Grenze Togo – Lomé

(Last Updated On: September 19, 2019)

11. September – 19. September 2019:

Abrupt änderte die Asphaltstrasse in eine schmale, dreckige Piste und erst nach ein paar Kilometern erreichten wir die Immigrationsbehörde auf der Togolesischen Seite. Togo ist seit langem das erste Land, wo wir unser Visum an der Grenze bekamen. Das Visum ist zwar nur sieben Tage gültig, aber immerhin mussten wir nicht auf eine Botschaft in Accra rennen und konnten so einiges an Geld sparen. Darum liessen wir Accra erst als zweite Hauptstadt in Afrika aus und sparten uns den Stress der Grossstadt.

Mit dem neuen Visum im Pass legten wir die restlichen Kilometer bis nach Kpalimé zurück. Die Strasse glich einem Flickenteppich und wir mussten den übriggebliebenen Asphaltstücken im Slalom ausweichen. In der Stadt angekommen suchten wir das «Cycling Project» auf und wurden herzlich empfangen. Abdou, der Gründer des Vereins, lernten wir über Warmshowers kennen.

Während der Suche nach einem Restaurant lernten wir einen Togolesen kennen der 25 Jahre in Deutschland gelebt und dort eine Familie gegründet hat. Seit zwei Jahren ist er zurück in Togo und ist somit dem stressigen Arbeitsleben in Europa entflohen.

Das empfohlene Restaurant war ausgenommen vom Frühstück unser Stammlokal. Die verschiedenen Saucen schmeckten genial und wir konnten gar nicht an einem anderen Ort essen.

Abdou’s Cycling Project unterstützt Kinder mit Fahrrädern, Schulbücher und bezahlt die Schulgebühren, falls die Schüler ihre Leistung in der Schule bringen. Ausserdem zeigt er ihnen wie man fahrradfährt und organisiert Rennen in der Region.

Mahdi, ein Tunesier, der seit über einem Jahr Afrika bereist war zur gleichen Zeit Gast bei Abdou und wir tauschten unsere Erfahrungen aus.

Um Daten für den Togolesischen Anbieter zu kaufen, muss man tief in die Tasche greifen. Durch Zufall erfuhren wir von einer Familie, welche einen Router installiert hat. Dort konnte man für umgerechnet 20 Eurocent den ganzen Tag im Internet surfen. Also sassen wir mehrere Stunden auf Kanistern in einem dunklen, muffigen Raum.

Seit über einem Jahr sind wir mit Ivan, einem Italienischen Tourenfahrer im Kontakt. Er startete in Italien und hat ebenfalls Südafrika als Ziel. In Togo kreuzten sich unsere Routen und wir hatten nette Gespräche über unsere Erlebnisse in der Region und die weiteren Pläne. Ausserdem diskutierten wir mögliche Lösungen für das Problem des Nigeria-Visums.

Wir verliessen Ivan, Abdou und die angenehme Atmosphäre des Fahrradvereins wieder und fuhren Richtung Hauptstadt. Auf dem Weg hinunter ins Flachland fuhren wir am höchsten Berg Togos vorbei, der knapp die 1’000 m Marke nicht knackt. Aufgrund der hohen Gebühren um den Gipfel zu «besteigen», fuhren wir nur zum ersten Dorf hoch, um die Umgebung zu sehen. Das Terrain war im Vergleich zu den letzten Tagen in Ghana extrem flach und immer wieder sahen wir Autowracks am Strassenrand.

Die schmale Strasse führte uns schnell nach Lomé, der grössten Stadt Togos. In der Nähe des Zentrums wurden wir von Noah und seiner Familie herzlich empfangen. Von Mehdi, den wir in Kpalimé kennengelernt hatten, bekamen wir den Kontakt von Noah. Seit kurzem ist er Mitglied auf der Plattform Couchsurfing und empfing uns als seine zweiten Gäste überhaupt.

Als erstes mussten wir unbedingt unser Visum verlängern, da der letzte Tag bereits lief. Mit dem Fahrrad erreichen wir den Standort schnell und mussten zusammen mit Dutzenden anderen Leuten das Antragsformular ausfüllen und mehrmals anstehen, um am Schalter bedient zu werden. Schlussendlich wurde uns gesagt, dass wir das neue Visum am nächsten Tag abholen können.

Problemlos konnten wir das Visum abholen und waren vorläufig beruhigt. Für Benin konnten wir das Visum online beantragen und mit Kreditkarte bezahlen. Für einmal einfach und ohne grösseren Aufwand.

