Lomé – Grenze Benin

(Last Updated On: September 27, 2019)

20. September – 25. September 2019:

Leider bemerkten wir erst nachdem wir die Residenzzertifikate abgeholt hatten, dass bei Adrians Dokument die Unterschrift des Kommandanten fehlte. Also besuchte Adrian erneut die Polizeistation um die Unterschrift nachträglich zu holen. Leider war dies auch nach zweistündiger Wartezeit nicht möglich, da der Kommandant nicht da war, also hinterliess er seine Telefonnummer und ging nach Hause. Am nächsten Morgen, bevor wir uns von der zuvorkommenden Familie Noahs verabschiedeten, absolvierte er die Bonusrunde von 15km und holte sich die entscheidende Unterschrift nachträglich.

Wir schossen ein paar Fotos vor dem Restaurant und bedankten uns für die grossartige Gastfreundschaft. Eine autobahnähnliche Strasse führte uns aus Lomé. Schon bald wurde die Strasse schmaler und die ersten Schlaglöcher tauchten auf. In einem kleinen Dorf probierten wir unseren ersten Käse aus Kuhmilch in Afrika. Der weisse, grosse Käseklumpen schmeckte extrem frisch, war jedoch im Geschmack eher fad.

Unser Plan von Lomé nordwärts zu fahren, um dann die Grenze nach Benin zu überqueren ist definitiv nicht der kürzeste Weg, aber deshalb machen wir diese Reise auch nicht. Die hohe Luftfeuchtigkeit aufgrund des regelmässigen Regens, liess uns Schwitzen und die Kleider trockneten überhaupt nicht mehr.

Bei einer schmalen Brücke sahen wir von weitem bereits viele Leute die in den Fluss schauten. Wir ahnten bereits böses und als wir bei der Brücke ankamen, sahen wir einen mit Reis beladenen Lastwagen, der die Kurve nicht erwischte. Einige Schaulustige sagten uns, dass zwei Menschen starben. Überall sahen wir Kinder und Jugendliche, welche die Reissäcke aus dem Fluss fischten und stolz nach Hause trugen.

Hinter einem Gymnasium fanden wir unter Mangobäumen ein gutes Plätzchen, um unser Zelt aufzustellen. Während dem Einrichten unseres Zeltes, lernten wir den Deutschlehrer kennen, der interessiert in gutem Deutsch Fragen über unsere Reise stellte. Er erzählte uns, dass er pro Klasse 80 Schüler hat. Auf unsere Frage ob die Kinder geschlagen werden, meinte er die Regierung hätte es offiziell verboten, aber, wenn man die Kinder nicht schlägt, machen diese was sie wollen. Verständlich, da die Kinder im Elternhaus geschlagen werden, müssen die Lehrer mitziehen, sonst gibt es chaotische Zustände im Unterricht.

Ausserdem meinte er, dass er die ersten drei Jahre als Lehrer kein Gehalt bekam und erst dieses Jahr offiziell als Beamter einen Vertrag hat. Leider reicht auch dieser Lohn nicht aus und somit arbeitet er am Wochenende als Bauer.

Seit einer Woche sind die Sommerferien vorbei und wir sehen wieder hunderte Kinder auf ihrem langen Weg in die Schule mit ihren niedlichen Uniformen. Meistens begrüssen sie uns freundlich und manchmal fragen sie leider auch nach einem «cadeau».

Überall legten die Kinder und Frauen ihre Ernte am Strassenrand zum Trocknen aus. Wir sahen Mais, Chilischoten, Okra und Cassava. Ausserdem begleiten uns Teakplantagen seit Ghana.

Der Verkehr auf der einzigen Hauptstrasse Richtung Norden ist mittelmässig und es gibt wie überall in Togo extrem viele Motorräder. Vietnamreisende kennen das, obwohl es hier neben den Motorrädern auch viele Fahrräder gibt, was uns natürlich enorm freut.

Nach über 340 km in drei Tagen erreichten wir erschöpft Sokodé, die drittgrösste Stadt Togos. Unser Couchsurfing Gastgeber Tatchein holte uns an der Hauptstrasse ab und führte uns zu seinem Haus. Seine Mutter wollte unbedingt, dass wir ihr Essen kosten und wir waren natürlich überhaupt nicht abgeneigt.

