe eines Kontakts von Enoch Geld auf dem Schwarzmarkt. Auf dem Weg zum Bosumtwi-See, mussten wir ein Stück auf einer staubigen, völlig kaputten Strasse fahren, um nach einem kurzen, steilen Aufstieg den Eintrittspreis für die Seeregion zu bezahlen. Danach führte die Strasse extrem steil zum grössten natürlichen See Ghanas.

Bei einer Bar, in Ghana «spot» genannt, durften wir unser Zelt direkt am Ufer aufstellen. Währendem wir uns im erfrischenden Wasser badeten, holten die fleissigen Fischer ihre Netze aus dem Wasser. Aufgrund einer wichtigen lokalen Gottheit die anscheinend kein Eisen mag, gehen die Fischer heute noch mit Hilfe von schmalen Holzplatten auf Fischfang. Es sieht so aus, als würden sie auf dem Wasser schweben, da sie nur mit den Händen und Füssen paddeln.

Der steile Anstieg aus dem Seebecken, das anscheinend durch einen Meteoriteneinschlag entstand, hatte es in sich und wurde vor allem für Fabian zusätzlich anstrengend. Er verlor nämlich stetig Luft vom vorderen Pneu und musste oben angekommen, wiedermal ein Loch flicken.

Eine schmale, von Schlaglöcher geprägte Strasse führte uns auf die Verbindungsstrasse zwischen Kumasi und Accra. Viele völlig überladene Lastwagen drängten uns beim Vorbeifahren auf den Pannenstreifen. Leider sind wir mit dem Fahrrad in Afrika nur Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse und müssen selber schauen, dass wir nicht von hinten überfahren werden.

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