Ausserdem wollten wir bei der Botschaft der Demokratischen Republik Kongo vorbeischauen, ob es eine Möglichkeit gibt, das Visum zu beantragen. Eigentlich teilte uns einer der Mitarbeiter sofort mit, es wäre nur mit Residenzkarte möglich, das Visum zu beantragen. Glücklicherweise kam während des Gesprächs der Botschafter vorbei und meinte er helfe gerne das Visum trotzdem zu bekommen. Die nächste Hürde war das genaue Datum unserer Ankunft zu bestimmen, da wir genau angeben mussten ab wann wir das einmonatige Visum in Anspruch nehmen wollen.

Am nächsten Tag hatten wir alle nötigen Kopien dabei, uns ein Datum ausgedacht und fuhren zurück zur Botschaft. Wir wollten alles bezahlen, da meinte der Mitarbeiter der die Visa ausstellt, er bräuchte ein wenig mehr Geld, da es normalerweise viel länger ginge um das Visum auszustellen und wir nicht alle nötigen Dokumente hätten. Wir einigten uns nach einer typisch Afrikanischen Diskussion auf eine Express-Gebühr (Bestechung) von 15 Euro. Als wir das Visum abholten, wurden wir informiert, dass es noch ein kleines Problem gebe. Anscheinend ist das Visum ab Ausstellungsraum nur drei Monate gültig und unsere Ankunft war erst in fünf Monaten geplant. Also schrieb er ein Ausstellungsdatum im November auf und hoffte für uns, dass niemand an der Grenze kontrollieren wird, wann wir gemäss Pass genau in Togo waren.

Der mehrheitlich freundliche Beamte gab uns noch die Empfehlung, eine Residenzkarte zu erstellen, damit es an der Grenze weniger Fragen gäbe und unsere Chancen für eine erfolgreiche Einreise grösser wären. Wir hatten nämlich in den letzten Wochen viel über Abweisungen an genau dieser Grenze gehört, da die Visa nicht im Heimatland ausgestellt wurden. Eigentlich müssten alle Visum für DRC im Heimatland ausgestellt werden. Dies ist aufgrund der Länge unserer Reise nicht möglich und ein Rückflug deswegen wäre zu teuer.

Als nächstes fuhren wir zum Polizeihauptquartier mit den Kopien unseres Passes und des Togolesischen Visums. Eine nette Frau half uns beim Ausfüllen des Formulars. Der Vorgang ging schnell und uns wurde gesagt, wir können das Dokument ausnahmsweise bereits am nächsten Morgen abholen.

Eigentlich wollten wir uns in Lomé etwas ausruhen, aber die Besuche der vielen Botschaften, verteilt in der ganzen Stadt, liessen uns abends müde ins Bett fallen. Das grösste Sorgenkind ist nach wie vor Nigeria. Unser bereits dritter Besuch der Nigerianischen Botschaft in Lomé, ging ebenfalls leer aus. Die Residenzzertifikate wurden nicht akzeptiert, da es anscheinend noch ein anderes gibt. Wir gaben alles und sprachen mit der halben Belegschaft der Botschaft, aber dies half nichts. Schlussendlich wurden wir aufgrund unserer kurzen Hosen aus dem Gebäude geschickt und alle andern Leute amüsierten sich, als wir lautstark argumentieren gar keine langen Hosen dabei zu haben.

Auf dem Rückweg besichtigten wir das unspektakuläre Stadtzentrum, den lebendigen «Grande Marché» und den schönen Stadtstrand. Lomé scheint eher wie eine Kleinstadt und ist eher ruhig und gesittet im Vergleich zu bisherigen Millionenstädten in Afrika.

Abdou gab uns die Telefonnummer seines Fahrradfreundes und wir trafen ihn bei seinem Haus. Er konnte Fabians kaputten Getränkehalter und Adrians Laufrad ersetzen. Mehr als zwei Stunden war er mit der mühsamen Arbeit des Aus- und Einspeichens beschäftigt. Glücklicherweise war Edem der Captain des Togolesischen Nationalteams und wusste darum genau Bescheid wie man so etwas macht.

Noah zeigte uns einen Grillstand, wo wir seit Wochen das erste Mal ein Stück Fleisch assen. Normalerweise verzichten wir freiwillig auf das Fleisch bei den meisten Gerichten, da man lange suchen muss bis man vor lauter Knochen etwas Fleisch findet.

Ausserdem besass unsere Gastgeberfamilie seit kurzem ein kleines Restaurant, wo wir fast jeden Abend zur Abwechslung Pommes, Salat oder Spaghetti assen.

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