Seit der Sahara sind wir nicht mehr drei Tage hintereinander über 100 km gefahren und wir ruhten uns dementsprechend in Sokodé aus. Zusammen mit Tatchein besuchten wir den «grande marché», assen ein Reisgericht namens «Washie» in einer typischen Garküche und liefen auf einen Hügel, von wo wir eine Übersicht über die Stadt bekamen.

Wir verliessen das gastfreundliche Haus wieder und mussten vorher der zuvorkommenden Mutter von Tatchein erklären, dass wir weiterfahren. Je weiter nördlich wir kommen in Togo, desto freundlicher und enthusiastischer ist die Reaktion der Leute, wenn sie uns sehen. Die Kinder auf dem Schulweg schreien meistens irgendetwas, grüssen freundlich oder heute wurden wir sogar mit Applaus in einem Dorf empfangen. Wir sind uns ja gewohnt überall im Mittelpunkt des Geschehens zu sein, aber so extrem war die Reaktion selten.

Wir fuhren entlang einer Passstrasse seitlich einen Berg hoch und genossen die Weitsicht auf die umliegenden Berge. Lastwagen die auf ihrem Weg nach Burkina Faso denselben Pass überqueren müssen, überholten wir locker, da die völlig überladenden Lastwagen sich schnaufend hochkämpften. Nach der Abfahrt vom Pass merkten wir sofort wie das Klima wieder tropisch feucht wurde und sich der ganze Körper klebrig anfühlte.

In Kara wollten wir endlich Hundefleisch probieren, da es in Togo als Spezialität gilt. Irgendwie verstand der Togolese den wir nach einem Grillstand gefragt hatten nicht nach was wir genau suchten. Darauf zeigten wir auf einen Hund und zeigten ihm gleichzeitig mit Hilfe von Gestik etwas zu essen. Er verstand was wir suchten und erklärte uns wo man Hundefleisch findet. Leider war das Fleisch im empfohlenen Markt bereits ausverkauft und wir mussten uns mit einem einheimischen Gebräu namens «Tchoukoutou» zufrieden geben, welches aus fermentierter Hirse hergestellt wird.

Nachdem wir für eine längere Zeit an Höhe gewannen, kam uns plötzlich ein Rennradfahrer entgegen. Beide Parteien waren zuerst erstaunt einander zu sehen und es brauchte einen Moment bis wir anhielten. Karim kam ursprünglich aus Lomé, war Mitglied eines Fahrradvereins und beklagte sich, dass er der einzige Rennradfahrer in dieser Gegend sei.

Nach einem weiteren Anstieg auf einen Pass änderte sich die Landschaft erstaunlich schnell und wir befanden uns in einer durch die Regenzeit grün überwachsenen Steppenlandschaft. Erinnerungen an den Senegal kamen hoch und wir freuten uns über die willkommene Abwechslung.

In Kandé verliessen wir die Asphaltstrasse und fuhren Richtung Grenze. Dieses Gebiet ist Teil des UNESCO- Weltkulturerbes und beheimatet traditionelle Häuser, genannt «Tata». Aufgrund der hohen Preise für die Besichtigung entschieden wir uns dies auf der Beninischen Seite zu tun, da wir die Information hatten, dass es dort günstiger ist.

Plötzlich kam uns ein Allradfahrzeug mit Militärbegleitung entgegen und ein Weisser schrie aus dem Fenster «Cape2Cape». Zuerst waren wir völlig erstaunt und wussten nicht recht wie reagieren. Als die zwei Frauen und Essaddi ausstiegen realisierten wir, dass wir über Instagram in Kontakt waren. Essaddi erzählte uns, er verfolge unsere Reise schon länger und fuhr selber auch schon durch Togo mit dem Fahrrad.

In Naboda besuchten wir den extrem aktiven Wochenmarkt. Wir stärkten uns mit einer grossen Portion Reis und tranken das lokale Hirsengebräu mit einer Gruppe Einheimischer aus Schüsseln, hergestellt aus ausgehöhlten Flaschenkürbissen in einer putzigen Rundhütte. Danach war es nicht mehr weit zum Zoll und wir befanden uns bereits in Benin.

Mit Togo verliessen wir ein Land mit extrem freundlichen Leuten, die uns stets mit «bon arriveé» begrüssten und erstaunt nachfragten woher wir kommen. Zum ersten Mal seit langem liessen wir ein Land hinter uns ohne eine einzige warme Dusche und keinen weissen Gastgeber zu haben.

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