Grenze Angola – Windhuk

(Last Updated On: März 21, 2020)

11. März – 19. März 2020:

Bei der Namibischen Immigration mussten wir ein Formular ausfüllen und bekamen im Nu den Einreisestempel. Fabian musste nochmals zurück, um für seinen zweiten Pass ebenfalls einen Ausreisestempel zu holen. Sein ursprünglicher Pass war nicht mehr die notwendigen sechs Monate gültig und er durfte nicht mehr mit diesem einreisen. Somit betraten wir das zweitletzte Land auf unserer Route und seit Ewigkeiten wiedermal ein Land, welches wir ohne Visum betreten durften.

Direkt nach den Formalitäten mussten wir uns an den Linksverkehr gewöhnen. Die Hauptstrassen in Namibia sind zwar asphaltiert, aber es gibt keinen Pannenstreifen mehr und somit ist das Fahrradfahren wieder gefährlicher.

Endlich konnten wir uns wieder mit den Einheimischen unterhalten in einer Sprache die wir beherrschten. Viele Leute in Namibia sprechen Englisch, Afrikaans und eine der vielen lokalen Sprachen. Unsere erste Mahlzeit in Namibia war eine Wurst mit Maisbrei und Kartoffeln.

Das Zelt perfekt hinter einer Palme platziert, konnten wir vom Schatten profitieren und bis 9:30 Uhr ausschlafen. Wir hatten die Zeitumstellung um eine Stunde völlig vergessen und merkten erst als wir die Handies mit anderen Geräten verglichen, dass sich die Zeit um eine Stunde nach hinten verschoben hatte.

Bereit loszufahren, bemerkte Adrian einen Platten Hinterpneu. Kaum war dieser geflickt und das Fahrrad beladen, hatte der Pneu schon wieder Luft verloren. Nach kurzer Begutachtung sahen wir, dass sich ein alter Flick gelöst hatte und darum der Schlauch nicht mehr dicht war. Nach einer Pause bohrte sich noch ein Dorn in denselben Pneu und Adrian durfte seine Mechanikerkenntnisse nochmals unter Beweis stellen.

Die Strasse führte uns am bekanntesten und tierreichsten Nationalpark Namibias vorbei. Der Etosha Nationalpark ist von einem hohen Zaun umgeben und enthält unzählige Tierarten. Wir unterschätzten die Leere der Gegend und hatten bald kein Wasser mehr. Zum Glück hielten drei Frauen bei einem Rastplatz und wir konnten fragen, ob sie etwas Wasser für uns hatten. Nebst Wasser gaben uns die netten einheimischen Frauen etwas zu essen und wir erzählten ihnen von unserer Reise.

Nachdem uns ein lokales Gewitter voll erwischte, erreichten wir klitschnass die nächste Stadt. Nach 740km in sechs Tagen brauchten unsere erschöpften Körper definitiv eine Pause. Nigel, ein Bekannter von Janet, lud uns ein auf dem schönen Campingplatz in Tsumeb zu übernachten. Der topmoderne Campingplatz verfügte über warme Duschen, einen 50m Schwimmbecken und Internet.

Wir gingen davon aus es hätte eine Gemeinschaftsküche und bevor wir auf den Campingplatz fuhren, kauften wir auch dementsprechend ein. Leider gab es keine Küche und nur wenige Leute waren auf dem Camingplatz, darum hatten wir Mühe jemanden zu finden, der uns einen Kocher ausleihen konnte.  Am letzten Abend lernten wir ein nettes und unkompliziertes Schweizer Paar kennen, welches seit über zehn Jahren die Welt bereist. Wir tauschten uns aus und konnten seit langem wiedermal Schweizerdeutsch mit jemandem sprechen.

Nach einem gemütlichen Frühstück mit Walter und Regine in ihrem praktisch eingerichteten Fahrzeug, besuchten wir das Fahrradprojekt von Nigel. Die Occasionfahrräder aus Europa und Amerika werden hier wieder in Stand gesetzt und verkauft. Mit dem Erlös werden Anlässe für die Kinder und Jugendlichen organisiert. Natürlich schenken Nigel, seine Frau und die anderen Mitarbeiter auch Fahrräder an die Kinder. Uns wurde das riesige Lager an Ersatzteilen und Fahrräder gezeigt. Nigel bot uns allerlei Sachen an und schlussendlich entschieden wir uns für einen neuen Helm. Wir freuten uns über dieses grosszügige Geschenk.

Erst nach dem Mittag verliessen wir endlich die ehemalige Mienenstadt und fuhren weiter. Nach ein paar Steigungen, wurde das Terrain wieder flach und schnurgerade Abschnitte folgten. Im letzten Ort kauften wir ein paar Lebensmittel ein, da für die nächsten knapp 100 km keine Einkaufsmöglichkeiten mehr kamen.

Gerade Strassen wie mit einem Lineal gezogen prägten unsere Route. Dank dem Rückenwind kamen wir schnell vorwärts und konnten an der eher eintönige Landschaft vorbeidüsen. In einem Bauernladen kauften wir uns eine lokale Spezialität. Der Rindersalami schmeckte uns und war ein willkommener Snack.

In ganz Namibia sind links und rechts der Strasse Zäune, welche das Privatland abgrenzen. In einem solchen riesigen Stück Land sahen wir einige Elenantilopen und Kudus. Am Ende des Tages schafften wir mit 175km einen neuen Cape2Cape Rekord, sogar trotz Fabians Krämpfen im Oberschenkel gegen Schluss.

Nach einer erholsamen Nacht auf dem Gelände einer Gästefarm, sprachen wir mit der zuvorkommenden Besitzerin und tauschten uns über die neusten Geschehnisse im Land aus. Inzwischen hat der Corona-Virus bzw. die Konsequenzen daraus auch Namibia erreicht. Die meisten Flüge wurden gestrichen und somit auch die Flüge von Adrians Familienmitglieder. Momentan klären wir ab, was mit dem gebuchten Mietauto und den Unterkünften passiert bzw. ob wir das Geld zurückbekommen. Zurzeit gibt es erst 3 Infizierte und alle davon sind eingereiste Touristen.

Je näher wir Windhuk kamen, desto höher war das Verkehrsaufkommen. Die meisten Fahrzeuge nahmen jedoch Rücksicht auf uns und wir fühlten uns nicht allzu oft unsicher. In der letzten Stadt vor der Hauptstadt, trafen wir den Russen Dimitri, der Afrika per Autostopp bereist. Er erzählte uns mit einem riesigen Lachen wie einige seiner persönlichen Gegenstände von bewaffneten Einheimischen gestohlen wurden. Dies sei nicht das erste Mal und er hatte keine Chance bei der Polizei, da die Banditen dort Freunde hatten.

Die letzten Kilometer nach Windhuk mussten wir auf einer Autobahn fahren, aber dies war für einmal positiv, da wir endlich genügend Platz hatten. Erschöpft erreichten wir die Mitte des riesigen Landes (Gefahrene Route) und somit die grösste Stadt Windhuk.

Bei Vera und ihrer Familie durften wir eine Nacht unterkommen und zum Abendessen lud sie sogar noch einige Freunde und einen weiteren Reisenden ein. Wir hatten einen geselligen Abend und wie überall auf der Welt war natürlich der Virus das Hauptthema.

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